Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt???

Helmut Hofbauer: Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt? Königshausen & Neumann, Würzburg 2011.

Buchcover: Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt?

Gehen wir doch mal von der allgemein geteilten Vorstellung aus, wonach Wissenschaft in methodisch geleiteter objektiver Erkenntnis besteht, und sehen wir, ob folgende Thesen plausibel sind:

1. Wissenschaft ist eine Art von heteronomer, indirekter Erkenntnis

Das Erste, das einem auffällt, wenn man die Wissenschaft unvoreingenommen betrachtet, ist, dass dort niemand sagt: „Da habe ich das und das daraus gelernt!“, sondern man sagt: „Damit wird eine Forschungslücke im Bereich … geschlossen.“ oder „Das ist ein Fortschritt für die (Name der Disziplin).“

Man führt also in der Wissenschaft nicht Erkenntnisbemühungen aus eigener Initiative oder auf eigene Rechnung durch, sondern man erkennt für eine Institution.

Es ist denkbar, dass einem Menschen, der auf diese Weise Erkenntnisarbeit „im Auftrag von…“ durchführt ein wenig außer Kontrolle gerät, welche Erkenntnisziele er warum beforscht und welche Darstellungen von Ergebnissen aus welchem Grund als Erkenntnisse anzusehen sein sollen.

2. Wissenschaft ist eine Karriere/ein Beruf

Die Vorstellung, von der wir ausgegangen sind, wonach man sich in der Wissenschaft darum bemüht, mithilfe von methodischem Vorgehen die Wahrheit zu erkennen, lässt es so erscheinen, als ob bei diesem Unternehmen grundsätzlich ein jeder Mensch mitmachen könnte, der sich an diese Regeln hält. In der Wirklichkeit sieht das aber nicht so aus: Es hat sich eine Reihe von Institutionen gebildet, die WissenschaftlerInnen Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, und ebenso ein System von Veröffentlichungsmöglichkeiten (Journals, Kongresse etc.) wissenschaftlicher Arbeit. In diesem institutionellen, (ver)organisierten Umfeld erweist sich, dass eigentlich kein Betrag zur Sprache kommen und von den Anderen gehört werden kann, der nicht ohnehin bereits von innerhalb dieser Strukturen her kommt.

Wir können also entweder sagen: Der Ausgangspunkt, den wir gewählt haben, ist schlicht falsch, oder er muss wie folgt modifiziert werden: Wissenschaft besteht in methodisch geleiteter objektiver Erkenntnis – aber nur in solcher, die von Personen generiert wird, welche in wissenschaftlichen Institutionen arbeiten und dies im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Karriere tun.

Oder einfacher gesagt: Objektive Erkenntnis, von NichtwissenschaftlerInnen produziert, ist keine wissenschaftliche Erkenntnis.

3. Wissenschaft ist systematisches, systematisiertes Wissen

Diese These klingt unverdächtig und selbstverständlich, solange man sich nicht überlegt, was sie impliziert. Sie impliziert: Es genügt nicht, bei einer Erkenntnis nur darüber nachzudenken, ob sie wahr (objektiv) ist, sondern man muss sich auch darüber Gedanken machen, wie sie in den wissenschaftlichen Wissenskorpus einzuordnen ist.

Im Rahmen einer solchen Bemühung kann es dann auch schon mal vorkommen, wie ich im letzten Kapitel meines Buches zeige, dass jemand ein ganzes wissenschaftliches Werk lang die Aufmerksamkeit seiner LeserInnen ausschließlich damit beschäftigt, die Nachbarschaftsbeziehungen zwischen seinem Forschungsfeld und anderen, verwandten Forschungsfeldern aufzuzeigen und die historischen Schuldverhältnisse zwischen ihnen zu klären. Wissenschaft kann daher manchmal auch darin bestehen, dass man einfach nicht zur Sache kommt.

4. Wissenschaft ist ein utilitaristisches Unternehmen

Es scheint, die Exaktheit, mit der in der Wissenschaft Erkenntnisgegenstände erforscht werden, steht in einem ziemlichen Missverhältnis zur Pampigkeit der Entscheidung, mit der man sich entschließt, dieses und nichts anderes zu beforschen, sowie der Tatsache, dass eigentlich keine Rechenschaft über die Forschungsziele abgelegt wird, wo mit wissenschaftlichen Argumenten die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Forschungsgegenstand begründet würde.

Anstatt dessen scheint es so zu sein, dass die Entscheidung über das Was der Forschung in großem Maße von der Politik gefällt würde, wobei das Argument schwer wiegt, dass diese oder jene Forschung besonders vielen Menschen nütze. Dieses quantitative Argument scheint dann den qualitativen Aspekt so sehr zu überwiegen, dass nicht einmal mehr danach gefragt wird, was es im konkreten Fall bedeutet, dass eine bestimmte Erkenntnis diesen oder jenen Menschen nützt – es genügt zu behaupten, dass sie möglichst vielen nützt.

5. Wissenschaft ist Macht

Doch was ist Macht? Macht ist ein sich selbst verfestigendes System.

An und für sich würden wir ja Wissenschaft nicht mit Macht assoziieren, denn dort regiert der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“, mit einem Wort: die Rationalität – und von der Rationalität denken wir doch gewöhnlich, dass sie so ungefähr das genaue Gegenteil von Macht ist.

Die These wird jedoch plausibler, wenn wir überlegen, worin das Ziel der Wissenschaft besteht: Wissen zu schaffen. Wissen nun ist eine Verfestigung, welche durch Kritik oder Neudurchdenken der Sachverhalte wiederum verflüssigt und durcheinandergebracht wird. Insofern die Wissenschaft also ihren Stolz darein setzt, jene Institution zu sein, die als einzige in der Gesellschaft wahres Wissen garantiert, werden Denken und Kritik immer etwas Ketzerisches und Unliebsames an sich haben, das man nur insoweit zu tolerieren bereit ist, als man schon von Vornherein mit freiem Auge sehen kann, dass das Projekt einer bestimmten Kritik in einem konkreten Fall sehr wahrscheinlich berechtigt sein wird.

Betrachtet man diese Angelegenheit auf der organisationellen Ebene, so stößt man auf die Frage, dass soziale Systeme sicherlich wohl auch so organisiert werden könn(t)en, dass Kritik und Denken gefördert werden; die Wissenschaft gehört aber offenbar nicht zu dieser Art sozialer Systeme.

6. Wissenschaft ist universales, allgemeingültiges Wissen

Auch diese These klingt so selbst-verständlich, dass sie uns nicht aus dem Schlaf unserer Gedankenlosigkeit aufweckt. Doch in ihrer Konsequenz bedeutet sie: Wissenschaft ist nicht die Erkenntnis des Einzelnen und Individuellen.

Wiederum müssen wir unseren Ausgangspunkt vom methodisch gewonnenen, objektiven Wissen modifizieren. Dass etwas als objektive Erkenntnis gewonnen wird, genügt noch nicht zu seiner Wissenschaftlichkeit; es muss sich auch wiederholen, damit es als wissenschaftliches Wissen gelten kann. Das heißt, es muss viele Eichen und viele Krankheiten oder andere Einheiten geben, die sich wiederholen. Dass es einen Jupiter gibt, ist streng genommen keine wissenschaftliche Erkenntnis, weil Wissenschaft darin besteht, abstrakte Begriffe zu gewinnen (z.B. „Krankheit“), um Phänomene miteinander zu vergleichen und auf diese Weise verallgemeinerbares Wissen zu gewinnen.

Das bedeutet aber auch: Wissenschaftliches Wissen ist abstrahiertes Wissen. Und es bedeutet auch: Wenn bei der Gewinnung von wissenschaftlichem Wissen von denjenigen Eigenschaften einer Sache abstrahiert wurde, die einen bestimmten Menschen interessieren und um derentwegen er diese Sache erkennen möchte, dann entfernt sich wissenschaftliches Wissen eigentlich bereits wieder vom Ideal der Objektivität.

Zusammenfassend:

Diese Liste von Thesen ist sicher nicht vollständig. Aber eines zeigt sie ganz gewiss: Die allgemein geteilte Überzeugung, wonach Wissenschaft in methodisch gewonnener, objektiver Erkenntnis besteht, ist unvollständig in einem Grade, dass sie irreführend ist.

Tatsache ist: Wir wissen nicht, was wissenschaftliches Wissen ist. Es ist schwer zu verstehen, was das ist. Es ist methodisch gewonnenes, objektives Wissen – aber dazu kommt noch vieles dazu, das sich aus der Dynamik des wissenschaftlichen Arbeitens in wissenschaftlichen Organisationen und Institutionen ergibt. Was belohnt die Organisation, was nicht? Was verfestigt sich als Wissen in solchen sozialen Strukturen, welches Wissen setzt sich durch und welches nicht? Wissen setzt sich ja nicht nur einfach deshalb durch, weil es richtig/wahr ist, sondern es kann sich auch deshalb durchsetzen, weil es einfach ist, veranschaulichende Kraft besitzt oder aus irgendeinem Grund von allen nachgeplappert wird.

