Unter dem folgenden Link finden Sie einen Lebenslauf von mir:
| “Ob der Mensch nun prächtig oder bescheiden lebt, leben ist für ihn im tiefsten Grunde das Alleinsein, er ist sich bewußt, daß er ein Einzelwesen ist, daß ihm ein ganz bestimmtes, ihm allein gehörendes Schicksal zugeteilt wurde. Er lebt nicht in Gesellschaft. Jeder muß sein Leben für sich leben, mit seinen eigenen Lippen austrinken, wie man einen mit Süße und Bitternis gefüllten Becher schlürft. Zuweilen wird man begleitet, gewiß, aber diese Begleitung ist noch keine Partnerschaft.”José Ortega y Gasset: „Sozialisierung des Menschen“, in: ders.: Die Vertreibung des Menschen aus der Kunst. Dtv, München 1964. S. 42. |
Ethik anhand von Fernando Savater (1997)
Auf den spanischen Philosophen Fernando Savater, über den ich meine Diplomarbeit schrieb, machte mich mein damaliger Spanischlehrer Jorge Sánchez-Cabrera aufmerksam, wofür ich ihm auch heute noch dankbar bin. Bei Savater lernte ich eine Ethik kennen, in der es um Ideen rund um die Frage geht, wie man ein gutes Leben führen kann. Das war für mich eine beeindruckende Erfahrung: Vorher war Ethik für mich nur ein Fach gewesen, in dem es darum geht, welche Dinge man tun soll oder nicht tun darf – mit einem Wort, sie beinhaltete nur Einschränkungen für das handelnde Individuum, aber keinerlei positive Handlungsentwürfe. Nun begegnete mir Ethik als eine philosophische Disziplin, in welcher der Mensch ein Mittel finden konnte, um sein eigenes Leben in den Griff zu kriegen.
Klar interessierte mich das, weil mich der Mensch interessiert. Den Menschen aber – da mag er noch so sozialisiert sein – gibt es nur als Individuum.
Schade nur, dass ich damals mit niemandem über meine neuen Erkenntnisse reden konnte (denn ich war damals voller Begeisterung über meine neue Entdeckung), aber die anderen im Philosophieinstitut schienen sich nur dafür zu interessieren, was der Mensch tun soll oder nicht tun darf, nicht aber dafür, was er tun will und wie er es angeht, um seine Träume zu realisieren. Diese Vorliebe meiner Mitmenschen, den Menschen von außen zu betrachten, ist etwas, das mich bis heute verwundert und beschäftigt.
Bezugspunkt Gesellschaft. Über die Geselligkeit und Ungeselligkeit der Menschen (2000)
Den Anstoß zu meiner Dissertation gab die Literaturwissenschaft (der ich wiederum in meinem Romanistikstudium begegnete, nicht in meinem Philosophiestudium): Es waren zu der Zeit Methoden zur Interpretation von literarischen Texten in Mode (ich weiß nicht: Sind sie mittlerweile aus der Mode gekommen oder nicht?), die ganz vom Menschen absahen und eigentlich sagten: Die Gesellschaft habe den Text geschrieben, die Gesellschaft der jeweiligen Epoche habe ihn auch gelesen, und die Gesellschaft in ihrer jeweiligen Struktur spiegle sich auch in Aufbau und Inhalt des literarischen Werks. Präsentiert wurde mir diese Art, literarische Texte zu lesen, als Kulturwissenschaft.
Nun ist für mich als jemanden, der sich für den Menschen interessiert, Literatur vor allem interessant aufgrund ihrer Fähigkeit das Individuelle zum Ausdruck zu bringen. (Achtung: Mit Individualität meine ich nicht „unvergleichliche Einzigartigkeit“, das ist die Wortbedeutung mit der seine Gegner diesen Begriff verunglimpfen möchten!) Ich machte mich also an die Frage heran, ob die Gesellschaft wirklich den Menschen soweit bestimmt, dass er sich völlig auflöst, sodass man ihn bei der Interpretation literarischer Werke gar nicht mehr berücksichtigen muss.
