Programm für eine Philosophie, in der
1. Denken möglich ist;
In einer solchen Philosophie müsste der Gedanke höher geschätzt werden als die Wahrheit. Denn das Denken bewegt sich, die Wahrheit hingegen – die wahre ebenso wie die vermeintliche – steht still. Stellt man die Wahrheit über den Gedanken, so wie man das bisher getan hat, wird immer das Gedachte das Denken erdrücken.
2. rationale Kommunikation zwischen gleichberechtigten Gesprächspartnern möglich ist;
Damit rationale Kommunikation möglich ist, darf die Wahrheit weder ganz objektiv noch ganz subjektiv sein. Denn die subjektive Wahrheit ist so tief erlebt, dass sie unkommunizierbar ist; die objektive Wahrheit hingegen bedarf der Mitteilung nicht – es genügt, wenn Einer sie für alle feststellt und proklamiert. „Es ist so!“ – ist keine Mitteilung: Der Andere kann das nur hinnehmen, nicht aber darauf reagieren.
3. in welcher den GesprächspartnerInnen im philosophischen Gespräch Respekt gezollt wird;
Damit den GesprächspartnerInnen in einem philosophischen Gespräch oder einer philosophischen Diskussion Respekt gezollt wird, ist es notwendig, dass die Wahrheitsfindung in den Köpfen der Menschen höher bewertet wird als die Ergebnisse der philosophischen Diskussion. Stellt man die Diskussion (oder den Diskurs) über die Menschen, so interessiert mit einem Mal nicht mehr, was die Menschen zu sagen haben – der grundsätzliche Respekt ihnen gegenüber endet, jener, der darin besteht, ihnen zuzuhören.
4. in welcher Lernen möglich ist;
Lernen ist nur möglich, wenn der Mensch das Recht genießt, unfertig zu sein. Denn Lernen ist der Weg der eigenen Entwicklung, und auf diesem Weg ist das Wissen bruchstückhaft und unfertig. Damit es wieder möglich werde, dass der Mensch lernen kann, müssen wir aufhören den wissenden, qualifizierten Menschen über den Lernenden zu stellen. Denn der qualifizierte Mensch braucht unser Wohlwollen nicht, um seine Ideen zu formulieren; der Lernende hingegen hat es notwendig, seine Ideen zu formulieren, damit er lernen kann.
5. und in welcher das Formulieren von eigenen Erfahrungen und Fragen möglich ist.
Damit das Formulieren eigener Erfahrungen möglich ist, muss es zuerst einmal um diejenige Person gehen, die sie formuliert. Geht es nur um die Inhalte, die formuliert werden, und ihre Wahrheit oder Gültigkeit, dann ist es nicht möglich, Erfahrungen und Fragen zu formulieren. Eine Erfahrung ist keine Wahrheitsbehauptung, mit der man sich auseinanderzusetzen hat, sondern eine Person, die etwas erfahren hat. Ebenso ist eine Frage keine dumme oder gescheite Frage, sondern ein Mensch, den eine Frage beschäftigt.
Erfüllt schon eine der bestehenden Philosophien diese Anforderungen?
Lieber Helmut,
viele deiner Gedanken sprechen mich an.
Ich schreib eine komplexe vielschichtige Dissertation über Befreiung von Fremdbestimmung zur sebstverantwortlichen Freiheit zu lieben und zu tun, was wir wollen.
Ende des herrschenden wissenschaftlichen Paradigmas, das der Gewinnung von Macht und “Recht” dient
nondualistische Kommunikation und Kooperation über Fachgrenzen hinweg
globales Ethos, das die überbordende auf Angst beruhende Verrechtlichung erübrigt
globaler Mythos der Liebe -ohne verbindende innere Bilder können wir nicht bestehen…
Für eine Kultur und Politik der Liebe arbeite ich. Ohne diese heilende politische Kraft scheitern alle Reformen.
Herzliche Grüße aus meiner Oase im Herzen von Wien,
Eva Maria Wiesenthal,
Botschafterin der Liebe als politische und heilende Kraft
Liebe Eva Maria,
danke für deinen netten Kommentar! Da wandelst du ja auf den Spuren von Leibniz, von dem ich gerade im Historischen Wörterbuch der Philosophie las, dass “”Gerechtigkeit eine brüderliche Liebe der Weisheit gemäß sei, und wer die Weisheit (als Wissenschaft der Glückseligkeit) habe, “alle liebt”" und, “[i]m Briefwechsel mit Coste (1706-1711) werden Recht als “potentia moralis” und der gute Mensch als derjenige definiert, “der alle liebt, soweit es die Vernunft erlaubt” …”
Liebe Grüße
helmut