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	<description>die philosophische seite von helmut hofbauer</description>
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		<title>Der absolute Erfolgswille in Spitzensport, in der Wirtschaft und im Gefangenendilemma. Zusammenschau dreier Artikel aus dem STANDARD</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 19:03:27 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[(Dies ist ein im Grunde recht einfacher Artikel darüber, dass man ein Dilemma nicht lösen kann, weil es eben ein Dilemma ist. Eric Frey vom STANDARD meinte in seinem Email an mich über unten stehenden Text: &#8220;Sehr geehrter Herr Dr. &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2012/02/17/der-absolute-erfolgswille-in-spitzensport-in-der-wirtschaft-und-im-gefangenendilemma-zusammenschau-dreier-artikel-aus-dem-standard/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
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--> <!--[endif] -->(Dies ist ein im Grunde recht einfacher Artikel darüber, dass man ein Dilemma nicht lösen kann, weil es eben ein Dilemma ist. Eric Frey vom STANDARD meinte in seinem Email an mich über unten stehenden Text: &#8220;Sehr geehrter Herr Dr. Hofbauer, entweder haben Sie sich zum ersten Mal mit Spieltheorie auseinandergesetzt, oder Sie suchen nur einen Grund, um zu widersprechen. Aber Ihre Ausführungen haben weder Hand noch Fuß.&#8221;)</p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Es ist schon faszinierend, was man alles lernen kann, wenn man drei Artikel aus dem STANDARD vom selben Tag hintereinander liest – nämlich zumindest soviel wie die Autoren der drei Artikel hätten lernen können, wenn sie diejenigen der beiden anderen gelesen hätten.</span></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">1. Thema: Erfolg – Markus Prock im Interview</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Es handelt sich um die STANDARD-Ausgabe vom 28./29. Jänner 2012, und ich beginne im Sportteil mit der Lektüre eines Interviews mit Markus Prock, 47 Jahre alt, früher Rennrodler, vielfacher Weltcupsieger und Weltmeister, heute Leiter einer Sportagentur, die u.a. Gregor Schlierenzauer betreut. Herr Prock wird vom STANDARD gefragt, ob der Sport eine gute Lebensschule sei; darauf sagt er:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">„</span><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">Prock: </span></strong><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Im Leistungssport zählt nur der Erfolg, und du musst zu hundert Prozent dein Ziel verfolgen. Das ist anders als in der Schule, dort musst du nur durchkommen, aber du musst nicht Erster, Zweiter oder Dritter werden. Im Leistungssport lernst du vor allem auch das Verlieren.“</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Aha! Das ist interessant! Ich selber habe schon dann und wann einmal das Wort „Schulerfolg“ gehört, aber wenn es bei einem sozialen Spiel mehr als einen bis drei Sieger gibt, dann ist das offenbar kein Erfolgsspiel.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Sodann wird Herr Prock gefragt, welche Werte der Spitzensport vermitteln könne, und er antwortet darauf:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;"> </span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">„</span><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">Prock: </span></strong><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Zielstrebigkeit und Konsequenz. Talent haben viele, Ehrgeiz auch, aber wirklich besessen sind nur wenige. […]“</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Wiederum sehr interessant: Herr Prock nennt Zielstrebigkeit und Konsequenz, doch thematisiert er nicht die negativen Aspekte dieser „Werte“ (auch der STANDARD fragt hier nicht nach); dabei deutet das Wort „besessen“ doch durchaus schon darauf hin, dass es hier auch ins Pathologische gehen wird.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Den letzten Wortwechsel zwischen dem STANDARD und Herrn Prock, den ich wiedergeben möchte, ist der um die Frage des STANDARD, ob diese unbedingte Fokussierung auf ein Ziel ist auch im späteren Leben unabdingbar sei? Herr Prock antwortet darauf mit grundsätzlich ja, dann: sicherlich ja – und schließlich: definitiv ja. Er sagt nämlich:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">„</span><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">Prock: </span></strong><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Grundsätzlich kommen die Beißer weiter als andere, auch in der Wirtschaft, in vielen Bereichen. Der Druck, das ganze Theater im positiven Sinn, das kann in jedem Beruf so sein. Veranstaltungen wie die Jugendspiele sind sicher eine Schule fürs weitere Leben. Dahaben sie gesehen, was los ist. Und dass es zur Sache geht, wenn man etwas erreichen will.“</span></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">2. „Persönlicher“ versus „organisationaler Erfolg“</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Ich blättere weiter zum „Karriere-STANDARD“ und finde dort den Artikel „Wir haben uns gewaltig vergaloppiert“ von Hartmut Volk. In diesem Artikel werden die Folgen der unter anderem im Leistungssport eingeübten unbedingten Ziel- und Erfolgsorientierung erläutert. Der Autor spricht davon, dass die Betriebe aus sich heraus instabil würden und ihnen über den Umweg zunehmend überforderter Mitarbeiter der „organisationale Burnout“ drohe. Dieser organisationale Burnout sei ein Opfer, das auf dem Altar der Effizienz erbracht werde. Der Autor beruft sich auf Hans H. Hinterhuber und unterscheidet mit ihm zwischen ICH und WIR in der Unternehmensführung:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">„Unternehmen sind dann erfolgreich, wenn sie nachhaltig ihre Kapitalkosten verdienen. Führungskräfte betrachten sich als erfolgreich, wenn sie rasch befördert werden und Karriere machen.<br />
Die Konsequenz: Wichtig sei es, den organisationalen vom persönlichen Erfolg zu unterscheiden. Unternehmen täten deshalb gut daran, „ein System zu installieren, das organisationalen und nicht persönlichen Erfolg belohnt“. Also sicherzustellen, dass „die Führungstätigkeiten, die das Unternehmen stärker machen, belohnt werden, nicht aber die Führungstätigkeiten, die der persönlichen Karriere dienen.“</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Seine Analyse beschließt Hartmut Volk mit einer recht negativen Beurteilung der Gesamtverfassung der heutigen arbeitstätigen Bevölkerung:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">„Der Druck steigt unaufhörlich (wir müssen jedes Jahr schneller laufen), aber er übersetzt sich nicht mehr in Vorwärtsbewegung: Spätmoderne Akteure werden nicht mehr von einem verlockenden Ziel angezogen, sondern sie müssen das Tempo steigern, damit keine Krise ausbricht, damit sie ihren Platz halten können und nicht in einen Abgrund fallen. Sie haben kein Ziel vor sich, sondern nur ein gefühltes Monster hinter sich. Das aber, so scheint mir, macht die Menschen krank.“</span></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">3. Die Welt ist das Gefangenen-Dilemma</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Nun gelange ich zum Album des STANDARD, und dort begrüßt mich ganz groß auf der ersten Seite ein Artikel mit dem Titel: „Die Menschheitsformel“ von Eric Frey. Dieser Artikel handelt vom so genannten „Gefangenendilemma“, und das geht so:</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Jim und Tom werden von der Polizei festgenommen. Sie können auf jeden Fall jeder für ein Jahr wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt werden. Doch vor zwei Tagen ist die Bank im Nachbarort ausgeraubt worden – vielleicht waren sie die Täter? Sheriff Eddie O’Flynns lässt sie in zwei getrennte Zellen bringen und verspricht einem jeden von ihnen: Wenn du den Bankraub gestehst und dein Kumpel schweigt, lassen wir dich gehen und er kriegt zehn Jahre. Wenn beide gestehen, kriegt jeder vier Jahre.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">1950 ist das Gefangenendilemma von drei Mathematikern geschaffen worden, von Merrill Flood, Melvin Dresher und Albert W. Tucker. Sie wollten zeigen, „warum Menschen manchmal nicht kooperieren, obwohl es eigentlich in ihrem Interesse läge“.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Das Gefangenendilemma ist nach Frey eine „Art sozialwissenschaftlicher Weltformel, die fast alles erklärt, was zwischen Menschen […] vorgeht“, denn es fasse die immanente Spannung zwischen individuellen und kollektiven Interessen, „das Grundproblem und die zentrale Herausforderung der menschlichen Zivilisation“.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Freys eigener Vorschlag zu seiner Lösung ist ein zwiefacher: Zuerst einmal, auf rechtsstaatlicher Ebene, die „Doppelfunktion von Kontrolle und Vertrauen“: ohne staatliches Monopol gäbe es Anarchie; ohne Vertrauen benötigte der Staat seine gesamten Ressourcen allein zur Überwachung der Bevölkerung. Dann, auf individueller Ebene, die Einstellung „tit for tat“ („Wie du mir, so ich dir.“) oder, als moralische Formel gefasst: „Ich bin dein Freund, aber ich lasse mich nicht von dir ausnützen.“</span></p>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">Learnings aus der Zusammenschau</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Wenn man den ersten und den zweiten Artikel nebeneinanderstellt, dann ist schon interessant, wie für Hartmut Volk genau dasjenige kein Ziel ist, was für Markus Prock das Ziel schlechthin ist: der Erste zu sein, Erfolg zu haben. Im Gegenteil, Volk beschreibt den Zustand, der sich daraus ergibt, als eine Art Stillstand. Man kann sich leicht vorstellen, warum: Wenn in einem Konkurrenzsystem alle laufen – ich gemeinsam mit meinen Konkurrenten – und meine Konkurrenten für mich die Wegmarkierungen darstellen, an denen ich mich orientiere, dann sieht es für mich so aus, als ob wir alle stille stünden, obwohl wir doch laufen. Und das Gefühl voranzukommen habe ich nur dann, wenn schneller laufe als die anderen oder als das Jahr vorher.