Ich glaube, es gilt diesen systemischen Bedingungen nachzugehen, die bestimmte Erkenntnisse oder bestimmte Gestalten und Darstellungen von Erkenntnissen vor anderen bevorzugen. Am interessantesten finde ich die Frage, was denn die Wissenschaft wissen will. Wenn wir wie in meiner ersten These davon ausgehen, dass Wissenschaft nicht das Erkennen und Lernen des einzelnen Wissenschaftlers oder der einzelnen Wissenschaftlerin ist, sondern das Erkennen und Lernen einzelner wissenschaftlicher Disziplinen oder gar der Wissenschaft als ganzer, dann stellt sich tatsächlich die Frage: Was, bitte, wollen diese sozialen Einheiten wissen? Was interessiert die soziale Institution Wissenschaft?

In zwölf Einzelstudien habe ich in meinem Buch Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt? (Königshausen & Neumann, Würzburg 2011) versucht, diesen Fragen nachzugehen. Man kommt dabei bei den verschiedensten Phänomenen vorbei. Sie alle haben gemein, dass sie weit hinausgehen über das, was wir in unserer Ausgangsvorstellung als Wissenschaft beschrieben haben. Dass eine Erkenntnis objektiv und richtig ist, macht sie noch lange nicht zur Wissenschaft. Es ist noch herauszufinden, in welche Richtung sich dieses eigenwillige soziale Gebilde, das wir Wissenschaft nennen, hinbewegt und was das eigentlich genau ist, das sie uns verkauft, während wir Wissen von ihr verlangen und erwarten.

Die einzelnen Studien behandeln folgende AutorInnen und Themengebiete:

1. Jeanne Marie Gagnebin (Geschichte, Geisteswissenschaft)

2. Sandra Beaufaÿs (Geschichte, Biochemie)

3. Andreas Hütig (Kulturwissenschaften)

4. Carl Djerassi (Medizin, Naturwissenschaften)

5. Monika Wogrolly (Medizin)

6. Friederike Hassauer (Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaften)

7. Michel Foucault (Medizin, Metadiskurse)

8. John Stuart Mill (Utilitarismus)

9. Erich Visotschnig/Siegfried Schrotta (Macht)

10. Gordon A. Frutschnigg (Philosophie)

11. Oliver Sacks (Neurologie, Wissenschaft des Beobachtens)

12. Wilhelm Schmid (Lebenskunst als Wissenschaft)

Zu guter Letzt: Versteckt hat das Wissen in der Wissenschaft wohl niemand. Aber es scheint ein Wesenszug menschlicher Sozialität zu sein, dass uns Wissen und spezielle Fähigkeiten in Institutionen hineingeraten, welche sie verwalten und wo es dann Menschen gibt, die sie legitim besitzen und ausüben, während man von Menschen, die außerhalb stehen (oder innerhalb, aber da einen niedrigen Rang einnehmen), sagt: „Die machen das nicht ordentlich!“ oder „Die sind nicht dazu berechtigt.“ Hier zeigt sich, dass wissenschaftliches Wissen seinen Wert zu einem Gutteil aus der Tatsache bezieht, dass manche Menschen von den übrigen Menschen sagen können, diese besäßen dieses Wissen nicht oder jedenfalls in vertrauenswürdiger, bestätigter Weise. Ich denke, es erstaunlich, dass wissenschaftliches Wissen, das uns im Grunde doch alle schlauer und wissender machen sollte, versteckt werden muss, damit der soziale Austausch funktionieren kann, indem einige zu Experten werden und die Übrigen zu Laien – und diese jenen etwas anzubieten haben.

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Funky music does something to my mind!

Hobbys? Eines meiner Hobbys ist Musik. Ganz besondere Musik. Soul/Funk aus den 70er Jahren.

Dabei würde doch einem, der, wie ich, auf Intellektuellen macht, klassische Musik viel eher zu Gesicht stehen. Das unterstreicht gewissermaßen die intellektuelle Note, da man sich ja bis heute unter einem gebildeten Menschen einen solchen vorstellt, der die Werte der bürgerlichen Kultur internalisiert hat.

Aber leider, das Gefühlspathos eines Beethoven geht mir auf die Nerven, das Rokokorumgehopse eines Mozart macht mich depressiv. Am ehesten spricht mich aus der Sorte Musik noch Barockmusik an.

Aus meiner CD-Sammlung

Warum funky music? Dem Funk begegnete ich zuerst in meiner Studentenzeit. In einem Musikgeschäft, denn diese Musik wurde weder im Radio noch (mit der einen oder anderen Ausnahme) in den Diskotheken und Lokalen gespielt. Fasziniert von dieser Musikrichtung, begann ich Funk zu sammeln, ohne zu wissen, was es genau war, das mich daran ansprach.

Mittlerweile glaube ich, es ist eine Mischung aus “keep swinging” und Gelassenheit, eine geistige Gestimmtheit, mit deren Hilfe es mir möglich scheint, die Welt und das Leben zu ertragen. Funk ist keine reine Adrenalin-Musik wie der Rock, er geht es ziemlich gemütlich an und wird deshalb wohl so manchen, der neu auf ihn stößt, am Anfang fadisieren. Und zwar solange, bis man merkt, dass eben das das Konzept hinter der Sache ist: sich nicht zu verausgaben. Dauernd einen gemütlichen Groove aufrechtzuerhalten, aber sich nicht zu verausgaben.

Für das Leben braucht man einen langen Atem. Jedenfalls wenn man kein Rock’n'Roll-Leben führen will (Live fast, die young.). Diesen langen Atem gibt der Funk, und zwar: ohne damit aufzuhören, das Leben in Schwingung zu halten. Denn ich muss zugeben: Wenn ich so auf die Welt schaue, dann bleibt mir alles stehen. Dann bleibt in mir alles stehen, so unlustig sieht mir das meiste aus. Der Funk hilft mir, gegen die Welt, in der ich lebe, mein Leben noch eine Zeitlang am Swingen zu halten.

Aus meiner CD-Sammlung.

Als zweites Element habe ich Gelassenheit genannt. Mit Gelassenheit meine ich die Einsicht, dass man durchs Leben geht und an der Welt wahrscheinlich nichts oder nur ganz wenig wird ändern können. Aber das Leben muss sich trotzdem lohnen – eben das ist Gelassenheit: zu verstehen, dass man damit zufrieden sein kann, wenn man von Zeit zu Zeit einen guten Groove erlebt. Das muss genügen, mehr gibts nicht. Situation normal, all fucked up – alles normal, alles beschissen, aber wir grooven.

Aus meiner CD-Sammlung

Was das mit Philosophie zu tun hat

Es gibt (viele) Leute, die glauben, das Denken aus sich allein heraus bestehen kann; diese Leute schreiben und lesen dann Bücher, die pure Philosophie sind: in denen ein theoretisches Problem auf rein logische Art und Weise gelöst wird.

Ich gehöre nicht zu diesen Leuten. Ich glaube, dass das Denken allen Antrieb verlieren würde, wenn zu ihm nicht Suppen-Essen, U-Bahn-Fahren und Laufen über Wiesen gehören würde. Mit einem Wort: die ganze Palette menschlicher Erlebensmöglichkeiten. Aus ihnen nährt sich das Denken und ist gleichzeitig selbst eine Erlebensmöglichkeit.

Aus dem Grund höre ich interessante Musik und lese Literatur. Weil ich weiß, das meine Gedanken letztlich aus der Betrachtung der Welt herkommen, so wie sie sich mir erschließt – und nicht aus logisch-philosophischen Deduktionen. Das ist auch der Grund, warum ich zwischen Philosophie und Literatur keinen Unterschied machen möchte.

Funky music does something to my mind. Weil sie mein Denken und Wahrnehmen in Bewegung versetzt und mich gleichzeitig in Ruhe lässt. Sie belästigt mich nicht mit starken Emotionen, um sie mir aufzudrängen, sondern lässt sich Zeit und vermittelt so auch mir das Gefühl, Zeit zu haben. Zeit, um einen Gedanken zu denken und in der Wahrnehmung dieses Gedankens ganz präsent, ganz da zu sein – den Augenblick zu erhaschen.

Aus meiner CD-Sammlung

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Recommended Links

1. Mein Blog auf philosophieblog.de (100 A4-Seiten Text)

http://philosophieblog.de/philohof/

2. Meine Dissertation “Bezugspunkt Gesellschaft” hatte schon mehr LeserInnen als so manche andere Doktorarbeit. Weil sie sich nämlich – so der Tenor der Rückmeldungen – spannend wie ein Roman liest.

http://www.bibliotekacyfrowa.pl/Content/14681/Bezugspunkt_Gesellschaft.pdf

3. Die Gesellschaft für angewandte Philosophie

www.gap.or.at

4. unbedingt lesen: Philosophische Erzählungen von Theodor Herzl

http://de.wikisource.org/wiki/Philosophische_Erz%C3%A4hlungen

5. Peter Krieg über Innovation in geschlossenen sozialen Systemen

http://www.heise.de/tp/artikel/23/23717/1.html

6. Richard Rorty über analytische und transformative Philosophie. (Transformative Philosophie meint Gedanken, von denen sich Individuen und Gesellschaften verändern lassen)

http://evans-experientialism.freewebspace.com/rorty02.htm

7. Keine bevormundende Ethik – Fernando Savater: Lebens-Tips mit Grips und Witz

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-52691099.html

bzw. als pdf: http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=52691099&aref=image036/2008/03/13/cqspc-199300500880092.pdf&thumb=false

Viel Spaß beim Lesen!