Vor allem aber wollte ich wissen, wie denn der einzelne Mensch die Gesellschaft heute realistischerweise sehen könnte, wo doch aus den Wissenschaften Theorien kamen, die besagten, dass der Einzelne sich in den Strömungen der Gesellschaft bewege fast wie ein Stückchen Holz. Es entstand eine sehr differenzierte Arbeit, eine Arbeit, in der ich viel über die Gesellschaft und über die Soziologie lernte und dieser Disziplin auch in vielem Recht geben musste, was sie über die Einschränkungen individuellen Handelns sagte.
Das war aber nicht der Fehler dieser Arbeit. Ihr Fehler, im Nachhinein betrachtet, war, dass sie sich für das Falsche interessierte, nämlich für das Individuum in der Gesellschaft. Heute verstehe ich, dass für meine Mitakademikerinnen und Mitakademiker ein Entwurf, der davon handelt, wie das Individuum die Gesellschaft sehen könnte, ebenso uninteressant sein musste wie für mich eine Literaturwissenschaft, die literarische Werke als Effekte gesellschaftlicher Veränderungen erklärt. Falls die Literaturwissenschaft sich für den Einzelmenschen interessiert hätte, hätte sie ihn in den literarischen Werken gesucht; weil sie sich nicht für ihn interessierte, las sie die literarischen Texte kulturwissenschaftlich.
Es geht also nicht darum, wie man mir damals weiszumachen versuchte, dass der eine Weg wissenschaftlich nicht funktioniere und nur der andere neue wissenschaftliche Erkenntnisse hervorbrächte, sondern: Wenn man sich nicht für den Menschen interessiert, wird man nicht nach den AutorInnen und den Charakteren ihrer ProtagonistInnen fragen. Verblüffend war für mich neuerlich nur die Ursache oder das Motiv für dieses Desinteresse am Menschen.
Einladung zur Odyssee. Eine erkenntnistheoretische Reflexion über die „epische Seite der Wahrheit“ (2001)
Dieses Buch schrieb ich unmittelbar nach meiner Dissertation. Ich entwarf darin eine philosophische Erkenntnistheorie, deren Kern in der Erkenntnis besteht, dass die Wissenschaft eine kollektive Erkenntnisanstrengung ist oder geworden ist, die individuelle Erkenntnisanstrengung jedoch dadurch verwaist ist. Richtig, ich kümmerte mich wieder um das Individuum und die Frage, wie es denn erkennen könnte. Ich kam zu vielen interessanten Ergebnissen, wie dass das Individuum seine Erkenntnisse nicht in der Weise absichern kann wie die Wissenschaft, weil es allein ist und seine Ressourcen begrenzt, und dass es, eben weil seine Ressourcen so begrenzt sind, diese bestmöglich nützen muss und daher auch den Körper, die Sinne und die Phantasie in seine Erkenntnisanstrengungen einbeziehen muss – Elemente, die in der klassischen philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnistheorie nur negative Erwähnung fanden.
Als es dazu kam, dass ProfessorInnen dieses Buch lasen, verstanden sie es nicht (bis auf einen), sie verstanden nämlich nicht einmal die Intention: Wie kann man nur eine Erkenntnistheorie für den Einzelmenschen schreiben? Anstatt dessen lasen sie das Buch wissenschaftlich und fragten, welche neuen Erkenntnisse es der Wissenschaft bringe. Aber ein Buch über die Erkenntnisbemühungen des Einzelmenschen kann nie wissenschaftlich sein, selbst wenn es wissenschaftlich geschrieben ist, weil sich Wissenschaft nicht um die Erkenntnisanstrengungen des Einzelnen kümmert, sondern nur um jene der Gesellschaft.