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Aber das geht ja nicht mehr, weil ich schon so schnell laufe, wie ich nur irgend kann. Betrachtet man das Interview mit Markus Prock ausgehend vom Artikel über das Gefangenendilemma, dann fällt einem auf: Auch im Spitzensport haben wir es überall mit Gefangenendilemmata zu tun – und zwar sind sportliche Wettkämpfe Gefangenendilemmata, weil in ihnen nicht alle gewinnen können, sondern nur höchstens drei. Kooperation ist also unmöglich, weil Belohungen nur höchstens für drei Personen vorgesehen sind. Der Begriff, der diese Tatsache zum Ausdruck bringt, heißt „Erfolg“. Erfolg ist gewissermaßen so etwas wie eine Engstelle im Straßenverkehr: Hier noch ist die Straße sehr breit, und es können viele Autos nebeneinander fahren; dort vorne verengt sie sich auf eine Spur und nachdem diese von drei Autos passiert worden ist, wird ein Balken heruntergelassen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Erfolg tritt auch im Artikel von Hartmut Volk auf und wird von ihm als Ursprung allen Übels identifiziert. Das Problem will Volk lösen, indem er zwischen organisationalem Erfolg und persönlichem Erfolg unterscheidet und den ersten vor dem zweiten privilegiert. Ob das Ziel führend ist, kann bezweifelt werden, besteht persönlicher Erfolg doch primär in der Belohnungder Führungskraft durch die Organisation, für die sie tätig ist. Mit anderen Worten, das Problem von den Individuen eine Stufe hinauf, zu den Organisationen, zu schieben, scheint nicht wirklich etwas zu verändern. Ja, man fragt sich überhaupt, warum denn die wirtschaftenden und arbeitenden Menschen nicht endlich einsehen, dass sie ein Leben führen wie im Sport: dass es nicht darauf ankommt, materiale Güter zu produzieren und den Wohlstand zu sichern, sondern dass das Ziel auch in der Wirtschaft allein darin besteht, schneller und besser zu sein als die Anderen und sich darüber zu freuen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Wenn man nun den Artikel von Eric Frey vom Interview mit Markus Prock her betrachtet, dann fällt einem etwas auf, von dem man den Eindruck hat, dass es Eric Frey (und den übrigen Spieltheoretikern) nicht auffällt. Beim Rodeln oder Schispringen ist es ja nicht naturgegeben, dass es nur drei Gewinner geben kann, sondern das ist deshalb so, weil das Spiel so konstruiert ist. Und das Spiel ist deshalb so konstruiert, weil es jemand so gewollt hat (man könnte es ja auch anders machen). Frey hingegen stellt das Gefangenendilemma gleichsam so dar, als ob es naturgegeben wäre; überall, wo Menschen zusammenleben und -arbeiten, kommt es vor: Die derzeitige Misere in Griechenland beruht auf dem Gefangenendilemma; in persönlichen Beziehungen komme es auch vor (eine jede Ehe sei „ein Balanceakt zwischen der erwünschten Gemeinsamkeit und dem individuellen Vorteil“); dem Problem der Erhaltung öffentlicher Güter (die für alle Menschen wichtig sind, aber in niemandes privatem Interesse liegen) liegt es zugrunde; dem Problem der Demokratie, die allzu leicht Opfer kleiner, gut organisierter Gruppen wird; und auch den Problemen der Leerfischung der Weltmeere und der Klimaerwärmung. Dabei vergisst Frey ganz, dass es doch Sheriff O’Flynns gewesen ist, der die beiden Ganoven in die missliche Lage des Gefangenendilemmas gebracht hat.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Diese Erkenntnis ist nicht unbedeutend, denn aus ihr folgt, dass die Spieltheoretiker (und auch Herr Frey) einen Fehler machen, wenn sie das Gefangenendilemma zu lösen versuchen.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Wenn man in einem Gefangenendilemma steckt, dann gibt es keine gute Lösung mehr: auch freizugehen, wenn der Kumpel zehn Jahre absitzen muss, ist keine wirklich gute Lösung. Das Gefangenendilemma ist somit auch kein sozialwissenschaftliches Modell für die Frage, wie die Bereitschaft zur Kooperation erhöht werden kann, wenn egoistisches Verhalten rational gesehen Vorteile bringt, noch ist es „das vielleicht beste Moralprinzip, das in der heutigen Zeit zu finden ist“, sondern: Es ist eine Art von Spiel, das Anlass gibt, danach zu fragen, wer denn hier die Spielregeln gemacht hat, die Kooperation wirkungsvoll verhindern.</span></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Mit dem Wissen lassen sich nun auch Freys Folgefehler vermeiden. So meint er etwa, das Gefangenendilemma ließe sich lösen, indem man das Spiel wiederholt: „Bei wiederholten Begegnungen der gleichen Akteure steigt ihr Anreiz zu kooperieren.“ Das ist natürlich Unsinn: Man kann das Spiel nicht wiederholen; denn da müsste Sheriff O’Flynns ja den Alzheimer bekommen und von Mal zu Mal vergessen, ob seine Gefangenen gestanden haben oder nicht. Eine Ehe ist demgegenüber schon ein Spiel, in dem eine Runde an die andere gehängt wird, aber das Ergebnis wird nicht in Zahlen ausgedrückt und festgehalten, was aber ganz wesentlich ist. In der Zusammenschau der drei Artikel gewinnt man ein Gespür dafür, welche Eigenschaften soziale Spiele eigentlich ausmachen und welche davon das Spiel so gefährlich für uns machen. Und diese Aspekte beinhalten nicht das Problem des Gefangenendilemmas:</span></p>
<ul style="margin-top: 0cm;" type="disc">
<li class="MsoNormal" style="color: black;"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT;">Dass      wir uns Spiele mit bestimmten Regeln aufdrängen lassen, ohne sie und ihre Regeln      zu hinterfragen;</span></li>
<li class="MsoNormal" style="color: black;"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT;">dass      Spiele meistens darin bestehen, aus sehr vielen Teilnehmern ganz wenige Gewinner      auszusieben, Kooperation also von Vornherein nicht ihr Ziel ist;</span></li>
<li class="MsoNormal" style="color: black;"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT;">dass      Spiele einmalig sind und unwiederholbar (selbst wenn sie wiederholt      werden: Man kann den Weltcup 2011 im Schifliegen nur einmal gewinnen);</span></li>
<li class="MsoNormal" style="color: black;"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT;">und      dass Spiele den Spielerfolg formalisieren, ihn in Zahlen fassen und ihn      damit für alle sichtbar und erinnerbar machen.</span></li>
</ul>
<p class="MsoNormal"><strong><span style="font-size: 11pt; font-family: &amp;amp;quot; color: black;">Fazit</span></strong></p>
<p class="MsoNormal"><span style="font-size: 11pt; font-family: OrigGarmndBT; color: black;">Beurteilt nicht mein Verhalten als egoistisch oder kooperativ in einem Spiel, das mir aufgezwungen wurde und wo ich Erfolg haben muss.</span></p>
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		</item>
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		<title>Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt???</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/11/16/wer-hat-das-wissen-in-der-wissenschaft-versteckt/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 19:54:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Helmut Hofbauer: Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt? Königshausen &#38; Neumann, Würzburg 2011. Gehen wir doch mal von der allgemein geteilten Vorstellung aus, wonach Wissenschaft in methodisch geleiteter objektiver Erkenntnis besteht, und sehen wir, ob folgende Thesen plausibel &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/11/16/wer-hat-das-wissen-in-der-wissenschaft-versteckt/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Helmut Hofbauer: <em><a href="http://www.amazon.de/Wer-Wissen-Wissenschaft-versteckt-wissenschaftstheoretische/dp/3826047060">Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt?</a></em> Königshausen &amp; Neumann, Würzburg 2011.</strong></p>
<p><a href="http://www.philohof.com/wp-content/Hofbauer_Wer-hat-das-Wissen-in-der-Wissenschaft-versteckt.gif"><img class="aligncenter size-medium wp-image-74" title="Hofbauer_Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt" src="http://www.philohof.com/wp-content/Hofbauer_Wer-hat-das-Wissen-in-der-Wissenschaft-versteckt-300x270.gif" alt="Buchcover: Wer hat das Wissen in der Wissenschaft versteckt?" width="300" height="270" /></a></p>
<p>Gehen wir doch mal von der allgemein geteilten Vorstellung aus, wonach Wissenschaft in methodisch geleiteter objektiver Erkenntnis besteht, und sehen wir, ob folgende Thesen plausibel sind:</p>
<p><strong>1. Wissenschaft ist eine Art von heteronomer, indirekter Erkenntnis</strong></p>
<p>Das Erste, das einem auffällt, wenn man die Wissenschaft unvoreingenommen betrachtet, ist, dass dort niemand sagt: „Da habe ich das und das daraus gelernt!“, sondern man sagt: „Damit wird eine Forschungslücke im Bereich … geschlossen.“ oder „Das ist ein Fortschritt für die (Name der Disziplin).“</p>
<p>Man führt also in der Wissenschaft nicht Erkenntnisbemühungen aus eigener Initiative oder auf eigene Rechnung durch, sondern man erkennt für eine Institution.</p>
<p>Es ist denkbar, dass einem Menschen, der auf diese Weise Erkenntnisarbeit „im Auftrag von…“ durchführt ein wenig außer Kontrolle gerät, welche Erkenntnisziele er warum beforscht und welche Darstellungen von Ergebnissen aus welchem Grund als Erkenntnisse anzusehen sein sollen.</p>
<p><strong>2. Wissenschaft ist eine Karriere/ein Beruf</strong></p>
<p>Die Vorstellung, von der wir ausgegangen sind, wonach man sich in der Wissenschaft darum bemüht, mithilfe von methodischem Vorgehen die Wahrheit zu erkennen, lässt es so erscheinen, als ob bei diesem Unternehmen grundsätzlich ein jeder Mensch mitmachen könnte, der sich an diese Regeln hält. In der Wirklichkeit sieht das aber nicht so aus: Es hat sich eine Reihe von Institutionen gebildet, die WissenschaftlerInnen Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, und ebenso ein System von Veröffentlichungsmöglichkeiten (Journals, Kongresse etc.) wissenschaftlicher Arbeit. In diesem institutionellen, (ver)organisierten Umfeld erweist sich, dass eigentlich kein Betrag zur Sprache kommen und von den Anderen gehört werden kann, der nicht ohnehin bereits von innerhalb dieser Strukturen her kommt.</p>
<p>Wir können also entweder sagen: Der Ausgangspunkt, den wir gewählt haben, ist schlicht falsch, oder er muss wie folgt modifiziert werden: Wissenschaft besteht in methodisch geleiteter objektiver Erkenntnis – aber nur in solcher, die von Personen generiert wird, welche in wissenschaftlichen Institutionen arbeiten und dies im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Karriere tun.</p>
<p>Oder einfacher gesagt: Objektive Erkenntnis, von NichtwissenschaftlerInnen produziert, ist keine wissenschaftliche Erkenntnis.</p>
<p><strong>3. Wissenschaft ist systematisches, systematisiertes Wissen</strong></p>