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Ein Programm für eine Philosophie der Zukunft

Programm für eine Philosophie, in der

1. Denken möglich ist;

In einer solchen Philosophie müsste der Gedanke höher geschätzt werden als die Wahrheit. Denn das Denken bewegt sich, die Wahrheit hingegen – die wahre ebenso wie die vermeintliche – steht still. Stellt man die Wahrheit über den Gedanken, so wie man das bisher getan hat, wird immer das Gedachte das Denken erdrücken.

2. rationale Kommunikation zwischen gleichberechtigten Gesprächspartnern möglich ist;

Damit rationale Kommunikation möglich ist, darf die Wahrheit weder ganz objektiv noch ganz subjektiv sein. Denn die subjektive Wahrheit ist so tief erlebt, dass sie unkommunizierbar ist; die objektive Wahrheit hingegen bedarf der Mitteilung nicht – es genügt, wenn Einer sie für alle feststellt und proklamiert. „Es ist so!“ – ist keine Mitteilung: Der Andere kann das nur hinnehmen, nicht aber darauf reagieren.

3. in welcher den GesprächspartnerInnen im philosophischen Gespräch Respekt gezollt wird;

Damit den GesprächspartnerInnen in einem philosophischen Gespräch oder einer philosophischen Diskussion Respekt gezollt wird, ist es notwendig, dass die Wahrheitsfindung in den Köpfen der Menschen höher bewertet wird als die Ergebnisse der philosophischen Diskussion. Stellt man die Diskussion (oder den Diskurs) über die Menschen, so interessiert mit einem Mal nicht mehr, was die Menschen zu sagen haben – der grundsätzliche Respekt ihnen gegenüber endet, jener, der darin besteht, ihnen zuzuhören.

4. in welcher Lernen möglich ist;

Lernen ist nur möglich, wenn der Mensch das Recht genießt, unfertig zu sein. Denn Lernen ist der Weg der eigenen Entwicklung, und auf diesem Weg ist das Wissen bruchstückhaft und unfertig. Damit es wieder möglich werde, dass der Mensch lernen kann, müssen wir aufhören den wissenden, qualifizierten Menschen über den Lernenden zu stellen. Denn der qualifizierte Mensch braucht unser Wohlwollen nicht, um seine Ideen zu formulieren; der Lernende hingegen hat es notwendig, seine Ideen zu formulieren, damit er lernen kann.

5. und in welcher das Formulieren von eigenen Erfahrungen und Fragen möglich ist.

Damit das Formulieren eigener Erfahrungen möglich ist, muss es zuerst einmal um diejenige Person gehen, die sie formuliert. Geht es nur um die Inhalte, die formuliert werden, und ihre Wahrheit oder Gültigkeit, dann ist es nicht möglich, Erfahrungen und Fragen zu formulieren. Eine Erfahrung ist keine Wahrheitsbehauptung, mit der man sich auseinanderzusetzen hat, sondern eine Person, die etwas erfahren hat. Ebenso ist eine Frage keine dumme oder gescheite Frage, sondern ein Mensch, den eine Frage beschäftigt.

Erfüllt schon eine der bestehenden Philosophien diese Anforderungen?

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Philosophie aus Sicht der (philosophischen) Kommunikation

In seiner Einleitung zum Band Philosophie der Reihe Das Fischer Lexikon (hg. v. Alwin Diemer und Ivo Frenzel, Frankfurt/Main 1958. S. 9-17) stellte Helmuth Plessner Philosophie dar als etwas, das gegenwärtig (=1958) gerade eliminiert, ausgelöscht wird.

Und zwar wird die Philosophie seiner Ansicht nach ausgelöscht durch zwei Extrempositionen, die einander gegenseitig negieren, die analytische Philosophie und die Existenzphilosophie. Von diesen beiden Philosophierichtungen wird die Philosophie Helmuth Plessner zufolge deshalb ausgelöscht, weil die analytische Philosophie gänzlich in der Wissenschaft aufgeht und damit die philosophierende Person auflöst, die etwas Philosophisches kommunizieren könnte; die Existenzphilosophie hingegen (Plessner nennt Heidegger und Jaspers) löst dasjenige auf, das zwischen Philosophierenden kommuniziert werden könnte, indem sie behauptet, dasjenige, worum es beim Philosophieren eigentlich gehe, sei nur einer inneren Schau zugänglich oder verschließe sich überhaupt jeder rationalen Erkenntnis und dergleichen.

Analytische Philosophie und Existenzphilosophie zerstören also die Philosophie, indem die erste den philosophierenden Menschen umbringt und die zweite den Gegenstand philosophischer Kommunikation. Beides aber – kommunizierende Person und Kommunikat – braucht es zum Kommunizieren.

Das führt uns zur Frage, wie Plessner denn Philosophie überhaupt bestimmt: Er bestimmt sie als „Wissenschaft in einem sehr weiten Sinne“, deren Thema „Welt und Mensch“ ist, deren Probleme „persongebunden“ sind und deren Argumente „auf soziale Resonanz rechnen können“.

Anders gesagt: In der Philosophie denkt ein Mensch sich was zum Thema „Mensch und Welt“ aus, kommuniziert dies anderen und rechtfertigt es ihnen gegenüber rational. Damit es Philosophie wird, braucht es also einen Menschen, der sich etwas ausdenkt und auch einen Gegenstand des Denkens, der sich im rationalen Gespräch verteidigen lässt.

Und da das, was sich dieser Mensch ausdenkt, ihn auch persönlich interessieren wird (denn sonst täte er es sich nicht ausdenken), wird es sich dabei um persongebundene Erkenntnisse handeln (die diese Person nichtsdestotrotz versucht, dem intersubjektiven Urteil zugänglich zu machen).

Dieser Punkt ist wichtig, weil die Wissenschaft überhaupt kein persongebundenes oder personbezogenes Wissen hervorbringt; so etwas ist ihr fremd.

Gut. Und jetzt: Wie ist es nach Helmut Plessner soweit gekommen, dass die Philososphie sich heute (1958) selber auslöscht? Plessner erwähnt mehrmals in dem genannten Text die gesellschaftliche ARBEITSTEILUNG als Ursache für diese Entwicklung. Als weiterer Tatverdächtiger muss dieser Kriminalgeschichte aber auch noch die Idee des FORTSCHRITTS hinzugefügt werden, welcher die Philosophie nicht entsprechen konnte.

So lässt Plessner seine kleine Geschichte der gegenwärtigen Situation der Philosophie mit Immanuel Kant beginnen, der, beeindruckt vom Fortschritt der Physik und der Mathematik, einen vergleichbaren auch für die Philosophie wollte – und sie deshalb einschwor auf Fragen, die sich auch tatsächlich beantworten lassen.

Kants Ruf kam aber, so Plessner, erst später zu Resonanz, als Deutschland die industrielle Revolution nachgeholt und die Ausdifferenzierung der akademischen Unterrichtsfächer vollzogen hatte. Oder, und jetzt sage ich dasselbe nur umgekehrt: Kants Philosophie war selber nichts anderes als der Vorschlag, Philosophie der gesellschaftlichen Arbeitsteilung anzupassen, indem sie von Experten als Fachwissenschaft betrieben wird.

Die Neokantianer waren aber dennoch, so Plessner, eigentlich die Gemäßigsten in dem Bestreben, aus der Philosophie eine Fachwissenschaft zu machen. Radikaler waren die Positivisten. Plessner nennt auch Diltheys Lebensphilosophie und Husserls Phänomenologie als Versuche, Philosophie an die neue Gesellschaftsform (die Niklas Luhmann „funktional differenzierte Gesellschaft“ nennt) anzupassen.

Nachdem er dergestalt aufgezeigt hat, wohin die gesellschaftliche Entwicklung die Gleise legte, wird klar, wohin der Zug der Philosophie rollen musste: Im 18. Jahrhundert musste sie, beeindruckt durch die Wissenschaft, selbst Ergebnisse liefern, die glaubhaft machten, dass sie der Gesellschaft

  • Fortschritt brachte und
  • ein Expertenwissen besitzt, das ihr keine andere Disziplin streitig machen kann.

Das waren die „formalen“ Forderungen der Gesellschaft an sie, die fürderhin ihren Inhalt bestimmen würden.

Die Philosophie reagierte auf diese Forderungen, indem sie sich entweder der Wissenschaft gänzlich integrierte (indem sie zu Wissenschaftstheorie wurde) oder indem sie sich auf ein Gebiet zurückzog, auf dem sie sich unangreifbar wähnte.

Also: Entweder wurde sie zur analytischen Philosophie (und dadurch zur Wissenschaftstheorie) oder zur Existenzphilosophie.

Also: Entweder Sich-Anhängen an den stärkeren Partner Wissenschaft, weil er es ist, der Fortschritt bringt (wenn die Gesellschaft Fortschritt verlangt) oder Rückzug auf ein Gebiet, wo niemand genau nachprüfen kann, aber das man wenigstens – im Sinne eines Fachgebiets – unbestritten für sich hat.

Der „Verzicht der Philosophie auf eine eigene Aussage über die Welt“, habe, so Helmuth Plessner, „paradoxerweise in zwei diametral entgegengesetzten Positionen [ge]endet: in ihrer Umbildung zu einem Instrument der Vergesellschaftung und in ihrer Vereinsamung am Orte des eigensten Selbst.“ (Ebd. S. 17)

Mit dem „Instrument der Vergesellschaftung“ ist klarerweise die analytische Philosophie gemeint, die den Menschen so sehr vergesellschaftet, dass er aufhört individueller Mensch zu sein, welcher den Anderen etwas mitzuteilen hat. Das Gegenteil davon ist die Existenzphilosophie, welche die Individualität des Menschen so sehr betont, dass von ihr aus keine Botschaft mehr den anderen Menschen erreichen kann. Das ist wohl das Schöne an Plessners Text, dass darin Kommunikation als die Mitte zwischen totaler Vereinsamung und Auflösung des Menschen in der Gesellschaft aufgefasst wird.