Interkulturelle Kommunikation. Eine (Her-)Ausführung aus der Interkulturellen Kommunikation (2009)
Dieses Buch ist Frucht meiner sechsjährigen Tätigkeit am Germanistischen Institut der Universität Wroclaw (Breslau) in Polen, wo ich Interkulturelle Kommunikation unterrichtete. Am Anfang war ich sehr begeistert gewesen von diesem Fach, weil ich es begrüßte, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander reden und einander am kulturellen Schatz ihrer eigenen Tradition teilhaben lassen.
Mit der Zeit allerdings merkte ich eine Tendenz, die wohl unvermeidlich ist in unserer organisierten Welt: Das Fach Interkulturelle Kommunikation wurde dazu missbraucht, um aus Kulturen Einheiten zu machen, die einen Repräsentanten brauchen bzw. spielten sich manche Gelehrte oder Schriftsteller – legitimiert durch ihr Wissen über diese Kultur – als Repräsentanten derselben auf. Oder: Experten traten auf und machten sich wichtig, indem sie andere Menschen darüber belehrten, was man einem/einer GesprächspartnerIn aus einer anderen Kultur gegenüber alles nicht sagen oder nicht machen darf. Sieht man die Parallele zu meiner Erfahrung mit der Ethik? – Ich kam also vom Regen in die Traufe: Wieder ging es nicht um den Menschen, sondern einige Menschen spielten sich auf, um entweder über andere Menschen das Sagen zu haben (indem sie sich zu Repräsentanten und Sprechern einer bestimmten Kultur machten) oder indem sie (als Experten für interkulturelle Missverständnisse anderen Menschen sagten, was sie zu tun haben.
Es kann nicht verwundern, dass ich aus diesem Grund über jenes Fach, über das ich so viele Einführungen gelesen hatte, eine (Her-)Ausführung schrieb: Da wollte ich schnell wieder raus! Mein Buch ist, glaube ich, sehr gut geworden, weil es eine Reihe von Texten enthält, die ich lange Zeit poliert habe. Ein Echo von Seiten der Leserschaft habe ich bislang allerdings noch nicht vernommen. Ich vermute, das hängt mit der Perspektive zusammen, welche dieses Buch in Bezug auf die Interkulturelle Kommunikation einnimmt: Es fragt nach dem Menschen in der Interkulturellen Kommunikation – und nicht danach, wie man ein wissenschaftliches Fach groß macht, bis es in den Augen der Gesellschaft glänzt.
Ich interessiere mich also für den Menschen. Das ist das Motiv für all mein Schreiben und gleichzeitig auch der Grund für seinen Misserfolg: Niemand sonst interessiert scheint sich nämlich für den Menschen zu interessieren. Dieses Desinteresse meiner Mitmenschen am Menschen ist mir zugleich nur allzu verständlich und völlig unverständlich. Nur allzu verständlich ist es mir, weil ein jeder Mensch einen Job braucht – und Jobs bekommt man im Allgemeinen nicht von Menschen, sondern von Institutionen. Daher ist es strategisch grundfalsch, sich mit dem Individuum zu beschäftigen, anstatt dessen muss man sich mit der Institution beschäftigen und zu deren Wohle arbeiten. Trägt man beispielsweise etwas zur Literaturwissenschaft bei, bekommt man irgendwann einmal einen Job von der Literaturwissenschaft; interessiert man sich jedoch nicht für die Literaturwissenschaft in der Literaturwissenschaft, sondern für die Literatur und dafür, was sie dem Menschen zu bieten hat, bekommt man keinen. So einfach ist das, und die meisten Doktoranden wissen das.