<p>Diese These klingt unverdächtig und selbstverständlich, solange man sich nicht überlegt, was sie impliziert. Sie impliziert: Es genügt nicht, bei einer Erkenntnis nur darüber nachzudenken, ob sie wahr (objektiv) ist, sondern man muss sich auch darüber Gedanken machen, wie sie in den wissenschaftlichen Wissenskorpus einzuordnen ist.</p>
<p>Im Rahmen einer solchen Bemühung kann es dann auch schon mal vorkommen, wie ich im letzten Kapitel meines Buches zeige, dass jemand ein ganzes wissenschaftliches Werk lang die Aufmerksamkeit seiner LeserInnen ausschließlich damit beschäftigt, die Nachbarschaftsbeziehungen zwischen seinem Forschungsfeld und anderen, verwandten Forschungsfeldern aufzuzeigen und die historischen Schuldverhältnisse zwischen ihnen zu klären. Wissenschaft kann daher manchmal auch darin bestehen, dass man einfach nicht zur Sache kommt.</p>
<p><strong>4. Wissenschaft ist ein utilitaristisches Unternehmen</strong></p>
<p>Es scheint, die Exaktheit, mit der in der Wissenschaft Erkenntnisgegenstände erforscht werden, steht in einem ziemlichen Missverhältnis zur Pampigkeit der Entscheidung, mit der man sich entschließt, dieses und nichts anderes zu beforschen, sowie der Tatsache, dass eigentlich keine Rechenschaft über die Forschungsziele abgelegt wird, wo mit wissenschaftlichen Argumenten die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Forschungsgegenstand begründet würde.</p>
<p>Anstatt dessen scheint es so zu sein, dass die Entscheidung über das Was der Forschung in großem Maße von der Politik gefällt würde, wobei das Argument schwer wiegt, dass diese oder jene Forschung besonders vielen Menschen nütze. Dieses quantitative Argument scheint dann den qualitativen Aspekt so sehr zu überwiegen, dass nicht einmal mehr danach gefragt wird, was es im konkreten Fall bedeutet, dass eine bestimmte Erkenntnis diesen oder jenen Menschen nützt – es genügt zu behaupten, dass sie möglichst vielen nützt.</p>
<p><strong>5. Wissenschaft ist Macht</strong></p>
<p>Doch was ist Macht? Macht ist ein sich selbst verfestigendes System.</p>
<p>An und für sich würden wir ja Wissenschaft nicht mit Macht assoziieren, denn dort regiert der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“, mit einem Wort: die Rationalität – und von der Rationalität denken wir doch gewöhnlich, dass sie so ungefähr das genaue Gegenteil von Macht ist.</p>
<p>Die These wird jedoch plausibler, wenn wir überlegen, worin das Ziel der Wissenschaft besteht: Wissen zu schaffen. Wissen nun ist eine Verfestigung, welche durch Kritik oder Neudurchdenken der Sachverhalte wiederum verflüssigt und durcheinandergebracht wird. Insofern die Wissenschaft also ihren Stolz darein setzt, jene Institution zu sein, die als einzige in der Gesellschaft wahres Wissen garantiert, werden Denken und Kritik immer etwas Ketzerisches und Unliebsames an sich haben, das man nur insoweit zu tolerieren bereit ist, als man schon von Vornherein mit freiem Auge sehen kann, dass das Projekt einer bestimmten Kritik in einem konkreten Fall sehr wahrscheinlich berechtigt sein wird.</p>
<p>Betrachtet man diese Angelegenheit auf der organisationellen Ebene, so stößt man auf die Frage, dass soziale Systeme sicherlich wohl auch so organisiert werden könn(t)en, dass Kritik und Denken gefördert werden; die Wissenschaft gehört aber offenbar nicht zu dieser Art sozialer Systeme.</p>
<p><strong>6. Wissenschaft ist universales, allgemeingültiges Wissen</strong></p>
<p>Auch diese These klingt so selbst-verständlich, dass sie uns nicht aus dem Schlaf unserer Gedankenlosigkeit aufweckt. Doch in ihrer Konsequenz bedeutet sie: Wissenschaft ist nicht die Erkenntnis des Einzelnen und Individuellen.</p>
<p>Wiederum müssen wir unseren Ausgangspunkt vom methodisch gewonnenen, objektiven Wissen modifizieren. Dass etwas als objektive Erkenntnis gewonnen wird, genügt noch nicht zu seiner Wissenschaftlichkeit; es muss sich auch wiederholen, damit es als wissenschaftliches Wissen gelten kann. Das heißt, es muss viele Eichen und viele Krankheiten oder andere Einheiten geben, die sich wiederholen. Dass es einen Jupiter gibt, ist streng genommen keine wissenschaftliche Erkenntnis, weil Wissenschaft darin besteht, abstrakte Begriffe zu gewinnen (z.B. „Krankheit“), um Phänomene miteinander zu vergleichen und auf diese Weise verallgemeinerbares Wissen zu gewinnen.</p>
<p>Das bedeutet aber auch: Wissenschaftliches Wissen ist abstrahiertes Wissen. Und es bedeutet auch: Wenn bei der Gewinnung von wissenschaftlichem Wissen von denjenigen Eigenschaften einer Sache abstrahiert wurde, die einen bestimmten Menschen interessieren und um derentwegen er diese Sache erkennen möchte, dann entfernt sich wissenschaftliches Wissen eigentlich bereits wieder vom Ideal der Objektivität.</p>
<p><strong>Zusammenfassend:</strong></p>
<p>Diese Liste von Thesen ist sicher nicht vollständig. Aber eines zeigt sie ganz gewiss: Die allgemein geteilte Überzeugung, wonach Wissenschaft in methodisch gewonnener, objektiver Erkenntnis besteht, ist unvollständig in einem Grade, dass sie irreführend ist.</p>
<p>Tatsache ist: Wir wissen nicht, was wissenschaftliches Wissen ist. Es ist schwer zu verstehen, was das ist. Es ist methodisch gewonnenes, objektives Wissen – aber dazu kommt noch vieles dazu, das sich aus der Dynamik des wissenschaftlichen Arbeitens in wissenschaftlichen Organisationen und Institutionen ergibt. Was belohnt die Organisation, was nicht? Was verfestigt sich als Wissen in solchen sozialen Strukturen, welches Wissen setzt sich durch und welches nicht? Wissen setzt sich ja nicht nur einfach deshalb durch, weil es richtig/wahr ist, sondern es kann sich auch deshalb durchsetzen, weil es einfach ist, veranschaulichende Kraft besitzt oder aus irgendeinem Grund von allen nachgeplappert wird.</p>
<p>Ich glaube, es gilt diesen systemischen Bedingungen nachzugehen, die bestimmte Erkenntnisse oder bestimmte Gestalten und Darstellungen von Erkenntnissen vor anderen bevorzugen. Am interessantesten finde ich die Frage, was denn die Wissenschaft wissen will. Wenn wir wie in meiner ersten These davon ausgehen, dass Wissenschaft nicht das Erkennen und Lernen des einzelnen Wissenschaftlers oder der einzelnen Wissenschaftlerin ist, sondern das Erkennen und Lernen einzelner wissenschaftlicher Disziplinen oder gar der Wissenschaft als ganzer, dann stellt sich tatsächlich die Frage: Was, bitte, wollen diese sozialen Einheiten wissen? Was interessiert die soziale Institution Wissenschaft?</p>
<p>In zwölf Einzelstudien habe ich in meinem Buch Wer hat das <em>Wissen in der Wissenschaft versteckt?</em> (Königshausen &amp; Neumann, Würzburg 2011) versucht, diesen Fragen nachzugehen. Man kommt dabei bei den verschiedensten Phänomenen vorbei. Sie alle haben gemein, dass sie weit hinausgehen über das, was wir in unserer Ausgangsvorstellung als Wissenschaft beschrieben haben. Dass eine Erkenntnis objektiv und richtig ist, macht sie noch lange nicht zur Wissenschaft. Es ist noch herauszufinden, in welche Richtung sich dieses eigenwillige soziale Gebilde, das wir Wissenschaft nennen, hinbewegt und was das eigentlich genau ist, das sie uns verkauft, während wir Wissen von ihr verlangen und erwarten.</p>
<p>Die einzelnen Studien behandeln folgende AutorInnen und Themengebiete:</p>
<p><strong>1. Jeanne Marie Gagnebin (Geschichte, Geisteswissenschaft)</strong></p>
<p><strong>2. Sandra Beaufaÿs (Geschichte, Biochemie)</strong></p>
<p><strong>3. Andreas Hütig (Kulturwissenschaften)</strong></p>
<p><strong>4. Carl Djerassi (Medizin, Naturwissenschaften)</strong></p>
<p><strong>5. Monika Wogrolly (Medizin)</strong></p>
<p><strong>6. Friederike Hassauer (Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaften)</strong></p>
<p><strong>7. Michel Foucault (Medizin, Metadiskurse)</strong></p>
<p><strong>8. John Stuart Mill (Utilitarismus)</strong></p>
<p><strong>9. Erich Visotschnig/Siegfried Schrotta (Macht)</strong></p>
<p><strong>10. Gordon A. Frutschnigg (Philosophie)</strong></p>
<p><strong>11. Oliver Sacks (Neurologie, Wissenschaft des Beobachtens)</strong></p>
<p><strong>12. Wilhelm Schmid (Lebenskunst als Wissenschaft)</strong></p>
<p>Zu guter Letzt: Versteckt hat das Wissen in der Wissenschaft wohl niemand. Aber es scheint ein Wesenszug menschlicher Sozialität zu sein, dass uns Wissen und spezielle Fähigkeiten in Institutionen hineingeraten, welche sie verwalten und wo es dann Menschen gibt, die sie legitim besitzen und ausüben, während man von Menschen, die außerhalb stehen (oder innerhalb, aber da einen niedrigen Rang einnehmen), sagt: „Die machen das nicht ordentlich!“ oder „Die sind nicht dazu berechtigt.“ Hier zeigt sich, dass wissenschaftliches Wissen seinen Wert zu einem Gutteil aus der Tatsache bezieht, dass manche Menschen von den übrigen Menschen sagen können, diese besäßen dieses Wissen nicht oder jedenfalls in vertrauenswürdiger, bestätigter Weise. Ich denke, es erstaunlich, dass wissenschaftliches Wissen, das uns im Grunde doch alle schlauer und wissender machen sollte, versteckt werden muss, damit der soziale Austausch funktionieren kann, indem einige zu Experten werden und die Übrigen zu Laien – und diese jenen etwas anzubieten haben.</p>
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		<title>Funky music does something to my mind!</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/06/23/funky-music-does-something-to-my-mind/</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Jun 2011 16:30:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hobbys]]></category>

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		<description><![CDATA[Hobbys? Eines meiner Hobbys ist Musik. Ganz besondere Musik. Soul/Funk aus den 70er Jahren. Dabei würde doch einem, der, wie ich, auf Intellektuellen macht, klassische Musik viel eher zu Gesicht stehen. Das unterstreicht gewissermaßen die intellektuelle Note, da man sich &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/06/23/funky-music-does-something-to-my-mind/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Hobbys? Eines meiner Hobbys ist Musik. Ganz besondere Musik. Soul/Funk aus den 70er Jahren.</p>
<p>Dabei würde doch einem, der, wie ich, auf Intellektuellen macht, klassische Musik viel eher zu Gesicht stehen. Das unterstreicht gewissermaßen die intellektuelle Note, da man sich ja bis heute unter einem gebildeten Menschen einen solchen vorstellt, der die Werte der bürgerlichen Kultur internalisiert hat.</p>