Ich habe diese Situationsbeschreibung der Philosophie von Helmuth Plessner aus dem Jahr 1958 gewählt, weil sie mir auch heute noch zutreffend zu sein scheint. Oder gibt es irgendeine Entwicklung, durch welche die akademische Philosophie aus dieser Sackgasse (man lese richtig: aus diesem Ende der Philosophie) herausgekommen wäre?

Was mir bei der Lektüre von Plessners Text sehr stark aufgefallen ist, ist, dass ihm zufolge die Entwicklung der Philosophie in den letzten 200-300 Jahren ausschließlich an Forderungen der Gesellschaft (Fortschritt und Arbeitsteilung) orientiert hat; gar nicht hingegen daran, was der Mensch, der einzelne Mensch, in der Philosophie suchen oder von ihr wollen könnte.

Ich frage mich daher:

  • Hat niemand je in Erwägung gezogen, dass Philosophie überhaupt nicht dazu gut sein könnte, um Fortschritt für die gesamte Gesellschaft hervorzubringen?
  • Hat niemand je daran gedacht, dass Philosophie zur Vervollständigung individueller Erkenntnis und nicht zur Weiterentwicklung gesellschaftlicher Erkenntnis gut sein könnte?
  • Hat nie jemand ernstlich erwogen, dass Philosophie nicht dazu da sein könnte, um aus dem Menschen einen Experten zu machen, sondern um Laienwissen und Dilettantismus am Leben zu erhalten.

Kurz: Plessners Text macht eindrucksvoll klar, dass Philosophie als ein gesellschaftliches Unterfangen wenig Sinn macht. Ist nie jemand auf die Idee gekommen, sie aus der Perspektive des Individuums zu begreifen? – Jedoch nicht des Individuums, für das seine eigene Individualität der Ort unkommunizierbarer Einsamkeit ist, sondern jenes Individuums, das sich anderen Menschen mitteilen möchte?

10. Mai 2011

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Das Wiener Dschungelbuch

“Wer hat jemals einen Sandler weinen gesehen? Ja, Mißtrauen, Angst, Verzweiflung und Zorn habe ich oft in den Gesichtern der Obdachlosen festgestellt, aber niemals Tränen. [...]”

Ich freue mich sehr: Rabbafüzzes’ melancholisch-schöne Erzählung “Das Wiener Dschungelbuch” ist als Buch erschienen! Wer dieses schmale (70 Seiten), zum Teil im Wiener Dialekt verfasste Bändchen liest, wird nicht umhinkommen, vor Rührung so manche Träne zu vergießen.

Erhältlich ist das Buch, nach Angaben des Autors in den Wiener Buchhandlungen:

  • Buchhandlung am Schottentor
  • Frick am Graben
  • Riedl (Alser Straße) und
  • Yellow (Garnisongasse)

(Zumindest in der erstgenannten sollten immer Exemplare vorhanden sein.)

Viel Spaß beim Lesen!

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Über mich

Unter dem folgenden Link finden Sie einen Lebenslauf von mir:

LebenslaufHofbauer

“Ob der Mensch nun prächtig oder bescheiden lebt, leben ist für ihn im tiefsten Grunde das Alleinsein, er ist sich bewußt, daß er ein Einzelwesen ist, daß ihm ein ganz bestimmtes, ihm allein gehörendes Schicksal zugeteilt wurde. Er lebt nicht in Gesellschaft. Jeder muß sein Leben für sich leben, mit seinen eigenen Lippen austrinken, wie man einen mit Süße und Bitternis gefüllten Becher schlürft. Zuweilen wird man begleitet, gewiß, aber diese Begleitung ist noch keine Partnerschaft.”José Ortega y Gasset: „Sozialisierung des Menschen“, in: ders.: Die Vertreibung des Menschen aus der Kunst. Dtv, München 1964. S. 42.

Ethik anhand von Fernando Savater (1997)

Auf den spanischen Philosophen Fernando Savater, über den ich meine Diplomarbeit schrieb, machte mich mein damaliger Spanischlehrer Jorge Sánchez-Cabrera aufmerksam, wofür ich ihm auch heute noch dankbar bin. Bei Savater lernte ich eine Ethik kennen, in der es um Ideen rund um die Frage geht, wie man ein gutes Leben führen kann. Das war für mich eine beeindruckende Erfahrung: Vorher war Ethik für mich nur ein Fach gewesen, in dem es darum geht, welche Dinge man tun soll oder nicht tun darf – mit einem Wort, sie beinhaltete nur Einschränkungen für das handelnde Individuum, aber keinerlei positive Handlungsentwürfe. Nun begegnete mir Ethik als eine philosophische Disziplin, in welcher der Mensch ein Mittel finden konnte, um sein eigenes Leben in den Griff zu kriegen.

Klar interessierte mich das, weil mich der Mensch interessiert. Den Menschen aber – da mag er noch so sozialisiert sein – gibt es nur als Individuum.

Schade nur, dass ich damals mit niemandem über meine neuen Erkenntnisse reden konnte (denn ich war damals voller Begeisterung über meine neue Entdeckung), aber die anderen im Philosophieinstitut schienen sich nur dafür zu interessieren, was der Mensch tun soll oder nicht tun darf, nicht aber dafür, was er tun will und wie er es angeht, um seine Träume zu realisieren. Diese Vorliebe meiner Mitmenschen, den Menschen von außen zu betrachten, ist etwas, das mich bis heute verwundert und beschäftigt.

Bezugspunkt Gesellschaft. Über die Geselligkeit und Ungeselligkeit der Menschen (2000)

Den Anstoß zu meiner Dissertation gab die Literaturwissenschaft (der ich wiederum in meinem Romanistikstudium begegnete, nicht in meinem Philosophiestudium): Es waren zu der Zeit Methoden zur Interpretation von literarischen Texten in Mode (ich weiß nicht: Sind sie mittlerweile aus der Mode gekommen oder nicht?), die ganz vom Menschen absahen und eigentlich sagten: Die Gesellschaft habe den Text geschrieben, die Gesellschaft der jeweiligen Epoche habe ihn auch gelesen, und die Gesellschaft in ihrer jeweiligen Struktur spiegle sich auch in Aufbau und Inhalt des literarischen Werks. Präsentiert wurde mir diese Art, literarische Texte zu lesen, als Kulturwissenschaft.

Nun ist für mich als jemanden, der sich für den Menschen interessiert, Literatur vor allem interessant aufgrund ihrer Fähigkeit das Individuelle zum Ausdruck zu bringen. (Achtung: Mit Individualität meine ich nicht „unvergleichliche Einzigartigkeit“, das ist die Wortbedeutung mit der seine Gegner diesen Begriff verunglimpfen möchten!) Ich machte mich also an die Frage heran, ob die Gesellschaft wirklich den Menschen soweit bestimmt, dass er sich völlig auflöst, sodass man ihn bei der Interpretation literarischer Werke gar nicht mehr berücksichtigen muss.

Vor allem aber wollte ich wissen, wie denn der einzelne Mensch die Gesellschaft heute realistischerweise sehen könnte, wo doch aus den Wissenschaften Theorien kamen, die besagten, dass der Einzelne sich in den Strömungen der Gesellschaft bewege fast wie ein Stückchen Holz. Es entstand eine sehr differenzierte Arbeit, eine Arbeit, in der ich viel über die Gesellschaft und über die Soziologie lernte und dieser Disziplin auch in vielem Recht geben musste, was sie über die Einschränkungen individuellen Handelns sagte.

Das war aber nicht der Fehler dieser Arbeit. Ihr Fehler, im Nachhinein betrachtet, war, dass sie sich für das Falsche interessierte, nämlich für das Individuum in der Gesellschaft. Heute verstehe ich, dass für meine Mitakademikerinnen und Mitakademiker ein Entwurf, der davon handelt, wie das Individuum die Gesellschaft sehen könnte, ebenso uninteressant sein musste wie für mich eine Literaturwissenschaft, die literarische Werke als Effekte gesellschaftlicher Veränderungen erklärt. Falls die Literaturwissenschaft sich für den Einzelmenschen interessiert hätte, hätte sie ihn in den literarischen Werken gesucht; weil sie sich nicht für ihn interessierte, las sie die literarischen Texte kulturwissenschaftlich.

Es geht also nicht darum, wie man mir damals weiszumachen versuchte, dass der eine Weg wissenschaftlich nicht funktioniere und nur der andere neue wissenschaftliche Erkenntnisse hervorbrächte, sondern: Wenn man sich nicht für den Menschen interessiert, wird man nicht nach den AutorInnen und den Charakteren ihrer ProtagonistInnen fragen. Verblüffend war für mich neuerlich nur die Ursache oder das Motiv für dieses Desinteresse am Menschen.

