Funky music does something to my mind!

Hobbys? Eines meiner Hobbys ist Musik. Ganz besondere Musik. Soul/Funk aus den 70er Jahren.

Dabei würde doch einem, der, wie ich, auf Intellektuellen macht, klassische Musik viel eher zu Gesicht stehen. Das unterstreicht gewissermaßen die intellektuelle Note, da man sich ja bis heute unter einem gebildeten Menschen einen solchen vorstellt, der die Werte der bürgerlichen Kultur internalisiert hat.

Aber leider, das Gefühlspathos eines Beethoven geht mir auf die Nerven, das Rokokorumgehopse eines Mozart macht mich depressiv. Am ehesten spricht mich aus der Sorte Musik noch Barockmusik an.

Aus meiner CD-Sammlung

Warum funky music? Dem Funk begegnete ich zuerst in meiner Studentenzeit. In einem Musikgeschäft, denn diese Musik wurde weder im Radio noch (mit der einen oder anderen Ausnahme) in den Diskotheken und Lokalen gespielt. Fasziniert von dieser Musikrichtung, begann ich Funk zu sammeln, ohne zu wissen, was es genau war, das mich daran ansprach.

Mittlerweile glaube ich, es ist eine Mischung aus “keep swinging” und Gelassenheit, eine geistige Gestimmtheit, mit deren Hilfe es mir möglich scheint, die Welt und das Leben zu ertragen. Funk ist keine reine Adrenalin-Musik wie der Rock, er geht es ziemlich gemütlich an und wird deshalb wohl so manchen, der neu auf ihn stößt, am Anfang fadisieren. Und zwar solange, bis man merkt, dass eben das das Konzept hinter der Sache ist: sich nicht zu verausgaben. Dauernd einen gemütlichen Groove aufrechtzuerhalten, aber sich nicht zu verausgaben.

Für das Leben braucht man einen langen Atem. Jedenfalls wenn man kein Rock’n'Roll-Leben führen will (Live fast, die young.). Diesen langen Atem gibt der Funk, und zwar: ohne damit aufzuhören, das Leben in Schwingung zu halten. Denn ich muss zugeben: Wenn ich so auf die Welt schaue, dann bleibt mir alles stehen. Dann bleibt in mir alles stehen, so unlustig sieht mir das meiste aus. Der Funk hilft mir, gegen die Welt, in der ich lebe, mein Leben noch eine Zeitlang am Swingen zu halten.

Aus meiner CD-Sammlung.

Als zweites Element habe ich Gelassenheit genannt. Mit Gelassenheit meine ich die Einsicht, dass man durchs Leben geht und an der Welt wahrscheinlich nichts oder nur ganz wenig wird ändern können. Aber das Leben muss sich trotzdem lohnen – eben das ist Gelassenheit: zu verstehen, dass man damit zufrieden sein kann, wenn man von Zeit zu Zeit einen guten Groove erlebt. Das muss genügen, mehr gibts nicht. Situation normal, all fucked up – alles normal, alles beschissen, aber wir grooven.

Aus meiner CD-Sammlung

Was das mit Philosophie zu tun hat

Es gibt (viele) Leute, die glauben, das Denken aus sich allein heraus bestehen kann; diese Leute schreiben und lesen dann Bücher, die pure Philosophie sind: in denen ein theoretisches Problem auf rein logische Art und Weise gelöst wird.

Ich gehöre nicht zu diesen Leuten. Ich glaube, dass das Denken allen Antrieb verlieren würde, wenn zu ihm nicht Suppen-Essen, U-Bahn-Fahren und Laufen über Wiesen gehören würde. Mit einem Wort: die ganze Palette menschlicher Erlebensmöglichkeiten. Aus ihnen nährt sich das Denken und ist gleichzeitig selbst eine Erlebensmöglichkeit.

Aus dem Grund höre ich interessante Musik und lese Literatur. Weil ich weiß, das meine Gedanken letztlich aus der Betrachtung der Welt herkommen, so wie sie sich mir erschließt – und nicht aus logisch-philosophischen Deduktionen. Das ist auch der Grund, warum ich zwischen Philosophie und Literatur keinen Unterschied machen möchte.

Funky music does something to my mind. Weil sie mein Denken und Wahrnehmen in Bewegung versetzt und mich gleichzeitig in Ruhe lässt. Sie belästigt mich nicht mit starken Emotionen, um sie mir aufzudrängen, sondern lässt sich Zeit und vermittelt so auch mir das Gefühl, Zeit zu haben. Zeit, um einen Gedanken zu denken und in der Wahrnehmung dieses Gedankens ganz präsent, ganz da zu sein – den Augenblick zu erhaschen.

Aus meiner CD-Sammlung

About philohof

I have studied at the University of Vienna. Diploma thesis "Ethics following Fernando Savater", doctoral thesis "Society as a Point of Reference"; one book about Intercultural Communication: "Outroduction out of Intercultural Communication". I am interested in ethics, the topics "What is philosophy?" and "What is science" and, last not least, in old school funk music of the 1970s.
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3 Responses to Funky music does something to my mind!

  1. Lieber Helmut!
    Bin selbst ein grosser Fan von Funky-Music und hatte selten das Vergnügen, eine solch amüsante und meiner Meinung nach zutreffende Definition derselben zu lesen.
    Im übrigen hab ich ihre Seite erst kürzlich entdeckt und lese auch ihre anderen Artikel mit grossem Spass und Interesse.

    Mit herzlichen Grüssen
    ihr F.G

    • philohof says:

      Hallo Franco,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Als Liebhaber von funkiger Musik ist man ziemlich allein in dem jeweiligen Menschenumkreis, in welchem man aufgewachsen ist und einen das Schicksal zufällig hineingestellt hat. Falls Sie immer wieder mal hören möchten, was mir gerade so gefällt, könnten Sie meine facebook-Seite aufsuchen, auf der ich gerne Links zu funky Nummern poste.
      Und: Die Freude ist natürlich auch groß, wenn manchmal, ganz selten ein Kommentar kommt, der einmal kein Spam ist!

  2. Charles says:

    “Wenn ich so auf die Welt schaue, dann bleibt mir alles stehen. Dann bleibt in mir alles stehen, so unlustig sieht mir das meiste aus. Der Funk hilft mir, gegen die Welt, in der ich lebe, mein Leben noch eine Zeitlang am Swingen zu halten.”

    Oh mein Gott. Schön, wie du das gesagt hast. Unglaublich schön und treffend. Ich fühle da genauso. Funk-Musik ist Euphorie, gute Laune und positive Aufgedrehtheit im Schritttempo bei swingendem Gang. Funk lässt mich bei Regen, im vollgesopften Bus, am Weg in die Arbeit lächeln. Deshalb liebe ich diese Musik. Danke für diesen Artikel! :-)

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