<p>Aber leider, das Gefühlspathos eines Beethoven geht mir auf die Nerven, das Rokokorumgehopse eines Mozart macht mich depressiv. Am ehesten spricht mich aus der Sorte Musik noch Barockmusik an.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.philohof.com/wp-content/funky1.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-65" title="funky1" src="http://www.philohof.com/wp-content/funky1-300x245.jpg" alt="Aus meiner CD-Sammlung" width="300" height="245" /></a></p>
<p>Warum funky music? Dem Funk begegnete ich zuerst in meiner Studentenzeit. In einem Musikgeschäft, denn diese Musik wurde weder im Radio noch (mit der einen oder anderen Ausnahme) in den Diskotheken und Lokalen gespielt. Fasziniert von dieser Musikrichtung, begann ich Funk zu sammeln, ohne zu wissen, was es genau war, das mich daran ansprach.</p>
<p>Mittlerweile glaube ich, es ist eine Mischung aus &#8220;keep swinging&#8221; und Gelassenheit, eine geistige Gestimmtheit, mit deren Hilfe es mir möglich scheint, die Welt und das Leben zu ertragen. Funk ist keine reine Adrenalin-Musik wie der Rock, er geht es ziemlich gemütlich an und wird deshalb wohl so manchen, der neu auf ihn stößt, am Anfang fadisieren. Und zwar solange, bis man merkt, dass eben das das Konzept hinter der Sache ist: sich nicht zu verausgaben. Dauernd einen gemütlichen Groove aufrechtzuerhalten, aber sich nicht zu verausgaben.</p>
<p>Für das Leben braucht man einen langen Atem. Jedenfalls wenn man kein Rock&#8217;n'Roll-Leben führen will (Live fast, die young.). Diesen langen Atem gibt der Funk, und zwar: ohne damit aufzuhören, das Leben in Schwingung zu halten. Denn ich muss zugeben: Wenn ich so auf die Welt schaue, dann bleibt mir alles stehen. Dann bleibt in mir alles stehen, so unlustig sieht mir das meiste aus. Der Funk hilft mir, gegen die Welt, in der ich lebe, mein Leben noch eine Zeitlang am Swingen zu halten.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.philohof.com/wp-content/funky2.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-66" title="funky2" src="http://www.philohof.com/wp-content/funky2-300x245.jpg" alt="Aus meiner CD-Sammlung." width="300" height="245" /></a></p>
<p>Als zweites Element habe ich Gelassenheit genannt. Mit Gelassenheit meine ich die Einsicht, dass man durchs Leben geht und an der Welt wahrscheinlich nichts oder nur ganz wenig wird ändern können. Aber das Leben muss sich trotzdem lohnen &#8211; eben das ist Gelassenheit: zu verstehen, dass man damit zufrieden sein kann, wenn man von Zeit zu Zeit einen guten Groove erlebt. Das muss genügen, mehr gibts nicht. Situation normal, all fucked up &#8211; alles normal, alles beschissen, aber wir grooven.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.philohof.com/wp-content/funky3.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-67" title="funky3" src="http://www.philohof.com/wp-content/funky3-300x245.jpg" alt="Aus meiner CD-Sammlung" width="300" height="245" /></a></p>
<p><strong>Was das mit Philosophie zu tun hat</strong></p>
<p>Es gibt (viele) Leute, die glauben, das Denken aus sich allein heraus bestehen kann; diese Leute schreiben und lesen dann Bücher, die pure Philosophie sind: in denen ein theoretisches Problem auf rein logische Art und Weise gelöst wird.</p>
<p>Ich gehöre nicht zu diesen Leuten. Ich glaube, dass das Denken allen Antrieb verlieren würde, wenn zu ihm nicht Suppen-Essen, U-Bahn-Fahren und Laufen über Wiesen gehören würde. Mit einem Wort: die ganze Palette menschlicher Erlebensmöglichkeiten. Aus ihnen nährt sich das Denken und ist gleichzeitig selbst eine Erlebensmöglichkeit.</p>
<p>Aus dem Grund höre ich interessante Musik und lese Literatur. Weil ich weiß, das meine Gedanken letztlich aus der Betrachtung der Welt herkommen, so wie sie sich mir erschließt &#8211; und nicht aus logisch-philosophischen Deduktionen. Das ist auch der Grund, warum ich zwischen Philosophie und Literatur keinen Unterschied machen möchte.</p>
<p>Funky music does something to my mind. Weil sie mein Denken und Wahrnehmen in Bewegung versetzt und mich gleichzeitig in Ruhe lässt. Sie belästigt mich nicht mit starken Emotionen, um sie mir aufzudrängen, sondern lässt sich Zeit und vermittelt so auch mir das Gefühl, Zeit zu haben. Zeit, um einen Gedanken zu denken und in der Wahrnehmung dieses Gedankens ganz präsent, ganz da zu sein &#8211; den Augenblick zu erhaschen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.philohof.com/wp-content/funky4.jpg"></a><a href="http://www.philohof.com/wp-content/funky4.jpg"><img class="size-medium wp-image-68  aligncenter" title="funky4" src="http://www.philohof.com/wp-content/funky4-300x245.jpg" alt="Aus meiner CD-Sammlung" width="300" height="245" /></a></p>
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		<title>Recommended Links</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/06/01/recommended-links/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 18:17:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Links]]></category>

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		<description><![CDATA[1. Mein Blog auf philosophieblog.de (100 A4-Seiten Text) http://philosophieblog.de/philohof/ 2. Meine Dissertation &#8220;Bezugspunkt Gesellschaft&#8221; hatte schon mehr LeserInnen als so manche andere Doktorarbeit. Weil sie sich nämlich &#8211; so der Tenor der Rückmeldungen &#8211; spannend wie ein Roman liest. http://www.bibliotekacyfrowa.pl/Content/14681/Bezugspunkt_Gesellschaft.pdf &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/06/01/recommended-links/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. Mein Blog auf philosophieblog.de (100 A4-Seiten Text)</p>
<p><a href="http://philosophieblog.de/philohof/">http://philosophieblog.de/philohof/</a></p>
<p>2. Meine Dissertation &#8220;Bezugspunkt Gesellschaft&#8221; hatte schon mehr LeserInnen als so manche andere Doktorarbeit. Weil sie sich nämlich &#8211; so der Tenor der Rückmeldungen &#8211; spannend wie ein Roman liest.</p>
<p><a href="http://www.bibliotekacyfrowa.pl/Content/14681/Bezugspunkt_Gesellschaft.pdf">http://www.bibliotekacyfrowa.pl/Content/14681/Bezugspunkt_Gesellschaft.pdf</a></p>
<p>3. Die Gesellschaft für angewandte Philosophie</p>
<p><a href="http://www.gap.or.at">www.gap.or.at</a></p>
<p>4. unbedingt lesen: Philosophische Erzählungen von Theodor Herzl</p>
<p><a href="http://de.wikisource.org/wiki/Philosophische_Erz%C3%A4hlungen">http://de.wikisource.org/wiki/Philosophische_Erz%C3%A4hlungen</a></p>
<p>5. Peter Krieg über Innovation in geschlossenen sozialen Systemen</p>
<p><a href="http://www.heise.de/tp/artikel/23/23717/1.html">http://www.heise.de/tp/artikel/23/23717/1.html</a></p>
<p>6. Richard Rorty über analytische und transformative Philosophie. (Transformative Philosophie meint Gedanken, von denen sich Individuen und Gesellschaften verändern lassen)</p>
<p><a href="http://evans-experientialism.freewebspace.com/rorty02.htm">http://evans-experientialism.freewebspace.com/rorty02.htm</a></p>
<p>7. Keine bevormundende Ethik &#8211; Fernando Savater: Lebens-Tips mit Grips und Witz</p>
<p><a href="http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-52691099.html">http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-52691099.html</a></p>
<p>bzw. als pdf: <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=52691099&amp;aref=image036/2008/03/13/cqspc-199300500880092.pdf&amp;thumb=false">http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=52691099&amp;aref=image036/2008/03/13/cqspc-199300500880092.pdf&amp;thumb=false</a></p>
<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>
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		<item>
		<title>Ein Programm für eine Philosophie der Zukunft</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/05/31/ein-programm-fur-eine-philosophie-der-zukunft/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 May 2011 22:52:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Was ist Philosophie?]]></category>

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		<description><![CDATA[Programm für eine Philosophie, in der 1. Denken möglich ist; In einer solchen Philosophie müsste der Gedanke höher geschätzt werden als die Wahrheit. Denn das Denken bewegt sich, die Wahrheit hingegen – die wahre ebenso wie die vermeintliche – steht &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/05/31/ein-programm-fur-eine-philosophie-der-zukunft/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Programm für eine Philosophie, in der</strong></p>
<p><strong>1. Denken möglich ist;</strong></p>
<p>In einer solchen Philosophie müsste der Gedanke höher geschätzt werden als die Wahrheit. Denn das Denken bewegt sich, die Wahrheit hingegen – die wahre ebenso wie die vermeintliche – steht still. Stellt man die Wahrheit über den Gedanken, so wie man das bisher getan hat, wird immer das Gedachte das Denken erdrücken.</p>
<p><strong>2. rationale Kommunikation zwischen gleichberechtigten Gesprächspartnern möglich ist;</strong></p>
<p>Damit rationale Kommunikation möglich ist, darf die Wahrheit weder ganz objektiv noch ganz subjektiv sein. Denn die subjektive Wahrheit ist so tief erlebt, dass sie unkommunizierbar ist; die objektive Wahrheit hingegen bedarf der Mitteilung nicht – es genügt, wenn Einer sie für alle feststellt und proklamiert. „Es ist so!“ – ist keine Mitteilung: Der Andere kann das nur hinnehmen, nicht aber darauf reagieren.</p>
<p><strong>3. in welcher den GesprächspartnerInnen im philosophischen Gespräch Respekt gezollt wird;</strong></p>
<p>Damit den GesprächspartnerInnen in einem philosophischen Gespräch oder einer philosophischen Diskussion Respekt gezollt wird, ist es notwendig, dass die Wahrheitsfindung in den Köpfen der Menschen höher bewertet wird als die Ergebnisse der philosophischen Diskussion. Stellt man die Diskussion (oder den Diskurs) über die Menschen, so interessiert mit einem Mal nicht mehr, was die Menschen zu sagen haben – der grundsätzliche Respekt ihnen gegenüber endet, jener, der darin besteht, ihnen zuzuhören.</p>
<p><strong>4. in welcher Lernen möglich ist;</strong></p>
<p>Lernen ist nur möglich, wenn der Mensch das Recht genießt, unfertig zu sein. Denn Lernen ist der Weg der eigenen Entwicklung, und auf diesem Weg ist das Wissen bruchstückhaft und unfertig. Damit es wieder möglich werde, dass der Mensch lernen kann, müssen wir aufhören den wissenden, qualifizierten Menschen über den Lernenden zu stellen. Denn der qualifizierte Mensch braucht unser Wohlwollen nicht, um seine Ideen zu formulieren; der Lernende hingegen hat es notwendig, seine Ideen zu formulieren, damit er lernen kann.</p>