Einladung zur Odyssee. Eine erkenntnistheoretische Reflexion über die „epische Seite der Wahrheit“ (2001)

Dieses Buch schrieb ich unmittelbar nach meiner Dissertation. Ich entwarf darin eine philosophische Erkenntnistheorie, deren Kern in der Erkenntnis besteht, dass die Wissenschaft eine kollektive Erkenntnisanstrengung ist oder geworden ist, die individuelle Erkenntnisanstrengung jedoch dadurch verwaist ist. Richtig, ich kümmerte mich wieder um das Individuum und die Frage, wie es denn erkennen könnte. Ich kam zu vielen interessanten Ergebnissen, wie dass das Individuum seine Erkenntnisse nicht in der Weise absichern kann wie die Wissenschaft, weil es allein ist und seine Ressourcen begrenzt, und dass es, eben weil seine Ressourcen so begrenzt sind, diese bestmöglich nützen muss und daher auch den Körper, die Sinne und die Phantasie in seine Erkenntnisanstrengungen einbeziehen muss – Elemente, die in der klassischen philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnistheorie nur negative Erwähnung fanden.

Als es dazu kam, dass ProfessorInnen dieses Buch lasen, verstanden sie es nicht (bis auf einen), sie verstanden nämlich nicht einmal die Intention: Wie kann man nur eine Erkenntnistheorie für den Einzelmenschen schreiben? Anstatt dessen lasen sie das Buch wissenschaftlich und fragten, welche neuen Erkenntnisse es der Wissenschaft bringe. Aber ein Buch über die Erkenntnisbemühungen des Einzelmenschen kann nie wissenschaftlich sein, selbst wenn es wissenschaftlich geschrieben ist, weil sich Wissenschaft nicht um die Erkenntnisanstrengungen des Einzelnen kümmert, sondern nur um jene der Gesellschaft.

Interkulturelle Kommunikation. Eine (Her-)Ausführung aus der Interkulturellen Kommunikation (2009)

Dieses Buch ist Frucht meiner sechsjährigen Tätigkeit am Germanistischen Institut der Universität Wroclaw (Breslau) in Polen, wo ich Interkulturelle Kommunikation unterrichtete. Am Anfang war ich sehr begeistert gewesen von diesem Fach, weil ich es begrüßte, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander reden und einander am kulturellen Schatz ihrer eigenen Tradition teilhaben lassen.

Mit der Zeit allerdings merkte ich eine Tendenz, die wohl unvermeidlich ist in unserer organisierten Welt: Das Fach Interkulturelle Kommunikation wurde dazu missbraucht, um aus Kulturen Einheiten zu machen, die einen Repräsentanten brauchen bzw. spielten sich manche Gelehrte oder Schriftsteller – legitimiert durch ihr Wissen über diese Kultur – als Repräsentanten derselben auf. Oder: Experten traten auf und machten sich wichtig, indem sie andere Menschen darüber belehrten, was man einem/einer GesprächspartnerIn aus einer anderen Kultur gegenüber alles nicht sagen oder nicht machen darf. Sieht man die Parallele zu meiner Erfahrung mit der Ethik? – Ich kam also vom Regen in die Traufe: Wieder ging es nicht um den Menschen, sondern einige Menschen spielten sich auf, um entweder über andere Menschen das Sagen zu haben (indem sie sich zu Repräsentanten und Sprechern einer bestimmten Kultur machten) oder indem sie (als Experten für interkulturelle Missverständnisse anderen Menschen sagten, was sie zu tun haben.

Es kann nicht verwundern, dass ich aus diesem Grund über jenes Fach, über das ich so viele Einführungen gelesen hatte, eine (Her-)Ausführung schrieb: Da wollte ich schnell wieder raus! Mein Buch ist, glaube ich, sehr gut geworden, weil es eine Reihe von Texten enthält, die ich lange Zeit poliert habe. Ein Echo von Seiten der Leserschaft habe ich bislang allerdings noch nicht vernommen. Ich vermute, das hängt mit der Perspektive zusammen, welche dieses Buch in Bezug auf die Interkulturelle Kommunikation einnimmt: Es fragt nach dem Menschen in der Interkulturellen Kommunikation – und nicht danach, wie man ein wissenschaftliches Fach groß macht, bis es in den Augen der Gesellschaft glänzt.

Ich interessiere mich also für den Menschen. Das ist das Motiv für all mein Schreiben und gleichzeitig auch der Grund für seinen Misserfolg: Niemand sonst interessiert scheint sich nämlich für den Menschen zu interessieren. Dieses Desinteresse meiner Mitmenschen am Menschen ist mir zugleich nur allzu verständlich und völlig unverständlich. Nur allzu verständlich ist es mir, weil ein jeder Mensch einen Job braucht – und Jobs bekommt man im Allgemeinen nicht von Menschen, sondern von Institutionen. Daher ist es strategisch grundfalsch, sich mit dem Individuum zu beschäftigen, anstatt dessen muss man sich mit der Institution beschäftigen und zu deren Wohle arbeiten. Trägt man beispielsweise etwas zur Literaturwissenschaft bei, bekommt man irgendwann einmal einen Job von der Literaturwissenschaft; interessiert man sich jedoch nicht für die Literaturwissenschaft in der Literaturwissenschaft, sondern für die Literatur und dafür, was sie dem Menschen zu bieten hat, bekommt man keinen. So einfach ist das, und die meisten Doktoranden wissen das.

Das verstehe ich – mittlerweile – auch: Wenn du von einer Institution etwas willst, musst du der Institution dienen und nicht etwas für den Menschen machen, für den diese Institution vorgibt nützlich sein zu wollen. Also ich glaube nicht mehr daran, dass etwa die Literaturwissenschaft dem Menschen die Literatur besser begreiflich machen will. Das Einzige, was die Literaturwissenschaft will ist das Wohl der Literaturwissenschaft, dass sie wachse und in der Gesellschaft wichtiger werde – egal mit welchen Inhalten. Aber: Was mich doch immer verwundert hat, ist, warum die Kolleginnen und Kollegen die mich professionell ignorieren müssen, nicht dennoch manchmal das Gespräch mit mir suchen, um zu sagen: Aber wenn ich das jetzt aus der Perspektive meines Lebens betrachte, sind das schon sehr interessante Fragen, die du stellst!

Das ist die eigentliche Frage, die mich beschäftigt. Die Menschen interessieren sich nämlich nicht nur nicht für den Menschen aus Berechnung und Karrierestrategie, sondern sie interessieren sich wirklich nicht für ihn. Dabei müsste man doch denken: Sie sind doch auch selber Individuen – also müssten sie sich doch dafür interessieren, wie so ein Individuum funktioniert. Aber dem ist kurioserweise nicht so: Die Intellektuellen und WissenschaftlerInnen beschäftigen sich mit solcher Leidenschaft mit kollektiven Fragen und mit Fragen danach, wie man den Menschen am besten von außen betrachten kann, dass ich mich mittlerweile immer mehr dafür interessiere, was für Motive sie dafür haben. Gleichzeitig habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie oft mit solchem Wut und solcher Abscheu reagieren, wenn ich ihnen eine Frage über das Individuum stelle, dass ich mittlerweile den Eindruck habe, sie schauen in das Individuum hinein wie in einen fürchterlichen Abgrund, in den sie hineinstürzen könnten.

Alles das wäre nicht so merkwürdig, wenn wir in einer extrem kollektivistischen Gesellschaft leben. Aber man sagt im Gegenteil unserer westlichen Gesellschaft starken Individualismus nach. Ich selbst bin, und meine Arbeit ist, wie ich, glaube ich, durch diese Erzählung gerade überzeugend nachgewiesen habe, der Beweis dafür, dass unsere heutige westliche Gesellschaft überhaupt nicht individualistisch ist, sondern im Gegenteil jeden Begriff von Individualität verloren hat. Und wenn sie der Individualität mal begegnet, dann sieht sie sie an wie ein Schreckgespenst.

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Zitate zur Frage: Was ist Philosophie?

Hier finden Sie Zitate, welche mein Philosophieverständnis illustrieren.

Diese Zitate sind wichtig für mich, schon allein um zeigen zu können, dass ich mein Philosophieverständnis nicht aus dem Nichts geschöpft habe, sondern dass auch schon andere Menschen solche und ähnliche Ideen bezüglich des Wesens von Philosophie gehabt haben.

Bitte lesen Sie die Zitate genau: Dann werden Sie in ihnen nicht nur finden, wie man Philosophie unter anderem auch auffassen kann (=das Resultat einer ungenauen Lektüre), sondern dann wird aus den Textausschnitten auch folgen, was Philosophie NICHT ist oder sein kann (und das ist dann auch so zu verstehen, auch wenn die Einbindung der Philosophie in unsere gegenwärtigen Gesellschaften dem diametral widerspricht).

1. FERNANDO SAVATER: Der/die Philosophierende als jemand, der allein dasteht gegenüber der “Buntheit der Welt”

Der spanische Philosoph Fernando Savater unterstreicht in diesem Zitat die Außenseiterrolle des philosophierenden Menschen in der menschlichen Gesellschaft. Philosophie ist das, was sich nicht integrieren läßt in die Gesellschaft, weil es der Kultur (einer jeden Gesellschaft) immer notwendigerweise entgegengesetzt ist – klar, ist so doch individuelles Nachdenken und nicht (wie die Wissenschaft) kollektives Forschen. Aus dem Grund bringen richtige Philosophen/Philosophinnen auch nie kollektive Fragen aus (Was ist wahr für uns? Was sollen wir tun?), sondern immer nur ihr je eigenes, individuelles Erstaunen und Unbehagen.