Das verstehe ich – mittlerweile – auch: Wenn du von einer Institution etwas willst, musst du der Institution dienen und nicht etwas für den Menschen machen, für den diese Institution vorgibt nützlich sein zu wollen. Also ich glaube nicht mehr daran, dass etwa die Literaturwissenschaft dem Menschen die Literatur besser begreiflich machen will. Das Einzige, was die Literaturwissenschaft will ist das Wohl der Literaturwissenschaft, dass sie wachse und in der Gesellschaft wichtiger werde – egal mit welchen Inhalten. Aber: Was mich doch immer verwundert hat, ist, warum die Kolleginnen und Kollegen die mich professionell ignorieren müssen, nicht dennoch manchmal das Gespräch mit mir suchen, um zu sagen: Aber wenn ich das jetzt aus der Perspektive meines Lebens betrachte, sind das schon sehr interessante Fragen, die du stellst!
Das ist die eigentliche Frage, die mich beschäftigt. Die Menschen interessieren sich nämlich nicht nur nicht für den Menschen aus Berechnung und Karrierestrategie, sondern sie interessieren sich wirklich nicht für ihn. Dabei müsste man doch denken: Sie sind doch auch selber Individuen – also müssten sie sich doch dafür interessieren, wie so ein Individuum funktioniert. Aber dem ist kurioserweise nicht so: Die Intellektuellen und WissenschaftlerInnen beschäftigen sich mit solcher Leidenschaft mit kollektiven Fragen und mit Fragen danach, wie man den Menschen am besten von außen betrachten kann, dass ich mich mittlerweile immer mehr dafür interessiere, was für Motive sie dafür haben. Gleichzeitig habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie oft mit solchem Wut und solcher Abscheu reagieren, wenn ich ihnen eine Frage über das Individuum stelle, dass ich mittlerweile den Eindruck habe, sie schauen in das Individuum hinein wie in einen fürchterlichen Abgrund, in den sie hineinstürzen könnten.
Alles das wäre nicht so merkwürdig, wenn wir in einer extrem kollektivistischen Gesellschaft leben. Aber man sagt im Gegenteil unserer westlichen Gesellschaft starken Individualismus nach. Ich selbst bin, und meine Arbeit ist, wie ich, glaube ich, durch diese Erzählung gerade überzeugend nachgewiesen habe, der Beweis dafür, dass unsere heutige westliche Gesellschaft überhaupt nicht individualistisch ist, sondern im Gegenteil jeden Begriff von Individualität verloren hat. Und wenn sie der Individualität mal begegnet, dann sieht sie sie an wie ein Schreckgespenst.
Sehr geehrter Herr Hofbauer!
Da Sie “Das Wiener Dschungelbuch” empfohlen haben, freut es mich, Sie informieren zu können, dass der Autor mit Herrn Hans Kutschera das Werk am 16.05.2011 um 19:00 Uhr (Eintritt frei) bei uns im Thalia W3 (Landstraßer Hauptstraße 2a/2b, 1030 Wien vorstellen wird.
Ich bin durch Zufall, beim Recherchieren für die Veranstaltung auf Ihre Seite gestoßen.
Weitere Infos finden Sie auf der von mir angegebenen Seite oder auf unserer Facebook Seite (http://www.facebook.com/thaliaw3immerfuermichda).
Ich freue mich auf Ihr Kommen!
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Kößler
Veranstaltungsmanagement
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Herr Doktor Hofbauer,
no sé si te acordaras del Encuentro de Cajamarca, digo el Nuestro hace un poco mas de diez años. Despues, nos encontramos en Lima y, en 2003 creo, en Vienna. Estaba desarrollando un doctorado en historia, en Paris.
Es un gusto saber que estas publicaciones tuyas existen. Desafortunadamente, no puedo leer el aleman con la fluidez que se requiere para filosofia. Sin embargo, me gustaria poder conversar un poco mas sobre esos temas, cuando nos de la posibilidad de encontrarnos de nuevo.
Amicalmente.
Hola Aude,
si, claro que me acuerdo te ti. Y en Viena querias ir al Prater, pero alla no habia nada, porque era invierno. ?Que haces ahora? ?Que la vida ha hecho contigo? Me alegro que te interesa la filosofia y que hasta quieres conversar sobre ella conmigo. (Pero, si lo haces, por favor, escribame un email.)
Saludos Helmut