<p><strong>5. und in welcher das Formulieren von eigenen Erfahrungen und Fragen möglich ist.</strong></p>
<p>Damit das Formulieren eigener Erfahrungen möglich ist, muss es zuerst einmal um diejenige Person gehen, die sie formuliert. Geht es nur um die Inhalte, die formuliert werden, und ihre Wahrheit oder Gültigkeit, dann ist es nicht möglich, Erfahrungen und Fragen zu formulieren. Eine Erfahrung ist keine Wahrheitsbehauptung, mit der man sich auseinanderzusetzen hat, sondern eine Person, die etwas erfahren hat. Ebenso ist eine Frage keine dumme oder gescheite Frage, sondern ein Mensch, den eine Frage beschäftigt.</p>
<p>Erfüllt schon eine der bestehenden Philosophien diese Anforderungen?</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Philosophie aus Sicht der (philosophischen) Kommunikation</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/05/10/philosophie-aus-sicht-der-philosophischen-kommunikation/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 May 2011 03:57:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Was ist Philosophie?]]></category>

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		<description><![CDATA[In seiner Einleitung zum Band Philosophie der Reihe Das Fischer Lexikon (hg. v. Alwin Diemer und Ivo Frenzel, Frankfurt/Main 1958. S. 9-17) stellte Helmuth Plessner Philosophie dar als etwas, das gegenwärtig (=1958) gerade eliminiert, ausgelöscht wird. Und zwar wird die &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/05/10/philosophie-aus-sicht-der-philosophischen-kommunikation/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In seiner Einleitung zum Band <em>Philosophie</em> der Reihe <em>Das Fischer Lexikon </em>(hg. v. Alwin Diemer und Ivo Frenzel, Frankfurt/Main 1958. S. 9-17) stellte Helmuth Plessner Philosophie dar als etwas, das gegenwärtig (=1958) gerade eliminiert, ausgelöscht wird.</p>
<p>Und zwar wird die Philosophie seiner Ansicht nach ausgelöscht durch zwei Extrempositionen, die einander gegenseitig negieren, die analytische Philosophie und die Existenzphilosophie. Von diesen beiden Philosophierichtungen wird die Philosophie Helmuth Plessner zufolge deshalb ausgelöscht, weil die analytische Philosophie gänzlich in der Wissenschaft aufgeht und damit die philosophierende Person auflöst, die etwas Philosophisches kommunizieren könnte; die Existenzphilosophie hingegen (Plessner nennt Heidegger und Jaspers) löst dasjenige auf, das zwischen Philosophierenden kommuniziert werden könnte, indem sie behauptet, dasjenige, worum es beim Philosophieren eigentlich gehe, sei nur einer inneren Schau zugänglich oder verschließe sich überhaupt jeder rationalen Erkenntnis und dergleichen.</p>
<p>Analytische Philosophie und Existenzphilosophie zerstören also die Philosophie, indem die erste den philosophierenden Menschen umbringt und die zweite den Gegenstand philosophischer Kommunikation. Beides aber – kommunizierende Person und Kommunikat – braucht es zum Kommunizieren.</p>
<p>Das führt uns zur Frage, wie Plessner denn Philosophie überhaupt bestimmt: Er bestimmt sie als „Wissenschaft in einem sehr weiten Sinne“, deren Thema „Welt und Mensch“ ist, deren Probleme „persongebunden“ sind und deren Argumente „auf soziale Resonanz rechnen können“.</p>
<p>Anders gesagt: In der Philosophie denkt ein Mensch sich was zum Thema „Mensch und Welt“ aus, kommuniziert dies anderen und rechtfertigt es ihnen gegenüber rational. Damit es Philosophie wird, braucht es also einen Menschen, der sich etwas ausdenkt und auch einen Gegenstand des Denkens, der sich im rationalen Gespräch verteidigen lässt.</p>
<p>Und da das, was sich dieser Mensch ausdenkt, ihn auch persönlich interessieren wird (denn sonst täte er es sich nicht ausdenken), wird es sich dabei um persongebundene Erkenntnisse handeln (die diese Person nichtsdestotrotz versucht, dem intersubjektiven Urteil zugänglich zu machen).</p>
<p>Dieser Punkt ist wichtig, weil die Wissenschaft überhaupt kein persongebundenes oder personbezogenes Wissen hervorbringt; so etwas ist ihr fremd.</p>
<p>Gut. Und jetzt: Wie ist es nach Helmut Plessner soweit gekommen, dass die Philososphie sich heute (1958) selber auslöscht? Plessner erwähnt mehrmals in dem genannten Text die gesellschaftliche ARBEITSTEILUNG als Ursache für diese Entwicklung. Als weiterer Tatverdächtiger muss dieser Kriminalgeschichte aber auch noch die Idee des FORTSCHRITTS hinzugefügt werden, welcher die Philosophie nicht entsprechen konnte.</p>
<p>So lässt Plessner seine kleine Geschichte der gegenwärtigen Situation der Philosophie mit Immanuel Kant beginnen, der, beeindruckt vom Fortschritt der Physik und der Mathematik, einen vergleichbaren auch für die Philosophie wollte – und sie deshalb einschwor auf Fragen, die sich auch tatsächlich beantworten lassen.</p>
<p>Kants Ruf kam aber, so Plessner, erst später zu Resonanz, als Deutschland die industrielle Revolution nachgeholt und die Ausdifferenzierung der akademischen Unterrichtsfächer vollzogen hatte. Oder, und jetzt sage ich dasselbe nur umgekehrt: Kants Philosophie war selber nichts anderes als der Vorschlag, Philosophie der gesellschaftlichen Arbeitsteilung anzupassen, indem sie von Experten als Fachwissenschaft betrieben wird.</p>
<p>Die Neokantianer waren aber dennoch, so Plessner, eigentlich die Gemäßigsten in dem Bestreben, aus der Philosophie eine Fachwissenschaft zu machen. Radikaler waren die Positivisten. Plessner nennt auch Diltheys Lebensphilosophie und Husserls Phänomenologie als Versuche, Philosophie an die neue Gesellschaftsform (die Niklas Luhmann „funktional differenzierte Gesellschaft“ nennt) anzupassen.</p>
<p>Nachdem er dergestalt aufgezeigt hat, wohin die gesellschaftliche Entwicklung die Gleise legte, wird klar, wohin der Zug der Philosophie rollen musste: Im 18. Jahrhundert musste sie, beeindruckt durch die Wissenschaft, selbst Ergebnisse liefern, die glaubhaft machten, dass sie der Gesellschaft</p>
<ul>
<li>Fortschritt brachte und</li>
<li>ein Expertenwissen besitzt, das ihr keine andere Disziplin streitig machen kann.</li>
</ul>
<p>Das waren die „formalen“ Forderungen der Gesellschaft an sie, die fürderhin ihren Inhalt bestimmen würden.</p>
<p>Die Philosophie reagierte auf diese Forderungen, indem sie sich entweder der Wissenschaft gänzlich integrierte (indem sie zu Wissenschaftstheorie wurde) oder indem sie sich auf ein Gebiet zurückzog, auf dem sie sich unangreifbar wähnte.</p>
<p>Also: Entweder wurde sie zur analytischen Philosophie (und dadurch zur Wissenschaftstheorie) oder zur Existenzphilosophie.</p>
<p>Also: Entweder Sich-Anhängen an den stärkeren Partner Wissenschaft, weil er es ist, der Fortschritt bringt (wenn die Gesellschaft Fortschritt verlangt) oder Rückzug auf ein Gebiet, wo niemand genau nachprüfen kann, aber das man wenigstens – im Sinne eines Fachgebiets – unbestritten für sich hat.</p>
<p>Der „Verzicht der Philosophie auf eine eigene Aussage über die Welt“, habe, so Helmuth Plessner, „paradoxerweise in zwei diametral entgegengesetzten Positionen [ge]endet: in ihrer Umbildung zu einem Instrument der Vergesellschaftung und in ihrer Vereinsamung am Orte des eigensten Selbst.“ (Ebd. S. 17)</p>
<p>Mit dem „Instrument der Vergesellschaftung“ ist klarerweise die analytische Philosophie gemeint, die den Menschen so sehr vergesellschaftet, dass er aufhört individueller Mensch zu sein, welcher den Anderen etwas mitzuteilen hat. Das Gegenteil davon ist die Existenzphilosophie, welche die Individualität des Menschen so sehr betont, dass von ihr aus keine Botschaft mehr den anderen Menschen erreichen kann. Das ist wohl das Schöne an Plessners Text, dass darin Kommunikation als die Mitte zwischen totaler Vereinsamung und Auflösung des Menschen in der Gesellschaft aufgefasst wird.</p>
<p>Ich habe diese Situationsbeschreibung der Philosophie von Helmuth Plessner aus dem Jahr 1958 gewählt, weil sie mir auch heute noch zutreffend zu sein scheint. Oder gibt es irgendeine Entwicklung, durch welche die akademische Philosophie aus dieser Sackgasse (man lese richtig: aus diesem Ende der Philosophie) herausgekommen wäre?</p>
<p>Was mir bei der Lektüre von Plessners Text sehr stark aufgefallen ist, ist, dass ihm zufolge die Entwicklung der Philosophie in den letzten 200-300 Jahren ausschließlich an Forderungen der Gesellschaft (Fortschritt und Arbeitsteilung) orientiert hat; gar nicht hingegen daran, was der Mensch, der einzelne Mensch, in der Philosophie suchen oder von ihr wollen könnte.</p>
<p>Ich frage mich daher:</p>
<ul>
<li>Hat niemand je in Erwägung gezogen, dass Philosophie überhaupt nicht dazu gut sein könnte, um Fortschritt für die gesamte Gesellschaft hervorzubringen?</li>
<li>Hat niemand je daran gedacht, dass Philosophie zur Vervollständigung individueller Erkenntnis und nicht zur Weiterentwicklung gesellschaftlicher Erkenntnis gut sein könnte?</li>
<li>Hat nie jemand ernstlich erwogen, dass Philosophie nicht dazu da sein könnte, um aus dem Menschen einen Experten zu machen, sondern um Laienwissen und Dilettantismus am Leben zu erhalten.</li>
</ul>
<p>Kurz: Plessners Text macht eindrucksvoll klar, dass Philosophie als ein gesellschaftliches Unterfangen wenig Sinn macht. Ist nie jemand auf die Idee gekommen, sie aus der Perspektive des Individuums zu begreifen? – Jedoch nicht des Individuums, für das seine eigene Individualität der Ort unkommunizierbarer Einsamkeit ist, sondern jenes Individuums, das sich anderen Menschen mitteilen möchte?</p>
<p>10. Mai 2011</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Das Wiener Dschungelbuch</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/04/04/das-wiener-dschungelbuch/</link>
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		<pubDate>Mon, 04 Apr 2011 20:06:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buchempfehlungen]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Wer hat jemals einen Sandler weinen gesehen? Ja, Mißtrauen, Angst, Verzweiflung und Zorn habe ich oft in den Gesichtern der Obdachlosen festgestellt, aber niemals Tränen. [...]&#8221; Ich freue mich sehr: Rabbafüzzes&#8217; melancholisch-schöne Erzählung &#8220;Das Wiener Dschungelbuch&#8221; ist als Buch erschienen! &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/04/04/das-wiener-dschungelbuch/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.philohof.com/wp-content/Das_Wiener_Dschungelbuch.jpg"><img class="aligncenter size-medium wp-image-37" title="Das_Wiener_Dschungelbuch" src="http://www.philohof.com/wp-content/Das_Wiener_Dschungelbuch-196x300.jpg" alt="" width="196" height="300" /></a><a href="http://www.philohof.com/wp-content/Das_Wiener_Dschungelbuch.jpg"></a>&#8220;Wer hat jemals einen Sandler weinen gesehen? Ja, Mißtrauen, Angst, Verzweiflung und Zorn habe ich oft in den Gesichtern der Obdachlosen festgestellt, aber niemals Tränen. [...]&#8221;</p>