„Ich bestehe auf dem Charakter von Reisenden oder Verbannten, kurz von Entwurzelten, der ersten Philosophen, weil es mir als das Relevanteste erscheint, um zu begreifen, worin Philosophie besteht und auch als das Würdigste, woran man sich heute aus Gründen der moralischen und politischen Zweckmäßigkeit erinnern sollte. Der Philosoph ist der Fremde schlechthin, dieser „unbekannte Ausländer“, gekommen von diesem oder jenem Ort, der in einigen platonischen Dialogen und auch in verschiedenen Tragödien auftaucht. Da er von außen kommt, fühlt er sich nicht mehr als durch Vorsicht an die traditionellen Glaubensartikel und an die etablierte Autorität gebunden: Auch gehört er nicht zu den Klans, die sich in Rechtsstreit befinden oder hat familiäre Angelegenheiten zu besorgen. Er betrachtet die Routinen mit kritischem Auge, denn für ihn sind sie noch keine. Ihn interessiert die Politik, aber häufig (Aristoteles!) hat er nicht einmal Bürgerrecht in der Polis, in der er wohnt. Er bringt Neuigkeiten von außen und vergleicht die Argumente dieses Ortes mit anderen, die er weit weg hörte. Er bemerkt, dass die Männer und Frauen sich überall im Grunde ähnlicher sind als es durch die lokalen Eigentümlichkeiten auf den ersten Blick scheint: Die menschliche Natur ihnen ist gemeinsam, Gesetze und Gebräuche variieren. Manchmal ironisiert er mit größerer oder kleinerer Unverschämtheit gegen den patriotischen Stolz, wie jener, der sich über diejenigen lustig machte, die damit prahlten, in Athen geboren zu sein, indem er bemerkte, dass sie dieses Verdienst mit vielen Schnecken und verschiedenen Arten von Pilzen teilten. Es gibt fast immer etwas mestizisches in den ersten Philosophen, sie pflegten alle ziemlich braungebrannt zu sein… Dem gehorsamen Sohn aus der Patrizierfamilie, dem Plebejer, der allem misstraut, das von außen kommt, dem gezwungenen oder freiwilligen pur sang… pflegt niemals etwas Neues einzufallen. Dieser Philosoph mit Gedächtnis aber ohne Wurzeln, der das Ankertau zerrissen hat, drückt niemals eine nationale Verlegenheit aus oder eine Frage kollektiver Art, sondern das Erstaunen und Unbehagen desjenigen, der sich allein vorfindet gegenüber der ausgestreckten Buntheit der Welt, belagert von Mythen, Gesetzen, Aberglauben und praktischen Kenntnissen verschiedener Art.“

Fernando Savater: Diccionario Filosófico. Editorial Planeta, Barcelona 1995. S. 13-14. (Hervorhebungen im Original; Übersetzung: H.H.)

2. JOSÉ ORTEGA Y GASSET: Philosophieren ist Bilanz-Ziehen im eigenen Leben

In diesem Zitat stellt José Ortega y Gasset, auch ein Philosoph aus Spanien, klar, um welche Fragen es beim Philosophieren geht und gehen kann, nämlich ausschließlich um persönliche Fragen von einzelnen Menschen.

“Es handelt sich also um die Notwendigkeit, dass der Mensch periodisch die Rechnungen jenes Geschäfts klarstellen muss, welches sein Leben ist und für das nur er verantwortlich ist, indem wir von der Optik, in der wir sehen und in der wir die Dinge erleben, insofern wir Mitglieder der Gesellschaft sind, zu derjenigen Optik zurückkehren, in der die Dinge erscheinen, wenn wir uns in unsere Einsamkeit zurückziehen. In der Einsamkeit ist der Mensch seine Wahrheit – in der Gesellschaft tendiert er dazu, ihre bloße Konventionalität oder Falsifikation zu sein. In der authentischen Realität des Menschlichen Erlebens ist die Verpflichtung zum häufigen Rückzug zum einsamen Untergrund von einem selbst inkludiert. Dieser Rückzug, in dem wir von den bloßen Wahrscheinlichkeiten, wenn nicht gar einfachen Schwindeln und Illusionen, in denen wir leben, ihre Beglaubigungen authentischer Realität verlangen, ist das, was man mit einem affektierten, lächerlichen und verwirrenden Namen Philosophie nennt.”

José Ortega y Gasset: El hombre y la gente. Alianza Editorial, Madrid 1980. S. 105-106.  [Übersetzung: Helmut Hofbauer]

3.  WISLAWA SZYMBORSKA: Denken ist Pornographie

Das Zitat der polnischen Dichterin und Nobelpreisträgerin handelt nicht direkt von der Philosophie, sondern vom Denken. Aber es gibt uns einen Hinweis auf den einzigen gesellschaftlichen Ort, an dem wahrhaftiges und kompromissloses Denken – und ein solches ist Philosophie ja – möglich ist: Das ist die Freundschaft. Der Ort der Philosophie kann weder die Öffentlichkeit noch die Politik sein, weil eine philosophische Äußerung der grundsätzlichen Sympathie der Anderen für die sie aussprechende Person bedarf. Philosophie gedeiht (im Gegensatz zur Wissenschaft) nicht in einem hostilen Umfeld und zwar nicht nur, weil sie ein viel zarteres Pflänzchen ist als diese, sondern weil ein jeder authentische Gedanke aus gesellschaftlicher Sicht ja ein Regelbruch ist (ebenso wie Pornographie ein Regelbruch ist und gegen die “gute Gesellschaft” gerichtet ist).

“Es gibt keine schlimmere Ausschweifung als das Denken.
Dieser Übermut wuchert wie das windblütige Unkraut
auf einem Beet, das für Gänseblümchen bestimmt war.

Wer denkt, dem ist überhaupt nichts heilig.
Die Dinge dreist beim Namen zu nennen,
das wüste Analysieren, die zuchtlosesten Synthesen,
nach nackten Tatsachen hemmungslos wild zu jagen,
heikle Themen lüstern zu betasten,
Ansichten laichen, das ist sein Spaß.”

Die ersten Verse des Gedichts “Ein Wort zur Pornographie” von Wislawa Szymorska. In: dieselbe: Hundert Gedichte – Hundert Freuden. Wydawnictwo Literackie, Krakau 2005. S. 191.

4. IMMANUEL KANT: Philosophieren ist selber denken

Freilich ist Philosophie auch Aufklärung. Aber Aufklärung in welchem Sinne? Sehr bekannt ist das Zitat von Immanuel Kant, wonach Aufklärung “der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit”. Das Problem bei dieser Formel ist nur, dass hier die Doppeldeutigkeit des deutschen Worts Mensch, das sowohl die Menschheit wie auch den Einzelmenschen meinen kann, zuschlägt. Dass Kant den Einzelmenschen, das Individuum gemeint hatte, zeigt folgendes Zitat aus demselben Aufsatz “Was ist Aufklärung?” deutlicher. Sein Sukkus: Unmündig bin ich, wenn ich auf einen Experten höre. Das gilt natürlich auch für die Philosophie: Unmündig bin ich, wenn ich meine Gedanken von einem Philosophieprofessor übernehme, anstatt sie selber zu denken. Daraus folgt: Philosophieren ist nicht delegierbar. Im Bereich der Philosophie ist gesellschaftliche Arbeitsteilung nicht möglich.

„Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gern zeitlebens unmündig blieben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.“

Immanuel Kant, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ In: ders. Was ist Aufklärung? Ausgewählte kleine Schriften. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1999. S. 20.

5. FERNANDO SAVATER: Philosophie gehört zur Literatur

Diese Festlegung ist von größter Wichtigkeit; denn die größere Gruppe von Menschen, der man in der Philosophie begegnet, wird aus solchen bestehen, die behaupten, Philosophie gehöre zur Wissenschaft. Diese Leute aber vertreten einen ganz anderen Ansatz als ich: Als Teil der Wissenschaft kann ein neuer philosophischer Entwurf sich nur noch einordnen ins Gebäude der Wissenschaft; was hingegen nicht möglich ist im wissenschaftlichen Rahmen, ist, dass ein Mensch anfängt zu denken und sein authentisches Denken entwickelt. (Denn ein literarisches Werk kann allein für sich stehen, ein wissenschaftliches nicht.) Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum es sich lohnt, sich bewusst zu machen, dass man Literatur betreibt, wenn man philosophiert: Nur dann erkennt man, dass man philosophierend fortwährend mit seinem Stil experimentiert. – In Wirklichkeit haben Argumente nicht die Kraft zu überzeugen: Man kann nur einen Stil finden, mit dem man (endlich) gewisse Leute erreicht.

“Considero que la filosofía es un género literario. [...]“

“Ich halte die Philosophie für ein literarisches Genre.”

Fernando Savater: Apología del sofista. Taurus Ediciones, Madrid 1981. S. 9. (Erster Satz des Buchs)

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Meine philosophischen Anfänge

Nur schön langsam vom Anfang an! Ich habe angekündigt, meine Homepage neu aufzubauen und dabei die Texte ein bisschen zu kommentieren, damit Sie, meine Leserinnen und Leser, besser verstehen, was das für Texte sind, vor allem, um welche Art von Texten es sich dabei handelt.

Um zu zeigen, was ich damit meine, gehe ich gleich in medias res: Die beiden Links unten führen zu zwei Artikel, die ich als Student noch für die Zeitschrift “ad hoc – Zeitschrift gegen Windmühlen” geschrieben habe. Diese beiden Texte sind wesentlich für mich, weil sie die Themen zeigen, die mich damals schon beschäftigt haben – und es bis heute immer noch tun.

Der erste Artikel heißt “Die Wissenschaft”. Er ist wohl in seinen inhaltlichen Aussagen nicht ganz ernst zu nehmen, wohl aber in seinem Anliegen. Ich schrieb ihn, weil ich damals Student war und bemerken musste, wie ich, wie wir alle im Namen der Wissenschaft mit Auflagen belastet wurden, die mir die lernende Auseinandersetzung mit Themen verunmöglichte. Dies musst du tun… das darfst du nicht tun, weil sonst ist es nicht wissenschaftlich. Kurz und gut, ich bemerkte also schon damals, dass die Wissenschaft auf dem pädagogischen Auge recht blind ist.

Doch schon damals, als ich ihn geschrieben hatte, wurde mein Text missverstanden – und noch dazu von meinen MitstreiterInnen, mit denen ich gemeinsam die Zeitschrift “ad hoc” herausgab. Sie sahen in dem Text eine Kritik der Wissenschaft, während er in Wirklichkeit der Aufschrei einer gequälten Person war, die sich geistig misshandelt fühlte und die Last nicht länger zu tragen vermochte. Damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass der Text nicht auch eine Kritik der Wissenschaft beinhaltet, aber nicht in erster Linie. In erster Linie beinhaltet sie die Botschaft eines Individuums, welches sein Anliegen ausspricht.

Doch meine MitstreiterInnen waren ja auch StudentInnen, und sie missverstanden meinen Text, weil sie aufgrund der Veränderungen, welche die akademische Ausbildung in den Köpfen der Studierenden bewirkt, nicht mehr daran glauben konnten, dass das Individuum zählt. Ihrer Meinung nach konnte der Text wahrscheinlich gar nicht mehr von einem Individuum handeln, das in einer existentiellen Notsituation steckte, weil sie gelernt hatten, dass alle Behauptungen umso mehr zählen, für umso mehr Menschen sie Gültigkeit beanspruchen. Also musste der Text von der Wissenschaft handeln, denn: Die Probleme der Wissenschaft sind doch so gewichtig, dass die kleinen Probleme eines Helmut Hofbauer im Vergleich dadurch gar nicht zählen.

Damit komme ich schon zum zweiten Text. Er trägt den Titel “Die Wirklichkeit” und handelt von einigen diesen Geistesveränderungen, die ich damals als Student in meinen MitstudentInnen bemerken konnte. Ich gab diesen Veränderungen in dem Artikel verschiedene Namen, die Liste ist sicher nicht vollständig. Aber die Gemeinsamkeit ist zu erkennen: Meine MitstudentInnen lernten aus einer Logik der Konkurrenz und des Sich-gegenseitig-Übertrumpfens, die ihnen in der Universität nahegelegt wurde, heraus, sich speziellen Wirklichkeitsbereichen zuzuwenden, um andere, allgemeiner zugängliche mit Verachtung zu strafen.

Das ist der offensichtliche Inhalt des Artikels. Die hidden agenda in ihm ist, dass ich damals den Verlust von GesprächspartnerInnen beklagte, die mir durch die geistige Veränderung der Menschen infolge ihrer wissenschaftlichen Ausbildung abhanden kamen. In dem Maße, wie die Verwissenschaftlichung ihres Charakters zunahm, konnten meine KommilitonInnen immer weniger verstehen, dass ein Mensch, der etwas sagt (oder schreibt), ein Anliegen zum Ausdruck bringen wollen könnte. Und dass er, indem er dieses Anliegen ihnen gegenüber zum Ausdruck bringt, von ihnen erwartet, dass sie ihm als Menschen, d.h. als sie selbst, Antwort geben (und nicht z.B. als VertreterInnen ihres Fachs oder sonstwie als Masken und Marionetten für etwas anderes).

Auch dieser Text hatte es nicht leicht; er wurde geprüft darauf, ob alles richtig ist, was in ihm steht und am Ende – gnädig – doch zum Druck zugelassen. Denn, wie gesagt, man verstand damals meine Texte schon auf wissenschaftliche Weise, unsere Redaktion bestand schließlich aus StudentInnen: Das heißt, man fragte AUSSCHLIESSLICH danach, welche der Behauptungen in ihnen richtig oder falsch, wahr oder unwahr waren und man fragte GAR NICHT danach, welche Relevanz eine oder mehrere meiner Behauptungen für wen und in welcher Hinsicht haben (könnten).

Gut, aber aus diesem Grund schreibe ich ja diese “Gebrauchsanweisungen”, denn meine Texte sind nicht nur lang genug missverstanden worden, sondern sie sind eben auch mit wissenschaftlichen Texten verwechselt und dadurch in ihrem Wert geschmälert worden: Also: Meine Texte sind solche, in denen ein Mensch spricht, und die dann recht verstanden werden, wenn ein anderer Mensch sich von ihnen ansprechen lässt. Meine Texte werden falsch verstanden, wenn jemand sich bemüßigt fühlt, ein Detail an ihnen zu kritisieren, ohne dass er oder sie sich vom Text als ganzen und von seinem Anliegen ansprechen hat lassen. So einfach gehts (aber sag das mal jemandem in unserer komplizierten Welt!).

Wissenschaft_adhoc1_97
Die Wirklichkeit_adhoc2_97

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Liebe BesucherInnen meiner Homepage!

Meine Homepage wird neu aufgesetzt. Dies hier wird kein Blog (bloggen tu ich auf www.philosophieblog.de). Und auch von den Texten, die auf meiner alten Homepage gewesen sind, werden mehrere auch hier wieder aufscheinen.

Doch habe ich mich entschlossen, meine alte Homepage vom Netz zu nehmen, weil sie nicht die gewünschte Wirkung entfaltet hat. Ich hatte den Eindruck, dass meine LeserInnen die Texte nicht in der Weise gelesen haben, die von mir intendiert gewesen ist. In so einem Fall bleibt mir nichts anderes übrig, als besser zu erklären, was ich mit meinen Texten erreichen will… eine Gebrauchsanweisung mitzuliefern.

In zwei Punkten insbesondere, vermute ich, wurden meine Texte missverstanden:

1) Der erste Punkt liegt darin, dass mir vorkam, die Texte meiner “philosophischen Seite” wurden als Beiträge zur Philosophie gelesen und nicht als das, was sie tatsächlich sind: Beispiele für lebendiges Philosophieren.

Nichts könnte gegensätzlicher sein als (das Fach) Philosophie und lebendiges Philosophieren. Wer ein bisschen darüber nachdenkt, wird erkennen, dass das zwei völlig verschiedene Weisen sind, an Philosophie heranzugehen. Und je nachdem, welcher von ihnen man anhängt, wird man unterschiedliche Hervorbringungen als “zur Philosophie gehörig”, als relevant oder als “gute Philosophie” bezeichnen.
Meine Texte gehören alle ihrem Wesen nach dem Philosophiekonzept “Philosophie ist Philosophieren” an; d.h. sie zeichnen sich in erster Linie einmal dadurch aus, dass sie keinen Beitrag zur Philosophie (dem Fach) leisten, denn Philosophie (als Fach) ist aus der Perspektive des Philosophierens nicht Denken, sondern Gedachtes – und Gedachtes, das sind tote Gedanken, sie leben nicht.
Philosophie als Fach ist eine Vorstellung analog zu den übrigen wissenschaftlichen Fächern. Ihr Kern ist, dass die ExpertInnen philosophieren, weil sie “etwas von Philosophie verstehen” und dass die Laien es nicht tun, weil sie “nichts davon verstehen”. Aus dieser Vorstellung heraus ergibt sich etwa auch die Meinung vieler Laien, man müsse “zuerst etwas von Philosophie verstehen”, um “mitreden” zu können. Dieses Konzept von Philosophie beruht also darauf, dass einige wenige über die Dinge, die das menschliche Leben bestimmen, nachdenken, damit viele es nicht tun zu brauchen, also sozusagen: Die Gesellschaft kommt mit einigen Weisen aus, die von vielen Dummen bei Bedarf um Rat gefragt werden können.
Dieses Konzept mag bei den Einzelwissenschaften funktionieren, weil diese auf spezielle Themenbereiche eingeschränkt sind, aber nicht bei Philosophie, deren Gegenstand das Allgemeine ist. Aus meiner Sicht lässt sich Philosophie nicht an ExpertInnen delegieren. Von einem philosophischen Gedanken hat man nur dann etwas, wenn man ihn selbst gedacht (und erlebt, durchgestanden) hat.
Leider erhielt ich keine Kunde davon, dass meine LeserInnen meine Denkanregungen selbst durchdacht und durchlebt hätten; ja nicht einmal davon, dass sie sie überhaupt als Denkanregungen aufgefasst hätten. Ich glaube, in einer wissenschaftlich geprägten Zeit, in der bei Gedanken nur zählt, ob sie richtig oder nicht richtig sind, es aber keinen Wert darstellt, ob sie gedacht und denkend durchlebt werden, fehlt den Menschen vielleicht ganz allgemein die Fähigkeit, auf Gedanken richtig zu reagieren: Begegnen sie einem Gedanken, fragen sie sofort, ob dieser (in absoluten Begriffen) richtig oder falsch sei und schielen dabei auf die Wissenschaft und ihre Gelehrten, anstatt sich zu fragen: “Wie verstehe ich eigentlich diesen Gedanken, und was würde ich dazu sagen?”
Mir scheint also: Ich schenke den Menschen meine Gedanken, und sie sind unfähig, darauf zu reagieren, weil sie diese Art der Kommunikation nicht mehr kennen. Sie verstehen nicht, dass sie diesen Gedanken zum Anlass nehmen könnten, selbst über ihn nachzudenken, weil sie auch nicht mehr wissen, dass das eigene Nachdenken über etwas einen Wert darstellt, mit dem unmittelbar die eigene Lebensqualität zusammenhängt (denn wenn man über etwas nachdenkt, dann erlebt man etwas im Kopf).
Ich bitte Sie, das jetzt nicht als Beleidigung aufzufassen, denn der Grund, warum Sie, liebe Leserinnen und Leser mich in dieser Weise missverstehen, ist ja der, dass unsere Welt kommunikativ so geordnet ist: Sie ist in Fächer aufgeteilt und wird von Spezialisten repräsentiert. Was Wunder also, wenn Sie im Internet einen Text von einem Ihnen unbekannten Hofbauer oder philohof lesen, und sie lesen ihn so, als hätten die Institutionen unserer Welt ihn geschrieben oder als wäre er nach den Regeln unserer Welt verfasst. Da muss man zuerst einmal innerlich zurücktreten und sich von vielen Vorstellungen befreien, damit man meine Texte so lesen kann, wie sie gemeint sind: Als Botschaften eines denkenden Menschen an einen anderen Menschen, der auf sie auch wiederum als denkender Mensch (und nicht etwa: als Sprachrohr eines Faches) reagieren soll.
Daran sieht man auch: Eine solche Kommunikationsweise ist in unserer Welt nicht einmal vorgesehen. Oder, wie ich sagen würde: Philosophieren ist nicht einmal vorgesehen!