<p>Ich freue mich sehr: Rabbafüzzes&#8217; melancholisch-schöne Erzählung &#8220;Das Wiener Dschungelbuch&#8221; ist als Buch erschienen! Wer dieses schmale (70 Seiten), zum Teil im Wiener Dialekt verfasste Bändchen liest, wird nicht umhinkommen, vor Rührung so manche Träne zu vergießen.</p>
<p>Erhältlich ist das Buch, nach Angaben des Autors in den Wiener Buchhandlungen:</p>
<ul>
<li>Buchhandlung am Schottentor</li>
<li>Frick am Graben</li>
<li>Riedl (Alser Straße) und</li>
<li>Yellow (Garnisongasse)</li>
</ul>
<p>(Zumindest in der erstgenannten sollten immer Exemplare vorhanden sein.)</p>
<p>Viel Spaß beim Lesen!</p>
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		<title>Über mich</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/03/16/uber-mich/</link>
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		<pubDate>Wed, 16 Mar 2011 21:28:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Über mich]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter dem folgenden Link finden Sie einen Lebenslauf von mir: LebenslaufHofbauer &#8220;Ob der Mensch nun prächtig oder bescheiden lebt, leben ist für ihn im tiefsten Grunde das Alleinsein, er ist sich bewußt, daß er ein Einzelwesen ist, daß ihm ein ganz bestimmtes, &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/03/16/uber-mich/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter dem folgenden Link finden Sie einen Lebenslauf von mir:</p>
<p><a href="http://www.philohof.com/wp-content/LebenslaufHofbauer.pdf">LebenslaufHofbauer</a></p>
<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td width="614" valign="top"><strong>&#8220;Ob der Mensch nun prächtig oder bescheiden lebt, leben ist für ihn im tiefsten Grunde das Alleinsein, er ist sich bewußt, daß er ein Einzelwesen ist, daß ihm ein ganz bestimmtes, ihm allein gehörendes Schicksal zugeteilt wurde. Er lebt nicht in Gesellschaft. Jeder muß sein Leben für sich leben, mit seinen eigenen Lippen austrinken, wie man einen mit Süße und Bitternis gefüllten Becher schlürft. Zuweilen wird man begleitet, gewiß, aber diese Begleitung ist noch keine Partnerschaft.&#8221;</strong>José Ortega y Gasset: „Sozialisierung des Menschen“, in: ders.: <em>Die Vertreibung des Menschen aus der Kunst</em>. Dtv, München 1964. S. 42.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong><em>Ethik anhand von Fernando Savater</em> </strong>(1997)</p>
<p>Auf den spanischen Philosophen Fernando Savater, über den ich meine Diplomarbeit schrieb, machte mich mein damaliger Spanischlehrer Jorge Sánchez-Cabrera aufmerksam, wofür ich ihm auch heute noch dankbar bin. Bei Savater lernte ich eine Ethik kennen, in der es um Ideen rund um die Frage geht, wie man ein gutes Leben führen kann. Das war für mich eine beeindruckende Erfahrung: Vorher war Ethik für mich nur ein Fach gewesen, in dem es darum geht, welche Dinge man tun soll oder nicht tun darf – mit einem Wort, sie beinhaltete nur Einschränkungen für das handelnde Individuum, aber keinerlei positive Handlungsentwürfe. Nun begegnete mir Ethik als eine philosophische Disziplin, in welcher der Mensch ein Mittel finden konnte, um sein eigenes Leben in den Griff zu kriegen.</p>
<p>Klar interessierte mich das, weil mich der Mensch interessiert. Den Menschen aber – da mag er noch so sozialisiert sein – gibt es nur als Individuum.</p>
<p>Schade nur, dass ich damals mit niemandem über meine neuen Erkenntnisse reden konnte (denn ich war damals voller Begeisterung über meine neue Entdeckung), aber die anderen im Philosophieinstitut schienen sich nur dafür zu interessieren, was der Mensch tun soll oder nicht tun darf, nicht aber dafür, was er tun will und wie er es angeht, um seine Träume zu realisieren. Diese Vorliebe meiner Mitmenschen, den Menschen von außen zu betrachten, ist etwas, das mich bis heute verwundert und beschäftigt.</p>
<p><em><strong>Bezugspunkt Gesellschaft. Über die Geselligkeit und Ungeselligkeit der Menschen</strong></em> (2000)</p>
<p>Den Anstoß zu meiner Dissertation gab die Literaturwissenschaft (der ich wiederum in meinem Romanistikstudium begegnete, nicht in meinem Philosophiestudium): Es waren zu der Zeit Methoden zur Interpretation von literarischen Texten in Mode (ich weiß nicht: Sind sie mittlerweile aus der Mode gekommen oder nicht?), die ganz vom Menschen absahen und eigentlich sagten: Die Gesellschaft habe den Text geschrieben, die Gesellschaft der jeweiligen Epoche habe ihn auch gelesen, und die Gesellschaft in ihrer jeweiligen Struktur spiegle sich auch in Aufbau und Inhalt des literarischen Werks. Präsentiert wurde mir diese Art, literarische Texte zu lesen, als Kulturwissenschaft.</p>
<p>Nun ist für mich als jemanden, der sich für den Menschen interessiert, Literatur vor allem interessant aufgrund ihrer Fähigkeit das Individuelle zum Ausdruck zu bringen. (Achtung: Mit Individualität meine ich nicht „unvergleichliche Einzigartigkeit“, das ist die Wortbedeutung mit der seine Gegner diesen Begriff verunglimpfen möchten!) Ich machte mich also an die Frage heran, ob die Gesellschaft wirklich den Menschen soweit bestimmt, dass er sich völlig auflöst, sodass man ihn bei der Interpretation literarischer Werke gar nicht mehr berücksichtigen muss.</p>
<p>Vor allem aber wollte ich wissen, wie denn der einzelne Mensch die Gesellschaft heute realistischerweise sehen könnte, wo doch aus den Wissenschaften Theorien kamen, die besagten, dass der Einzelne sich in den Strömungen der Gesellschaft bewege fast wie ein Stückchen Holz. Es entstand eine sehr differenzierte Arbeit, eine Arbeit, in der ich viel über die Gesellschaft und über die Soziologie lernte und dieser Disziplin auch in vielem Recht geben musste, was sie über die Einschränkungen individuellen Handelns sagte.</p>
<p>Das war aber nicht der Fehler dieser Arbeit. Ihr Fehler, im Nachhinein betrachtet, war, dass sie sich für das Falsche interessierte, nämlich für das Individuum in der Gesellschaft. Heute verstehe ich, dass für meine Mitakademikerinnen und Mitakademiker ein Entwurf, der davon handelt, wie das Individuum die Gesellschaft sehen könnte, ebenso uninteressant sein musste wie für mich eine Literaturwissenschaft, die literarische Werke als Effekte gesellschaftlicher Veränderungen erklärt. Falls die Literaturwissenschaft sich für den Einzelmenschen interessiert hätte, hätte sie ihn in den literarischen Werken gesucht; weil sie sich nicht für ihn interessierte, las sie die literarischen Texte kulturwissenschaftlich.</p>
<p>Es geht also nicht darum, wie man mir damals weiszumachen versuchte, dass der eine Weg wissenschaftlich nicht funktioniere und nur der andere neue wissenschaftliche Erkenntnisse hervorbrächte, sondern: Wenn man sich nicht für den Menschen interessiert, wird man nicht nach den AutorInnen und den Charakteren ihrer ProtagonistInnen fragen. Verblüffend war für mich neuerlich nur die Ursache oder das Motiv für dieses Desinteresse am Menschen.</p>
<p><strong><em>Einladung zur Odyssee. Eine erkenntnistheoretische Reflexion über die „epische Seite der Wahrheit“</em></strong> (2001)</p>
<p>Dieses Buch schrieb ich unmittelbar nach meiner Dissertation. Ich entwarf darin eine philosophische Erkenntnistheorie, deren Kern in der Erkenntnis besteht, dass die Wissenschaft eine kollektive Erkenntnisanstrengung ist oder geworden ist, die individuelle Erkenntnisanstrengung jedoch dadurch verwaist ist. Richtig, ich kümmerte mich wieder um das Individuum und die Frage, wie es denn erkennen könnte. Ich kam zu vielen interessanten Ergebnissen, wie dass das Individuum seine Erkenntnisse nicht in der Weise absichern kann wie die Wissenschaft, weil es allein ist und seine Ressourcen begrenzt, und dass es, eben weil seine Ressourcen so begrenzt sind, diese bestmöglich nützen muss und daher auch den Körper, die Sinne und die Phantasie in seine Erkenntnisanstrengungen einbeziehen muss – Elemente, die in der klassischen philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnistheorie nur negative Erwähnung fanden.</p>
<p>Als es dazu kam, dass ProfessorInnen dieses Buch lasen, verstanden sie es nicht (bis auf einen), sie verstanden nämlich nicht einmal die Intention: Wie kann man nur eine Erkenntnistheorie für den Einzelmenschen schreiben? Anstatt dessen lasen sie das Buch wissenschaftlich und fragten, welche neuen Erkenntnisse es der Wissenschaft bringe. Aber ein Buch über die Erkenntnisbemühungen des Einzelmenschen kann nie wissenschaftlich sein, selbst wenn es wissenschaftlich geschrieben ist, weil sich Wissenschaft nicht um die Erkenntnisanstrengungen des Einzelnen kümmert, sondern nur um jene der Gesellschaft.</p>
<p><strong><em>Interkulturelle Kommunikation. Eine (Her-)Ausführung aus der Interkulturellen Kommunikation</em></strong> (2009)</p>
<p>Dieses Buch ist Frucht meiner sechsjährigen Tätigkeit am Germanistischen Institut der Universität Wroclaw (Breslau) in Polen, wo ich Interkulturelle Kommunikation unterrichtete. Am Anfang war ich sehr begeistert gewesen von diesem Fach, weil ich es begrüßte, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander reden und einander am kulturellen Schatz ihrer eigenen Tradition teilhaben lassen.</p>
<p>Mit der Zeit allerdings merkte ich eine Tendenz, die wohl unvermeidlich ist in unserer organisierten Welt: Das Fach Interkulturelle Kommunikation wurde dazu missbraucht, um aus Kulturen Einheiten zu machen, die einen Repräsentanten brauchen bzw. spielten sich manche Gelehrte oder Schriftsteller – legitimiert durch ihr Wissen über diese Kultur – als Repräsentanten derselben auf. Oder: Experten traten auf und machten sich wichtig, indem sie andere Menschen darüber belehrten, was man einem/einer GesprächspartnerIn aus einer anderen Kultur gegenüber alles nicht sagen oder nicht machen darf. Sieht man die Parallele zu meiner Erfahrung mit der Ethik? – Ich kam also vom Regen in die Traufe: Wieder ging es nicht um den Menschen, sondern einige Menschen spielten sich auf, um entweder über andere Menschen das Sagen zu haben (indem sie sich zu Repräsentanten und Sprechern einer bestimmten Kultur machten) oder indem sie (als Experten für interkulturelle Missverständnisse anderen Menschen sagten, was sie zu tun haben.</p>