2) Der zweite Punkt, wie ich meine, dass die Texte auf meiner bisherigen Homepage missverstanden wurden, hängt mit dem ersten zusammen und liegt in ihrer Geringschätzung. Ich konnte nicht umhin zu empfinden, dass die LeserInnen meiner Texte wohl denken: “Das ist ja nur seine Meinung! – Warum soll mich die interessieren?”; oder: “Das sind ja nur philosophische Gedanken; die bekomme ich gratis an jedem Wirtshaustisch! Die ist nichts wert; denn wertvoll ist (wenn überhaupt) höchstens die Ansicht von Fachleuten, die sich in der aktuellen Diskussion im Fach Philosophie durchgesetzt hat.”
Ja, was soll ich dazu sagen? Das sind die Weisen, wie die Menschen die Geringschätzung für ihr eigenes Denken zum Ausdruck bringen?
Warum soll meine Meinung für Sie relevant sein? – Weil es die Meinung eines Individuums ist, die Weise, wie ein Mensch sich seine Weltsicht zusammengereimt hat, und weil Sie auch ein Individuum sind… weil sie also die Welt auch individuell sehen müssen. Sie können das so machen, wie ich das tue, oder anders. Aber was ich Ihnen vorstelle, ist zumindest ein Beispiel dafür, wie man es versuchen kann.
Und: Die Wissenschaft bietet keine Anleitungen dafür, wie Individuen die Welt sehen können. Wenn Sie es mir nicht glauben, lesen Sie Niklas Luhmanns Buch “Die Wissenschaft der Gesellschaft” (Suhrkamp, Frankfurt/Main 1990)
Die Wissenschaft hat vielleicht die Wahrheit; aber sie hat sie nicht aufbereitet für Individuen. Sie ist keine pädagogische Unternehmung. Damit befreit sie uns also nicht, selbstständig zu “beobachten” (wie Luhmann sagen würde) und uns je individuell unser eigenes Weltbild zusammenzureimen. Mit einem Wort: Sie befreit uns nicht vom Philosophieren.

Die andere Anschauung, wonach man philosophische Gedanken ganz billig an jedem Wirtshaustisch erhalten kann, widerspricht diametral meiner Erfahrung. Ich bin auch schon an so manchem Wirtshaustisch gesessen und kann berichten: Man kann sich da zwar von einem jeden Menschen die Meinung anhören, aber das ist dann schon alles. Dass hingegen an dieser Meinung gemeinsam gearbeitet würde, dass sie hinterfragt, verbessert, genauer begründet, auf alle ihre Implikationen abgetastet würde, das habe ich noch mit keinem Freund am Wirtshaustisch erlebt. Und ich werde das wohl auch in Zukunft nicht erleben, weil sich kein Wirtshausphilosoph (der sich das Philosophieren als “endloses Reden über eine Sache denkt) eine Vorstellung macht von der Disziplin, die notwendig ist, um einen Gedanken weiterzuentwickeln.
Nein, Denken ist nicht das leichteste und überall gratis zu haben, sondern es ist das Schwerste und das Seltenste. Aber Grundbedingung dafür, dass Sie überhaupt wertschätzen können, was ich hier anbiete, ist, dass wir vom Selben reden: Mit “Denken” meine ich nicht Gedanken im herkömmlichen Verständnis, also Gedachtes, das schon da ist und das man nicht mehr denken braucht, weil es genügt, es zu verstehen und nachzuvollziehen. Sondern mit “Denken” meine ich eine Denkweise, wo dann ein anderer sich fragen kann: “Kann ich (auch) so denken?”; und: “Kann ich mit diesem Denken leben?”
Das sind zwei grundverschiedene Angelegenheiten: In unserem heute dominierenden wissenschaftlichen Weltverständnis wird ein Gedanke zu einer Sache. Diesen Gedanken kann man haben oder man kann ihn nicht haben; und wenn man mehr Gedanken hat, dann kann man sie aufhäufen wie Geld oder wie Ware. Ein Gedanke als Sache ist aber ein toter Gedanke. Man hat ihn nur noch, man denkt ihn nicht mehr, man setzt sich ihm nicht mehr aus und man lässt sich durch ihn nicht mehr verändern.
Es ist klar, dass man, wenn man Gedanken für Sachen ansieht (wie Geld betrachtet), dass man dann nur geprüfte Gedanken haben will (vom wissenschaftlichen System beglaubigte), denn es kommt einem ja auf ihren sozialen Wert an. Wenn man es hingegen gewohnt ist, sich Gedanken auszusetzen und sich denkend durch sie verändern zu lassen (also: zu philosophieren), dann sind Herkunft und Beglaubigungsstatus dieser Gedanken egal, sie müssen nur interessant sein.

In Summe

Wenn meine philosophischen Texte überhaupt irgendeinen Wert haben, dann liegt er darin, dass sie zeigen, wie ein “Ich” (ein Mensch also) über bestimmte Fragen in der Welt beispielsweise denken kann. Und gerade das wurde – scheint mir – von meinen LeserInnen übersehen. Sie befragten meine Texte anstatt dessen, ob ihre Inhalte wahr sind oder nicht (eine sekundäre Frage aus meiner Sicht; denn die Frage ist ja immer: wahr – in welchem Bezugssystem?) und ob sie Beiträge zu wissenschaftlichen Diskussionen in irgendeinem Fach sind? Beide Fragen gehen weit an meinen Texten vorbei: Denn selbst wenn ein bestimmter Aufsatz von mir sich als wissenschaftlich wahr erweisen würde und als Beitrag zu einer bestimmten Fragestellung in der aktuellen philosophischen Erkenntnistheoriediskussion, so liegt sein Wert ja nicht darin. Sondern er liegt darin, dass ich vorzeige, wie er aus der philosophischen Fachdiskussion herausgelöst und von einem “Ich” sich angeeignet werden kann.

Anders gesagt: Wenn ich alte Texte von mir wieder auf die Homepage gebe oder neue für sie schreibe – ich brauche Menschen, die mir antworten, und Menschen, die mir als Menschen auf sie antworten. Also Menschen, die sich persönlich von ihnen ansprechen lassen und aus dem eigenen logischen Denken heraus Antwortgedanken auf sie entwickeln. Und ich brauche keine Sprachrohre der Fachphilosophie, die keinen Gedanken ernst nehmen können, der nicht aus der Geschichte der aktuellen Fachdiskussion hergeleitet ist und seinen konkreten Beitrag zu einer offenen Fragestellung in derselben zu leisten beansprucht. Philosophie ist kein Bauen am gemeinsamen Bau der Philosophie, sondern unser je individuelles Denken.
Ich wünsch mir also Menschen, die, wenn ich was sage, nachdenken und die dann sagen, was ihnen dazu eingefallen ist. Es ist traurig, so etwas sagen zu müssen, aber es ist das eine Kommunikationsweise, die so sehr aus der Mode gekommen ist, dass wir heutigen Menschen sie gar nicht mehr verstehen (was sich mir in der Erfahrung mit meiner bisherigen Homepage in erschütternder Weise gezeigt hat; dadurch nämlich, dass sie in der Kommunikation offenbar ganz einfach nicht mehr funktioniert).

Soweit meine Gebrauchsanleitung zu allem, was da noch kommen mag. Ist alles klar?

Dann bedanke ich mich herzlich!

Euer philohof

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