<p>Es kann nicht verwundern, dass ich aus diesem Grund über jenes Fach, über das ich so viele Einführungen gelesen hatte, eine (Her-)Ausführung schrieb: Da wollte ich schnell wieder raus! Mein Buch ist, glaube ich, sehr gut geworden, weil es eine Reihe von Texten enthält, die ich lange Zeit poliert habe. Ein Echo von Seiten der Leserschaft habe ich bislang allerdings noch nicht vernommen. Ich vermute, das hängt mit der Perspektive zusammen, welche dieses Buch in Bezug auf die Interkulturelle Kommunikation einnimmt: Es fragt nach dem Menschen in der Interkulturellen Kommunikation – und nicht danach, wie man ein wissenschaftliches Fach groß macht, bis es in den Augen der Gesellschaft glänzt.</p>
<p>Ich interessiere mich also für den Menschen. Das ist das Motiv für all mein Schreiben und gleichzeitig auch der Grund für seinen Misserfolg: Niemand sonst interessiert scheint sich nämlich für den Menschen zu interessieren. Dieses Desinteresse meiner Mitmenschen am Menschen ist mir zugleich nur allzu verständlich und völlig unverständlich. Nur allzu verständlich ist es mir, weil ein jeder Mensch einen Job braucht – und Jobs bekommt man im Allgemeinen nicht von Menschen, sondern von Institutionen. Daher ist es strategisch grundfalsch, sich mit dem Individuum zu beschäftigen, anstatt dessen muss man sich mit der Institution beschäftigen und zu deren Wohle arbeiten. Trägt man beispielsweise etwas zur Literaturwissenschaft bei, bekommt man irgendwann einmal einen Job von der Literaturwissenschaft; interessiert man sich jedoch nicht für die Literaturwissenschaft in der Literaturwissenschaft, sondern für die Literatur und dafür, was sie dem Menschen zu bieten hat, bekommt man keinen. So einfach ist das, und die meisten Doktoranden wissen das.</p>
<p>Das verstehe ich – mittlerweile – auch: Wenn du von einer Institution etwas willst, musst du der Institution dienen und nicht etwas für den Menschen machen, für den diese Institution vorgibt nützlich sein zu wollen. Also ich glaube nicht mehr daran, dass etwa die Literaturwissenschaft dem Menschen die Literatur besser begreiflich machen will. Das Einzige, was die Literaturwissenschaft will ist das Wohl der Literaturwissenschaft, dass sie wachse und in der Gesellschaft wichtiger werde – egal mit welchen Inhalten. Aber: Was mich doch immer verwundert hat, ist, warum die Kolleginnen und Kollegen die mich professionell ignorieren müssen, nicht dennoch manchmal das Gespräch mit mir suchen, um zu sagen: Aber wenn ich das jetzt aus der Perspektive meines Lebens betrachte, sind das schon sehr interessante Fragen, die du stellst!</p>
<p>Das ist die eigentliche Frage, die mich beschäftigt. Die Menschen interessieren sich nämlich nicht nur nicht für den Menschen aus Berechnung und Karrierestrategie, sondern sie interessieren sich wirklich nicht für ihn. Dabei müsste man doch denken: Sie sind doch auch selber Individuen – also müssten sie sich doch dafür interessieren, wie so ein Individuum funktioniert. Aber dem ist kurioserweise nicht so: Die Intellektuellen und WissenschaftlerInnen beschäftigen sich mit solcher Leidenschaft mit kollektiven Fragen und mit Fragen danach, wie man den Menschen am besten von außen betrachten kann, dass ich mich mittlerweile immer mehr dafür interessiere, was für Motive sie dafür haben. Gleichzeitig habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie oft mit solchem Wut und solcher Abscheu reagieren, wenn ich ihnen eine Frage über das Individuum stelle, dass ich mittlerweile den Eindruck habe, sie schauen in das Individuum hinein wie in einen fürchterlichen Abgrund, in den sie hineinstürzen könnten.</p>
<p>Alles das wäre nicht so merkwürdig, wenn wir in einer extrem kollektivistischen Gesellschaft leben. Aber man sagt im Gegenteil unserer westlichen Gesellschaft starken Individualismus nach. Ich selbst bin, und meine Arbeit ist, wie ich, glaube ich, durch diese Erzählung gerade überzeugend nachgewiesen habe, der Beweis dafür, dass unsere heutige westliche Gesellschaft überhaupt nicht individualistisch ist, sondern im Gegenteil jeden Begriff von Individualität verloren hat. Und wenn sie der Individualität mal begegnet, dann sieht sie sie an wie ein Schreckgespenst.</p>
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		<title>Zitate zur Frage: Was ist Philosophie?</title>
		<link>http://www.philohof.com/2011/03/13/zitate-zur-frage-was-ist-philosophie/</link>
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		<pubDate>Sun, 13 Mar 2011 10:08:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Was ist Philosophie?]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier finden Sie Zitate, welche mein Philosophieverständnis illustrieren. Diese Zitate sind wichtig für mich, schon allein um zeigen zu können, dass ich mein Philosophieverständnis nicht aus dem Nichts geschöpft habe, sondern dass auch schon andere Menschen solche und ähnliche Ideen &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/03/13/zitate-zur-frage-was-ist-philosophie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hier finden Sie Zitate, welche mein Philosophieverständnis illustrieren.</p>
<p>Diese Zitate sind wichtig für mich, schon allein um zeigen zu können, dass ich mein Philosophieverständnis nicht aus dem Nichts geschöpft habe, sondern dass auch schon andere Menschen solche und ähnliche Ideen bezüglich des Wesens von Philosophie gehabt haben.</p>
<p>Bitte lesen Sie die Zitate genau: Dann werden Sie in ihnen nicht nur finden, wie man Philosophie unter anderem auch auffassen kann (=das Resultat einer ungenauen Lektüre), sondern dann wird aus den Textausschnitten auch folgen, was Philosophie NICHT ist oder sein kann (und das ist dann auch so zu verstehen, auch wenn die Einbindung der Philosophie in unsere gegenwärtigen Gesellschaften dem diametral widerspricht).</p>
<p>1. FERNANDO SAVATER: Der/die Philosophierende als jemand, der allein dasteht gegenüber der &#8220;Buntheit der Welt&#8221;</p>
<p>Der spanische Philosoph Fernando Savater unterstreicht in diesem Zitat die Außenseiterrolle des philosophierenden Menschen in der menschlichen Gesellschaft. Philosophie ist das, was sich nicht integrieren läßt in die Gesellschaft, weil es der Kultur (einer jeden Gesellschaft) immer notwendigerweise entgegengesetzt ist &#8211; klar, ist so doch individuelles Nachdenken und nicht (wie die Wissenschaft) kollektives Forschen. Aus dem Grund bringen richtige Philosophen/Philosophinnen auch nie kollektive Fragen aus (Was ist wahr für uns? Was sollen wir tun?), sondern immer nur ihr je eigenes, individuelles Erstaunen und Unbehagen.</p>
<p><strong>„Ich bestehe auf dem Charakter von Reisenden oder Verbannten, kurz von <em>Entwurzelten</em>, der ersten Philosophen, weil es mir als das Relevanteste erscheint, um zu begreifen, worin Philosophie besteht und auch als das Würdigste, woran man sich heute aus Gründen der moralischen und politischen Zweckmäßigkeit erinnern sollte. Der Philosoph ist der Fremde schlechthin, dieser „unbekannte Ausländer“, gekommen von diesem oder jenem Ort, der in einigen platonischen Dialogen und auch in verschiedenen Tragödien auftaucht. Da er von außen kommt, fühlt er sich nicht mehr als durch Vorsicht an die traditionellen Glaubensartikel und an die etablierte Autorität gebunden: Auch gehört er nicht zu den Klans, die sich in Rechtsstreit befinden oder hat familiäre Angelegenheiten zu besorgen. Er betrachtet die Routinen mit kritischem Auge, denn für ihn sind sie noch keine. Ihn interessiert die Politik, aber häufig (Aristoteles!) hat er nicht einmal Bürgerrecht in der <em>Polis</em>, in der er wohnt. Er bringt Neuigkeiten von außen und vergleicht die Argumente dieses Ortes mit anderen, die er weit weg hörte. Er bemerkt, dass die Männer und Frauen sich überall im Grunde ähnlicher sind als es durch die lokalen Eigentümlichkeiten auf den ersten Blick scheint: Die menschliche Natur ihnen ist gemeinsam, Gesetze und Gebräuche variieren. Manchmal ironisiert er mit größerer oder kleinerer Unverschämtheit gegen den patriotischen Stolz, wie jener, der sich über diejenigen lustig machte, die damit prahlten, in Athen geboren zu sein, indem er bemerkte, dass sie dieses Verdienst mit vielen Schnecken und verschiedenen Arten von Pilzen teilten. Es gibt fast immer etwas mestizisches in den ersten Philosophen, sie pflegten alle ziemlich <em>braungebrannt</em> zu sein&#8230; Dem gehorsamen Sohn aus der Patrizierfamilie, dem Plebejer, der allem misstraut, das von außen kommt, dem gezwungenen oder freiwilligen <em>pur sang</em>&#8230; pflegt niemals etwas Neues einzufallen. Dieser Philosoph mit Gedächtnis aber ohne Wurzeln, der das Ankertau zerrissen hat, drückt niemals eine nationale Verlegenheit aus oder eine Frage kollektiver Art, sondern das Erstaunen und Unbehagen desjenigen, der sich allein vorfindet gegenüber der ausgestreckten Buntheit der Welt, belagert von Mythen, Gesetzen, Aberglauben und praktischen Kenntnissen verschiedener Art.“</strong></p>
<p>Fernando Savater: <em>Diccionario Filosófico</em>. Editorial Planeta, Barcelona 1995. S. 13-14. (Hervorhebungen im Original; Übersetzung: H.H.)</p>
<p>2. JOSÉ ORTEGA Y GASSET: Philosophieren ist Bilanz-Ziehen im eigenen Leben</p>
<p>In diesem Zitat stellt José Ortega y Gasset, auch ein Philosoph aus Spanien, klar, um welche Fragen es beim Philosophieren geht und gehen kann, nämlich ausschließlich um persönliche Fragen von einzelnen Menschen.</p>
<p><strong>&#8220;Es handelt sich also um die Notwendigkeit, dass der Mensch periodisch die Rechnungen jenes Geschäfts klarstellen muss, welches sein Leben ist und für das nur er verantwortlich ist, indem wir von der Optik, in der wir sehen und in der wir die Dinge erleben, insofern wir Mitglieder der Gesellschaft sind, zu derjenigen Optik zurückkehren, in der die Dinge erscheinen, wenn wir uns in unsere Einsamkeit zurückziehen. In der Einsamkeit ist der Mensch seine Wahrheit &#8211; in der Gesellschaft tendiert er dazu, ihre bloße Konventionalität oder Falsifikation zu sein. In der authentischen Realität des Menschlichen Erlebens ist die Verpflichtung zum häufigen Rückzug zum einsamen Untergrund von einem selbst inkludiert. Dieser Rückzug, in dem wir von den bloßen Wahrscheinlichkeiten, wenn nicht gar einfachen Schwindeln und Illusionen, in denen wir leben, ihre Beglaubigungen authentischer Realität verlangen, ist das, was man mit einem affektierten, lächerlichen und verwirrenden Namen Philosophie nennt.&#8221;</strong></p>
<p>José Ortega y Gasset: <em>El hombre y la gente</em>. Alianza Editorial, Madrid 1980. S. 105-106.  [Übersetzung: Helmut Hofbauer]</p>
<p>3.  WISLAWA SZYMBORSKA: Denken ist Pornographie</p>
<p>Das Zitat der polnischen Dichterin und Nobelpreisträgerin handelt nicht direkt von der Philosophie, sondern vom Denken. Aber es gibt uns einen Hinweis auf den einzigen gesellschaftlichen Ort, an dem wahrhaftiges und kompromissloses Denken &#8211; und ein solches ist Philosophie ja &#8211; möglich ist: Das ist die Freundschaft. Der Ort der Philosophie kann weder die Öffentlichkeit noch die Politik sein, weil eine philosophische Äußerung der grundsätzlichen Sympathie der Anderen für die sie aussprechende Person bedarf. Philosophie gedeiht (im Gegensatz zur Wissenschaft) nicht in einem hostilen Umfeld und zwar nicht nur, weil sie ein viel zarteres Pflänzchen ist als diese, sondern weil ein jeder authentische Gedanke aus gesellschaftlicher Sicht ja ein Regelbruch ist (ebenso wie Pornographie ein Regelbruch ist und gegen die &#8220;gute Gesellschaft&#8221; gerichtet ist).</p>
<p><strong>&#8220;Es gibt keine schlimmere Ausschweifung als das Denken.<br />
Dieser Übermut wuchert wie das windblütige Unkraut<br />
auf einem Beet, das für Gänseblümchen bestimmt war.</strong></p>
<p><strong>Wer denkt, dem ist überhaupt nichts heilig.<br />
Die Dinge dreist beim Namen zu nennen,<br />
das wüste Analysieren, die zuchtlosesten Synthesen,<br />
nach nackten Tatsachen hemmungslos wild zu jagen,<br />
heikle Themen lüstern zu betasten,<br />
Ansichten laichen, das ist sein Spaß.&#8221;</strong></p>
<p>Die ersten Verse des Gedichts &#8220;Ein Wort zur Pornographie&#8221; von Wislawa Szymorska. In: dieselbe: <em>Hundert Gedichte &#8211; Hundert Freuden.</em> Wydawnictwo Literackie, Krakau 2005. S. 191.</p>
<p>4. IMMANUEL KANT: Philosophieren ist selber denken</p>
<p>Freilich ist Philosophie auch Aufklärung. Aber Aufklärung in welchem Sinne? Sehr bekannt ist das Zitat von Immanuel Kant, wonach Aufklärung &#8220;der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit&#8221;. Das Problem bei dieser Formel ist nur, dass hier die Doppeldeutigkeit des deutschen Worts Mensch, das sowohl die Menschheit wie auch den Einzelmenschen meinen kann, zuschlägt. Dass Kant den Einzelmenschen, das Individuum gemeint hatte, zeigt folgendes Zitat aus demselben Aufsatz &#8220;Was ist Aufklärung?&#8221; deutlicher. Sein Sukkus: Unmündig bin ich, wenn ich auf einen Experten höre. Das gilt natürlich auch für die Philosophie: Unmündig bin ich, wenn ich meine Gedanken von einem Philosophieprofessor übernehme, anstatt sie selber zu denken. Daraus folgt: Philosophieren ist nicht delegierbar. Im Bereich der Philosophie ist gesellschaftliche Arbeitsteilung nicht möglich.</p>
<p><strong>„Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gern zeitlebens unmündig blieben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nöthig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.“</strong></p>
<p>Immanuel Kant, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ In: ders. <em>Was ist Aufklärung? Ausgewählte kleine Schriften</em>. Felix Meiner Verlag, Hamburg 1999. S. 20.</p>
<p>5. FERNANDO SAVATER: Philosophie gehört zur Literatur</p>
<p>Diese Festlegung ist von größter Wichtigkeit; denn die größere Gruppe von Menschen, der man in der Philosophie begegnet, wird aus solchen bestehen, die behaupten, Philosophie gehöre zur Wissenschaft. Diese Leute aber vertreten einen ganz anderen Ansatz als ich: Als Teil der Wissenschaft kann ein neuer philosophischer Entwurf sich nur noch einordnen ins Gebäude der Wissenschaft; was hingegen nicht möglich ist im wissenschaftlichen Rahmen, ist, dass ein Mensch anfängt zu denken und sein authentisches Denken entwickelt. (Denn ein literarisches Werk kann allein für sich stehen, ein wissenschaftliches nicht.) Es gibt aber noch einen zweiten Grund, warum es sich lohnt, sich bewusst zu machen, dass man Literatur betreibt, wenn man philosophiert: Nur dann erkennt man, dass man philosophierend fortwährend mit seinem Stil experimentiert. &#8211; In Wirklichkeit haben Argumente nicht die Kraft zu überzeugen: Man kann nur einen Stil finden, mit dem man (endlich) gewisse Leute erreicht.</p>
<p><strong>&#8220;Considero que la filosofía es un género literario. [...]&#8220;</strong></p>
<p><strong>&#8220;Ich halte die Philosophie für ein literarisches Genre.&#8221;</strong></p>
<p>Fernando Savater: <em>Apología del sofista.</em> Taurus Ediciones, Madrid 1981. S. 9. (Erster Satz des Buchs)</p>
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		<item>
		<title>Meine philosophischen Anfänge</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 10:45:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>philohof</dc:creator>
				<category><![CDATA[Die Anfänge]]></category>

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		<description><![CDATA[Nur schön langsam vom Anfang an! Ich habe angekündigt, meine Homepage neu aufzubauen und dabei die Texte ein bisschen zu kommentieren, damit Sie, meine Leserinnen und Leser, besser verstehen, was das für Texte sind, vor allem, um welche Art von &#8230; <a href="http://www.philohof.com/2011/02/21/9/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nur schön langsam vom Anfang an! Ich habe angekündigt, meine Homepage neu aufzubauen und dabei die Texte ein bisschen zu kommentieren, damit Sie, meine Leserinnen und Leser, besser verstehen, was das für Texte sind, vor allem, um welche Art von Texten es sich dabei handelt.</p>
<p>Um zu zeigen, was ich damit meine, gehe ich gleich in medias res: Die beiden Links unten führen zu zwei Artikel, die ich als Student noch für die Zeitschrift &#8220;ad hoc &#8211; Zeitschrift gegen Windmühlen&#8221; geschrieben habe. Diese beiden Texte sind wesentlich für mich, weil sie die Themen zeigen, die mich damals schon beschäftigt haben &#8211; und es bis heute immer noch tun.</p>
<p>Der erste Artikel heißt &#8220;Die Wissenschaft&#8221;. Er ist wohl in seinen inhaltlichen Aussagen nicht ganz ernst zu nehmen, wohl aber in seinem Anliegen. Ich schrieb ihn, weil ich damals Student war und bemerken musste, wie ich, wie wir alle im Namen der Wissenschaft mit Auflagen belastet wurden, die mir die lernende Auseinandersetzung mit Themen verunmöglichte. Dies musst du tun&#8230; das darfst du nicht tun, weil sonst ist es nicht wissenschaftlich. Kurz und gut, ich bemerkte also schon damals, dass die Wissenschaft auf dem pädagogischen Auge recht blind ist.</p>
<p>Doch schon damals, als ich ihn geschrieben hatte, wurde mein Text missverstanden &#8211; und noch dazu von meinen MitstreiterInnen, mit denen ich gemeinsam die Zeitschrift &#8220;ad hoc&#8221; herausgab. Sie sahen in dem Text eine Kritik der Wissenschaft, während er in Wirklichkeit der Aufschrei einer gequälten Person war, die sich geistig misshandelt fühlte und die Last nicht länger zu tragen vermochte. Damit möchte ich jetzt nicht sagen, dass der Text nicht auch eine Kritik der Wissenschaft beinhaltet, aber nicht in erster Linie. In erster Linie beinhaltet sie die Botschaft eines Individuums, welches sein Anliegen ausspricht.</p>
<p>Doch meine MitstreiterInnen waren ja auch StudentInnen, und sie missverstanden meinen Text, weil sie aufgrund der Veränderungen, welche die akademische Ausbildung in den Köpfen der Studierenden bewirkt, nicht mehr daran glauben konnten, dass das Individuum zählt. Ihrer Meinung nach konnte der Text wahrscheinlich gar nicht mehr von einem Individuum handeln, das in einer existentiellen Notsituation steckte, weil sie gelernt hatten, dass alle Behauptungen umso mehr zählen, für umso mehr Menschen sie Gültigkeit beanspruchen. Also musste der Text von der Wissenschaft handeln, denn: Die Probleme der Wissenschaft sind doch so gewichtig, dass die kleinen Probleme eines Helmut Hofbauer im Vergleich dadurch gar nicht zählen.</p>
<p>Damit komme ich schon zum zweiten Text. Er trägt den Titel &#8220;Die Wirklichkeit&#8221; und handelt von einigen diesen Geistesveränderungen, die ich damals als Student in meinen MitstudentInnen bemerken konnte. Ich gab diesen Veränderungen in dem Artikel verschiedene Namen, die Liste ist sicher nicht vollständig. Aber die Gemeinsamkeit ist zu erkennen: Meine MitstudentInnen lernten aus einer Logik der Konkurrenz und des Sich-gegenseitig-Übertrumpfens, die ihnen in der Universität nahegelegt wurde, heraus, sich speziellen Wirklichkeitsbereichen zuzuwenden, um andere, allgemeiner zugängliche mit Verachtung zu strafen.</p>
<p>Das ist der offensichtliche Inhalt des Artikels. Die hidden agenda in ihm ist, dass ich damals den Verlust von GesprächspartnerInnen beklagte, die mir durch die geistige Veränderung der Menschen infolge ihrer wissenschaftlichen Ausbildung abhanden kamen. In dem Maße, wie die Verwissenschaftlichung ihres Charakters zunahm, konnten meine KommilitonInnen immer weniger verstehen, dass ein Mensch, der etwas sagt (oder schreibt), ein Anliegen zum Ausdruck bringen wollen könnte. Und dass er, indem er dieses Anliegen ihnen gegenüber zum Ausdruck bringt, von ihnen erwartet, dass sie ihm als Menschen, d.h. als sie selbst, Antwort geben (und nicht z.B. als VertreterInnen ihres Fachs oder sonstwie als Masken und Marionetten für etwas anderes).</p>
<p>Auch dieser Text hatte es nicht leicht; er wurde geprüft darauf, ob alles richtig ist, was in ihm steht und am Ende &#8211; gnädig &#8211; doch zum Druck zugelassen. Denn, wie gesagt, man verstand damals meine Texte schon auf wissenschaftliche Weise, unsere Redaktion bestand schließlich aus StudentInnen: Das heißt, man fragte AUSSCHLIESSLICH danach, welche der Behauptungen in ihnen richtig oder falsch, wahr oder unwahr waren und man fragte GAR NICHT danach, welche Relevanz eine oder mehrere meiner Behauptungen für wen und in welcher Hinsicht haben (könnten).</p>
<p>Gut, aber aus diesem Grund schreibe ich ja diese &#8220;Gebrauchsanweisungen&#8221;, denn meine Texte sind nicht nur lang genug missverstanden worden, sondern sie sind eben auch mit wissenschaftlichen Texten verwechselt und dadurch in ihrem Wert geschmälert worden: Also: Meine Texte sind solche, in denen ein Mensch spricht, und die dann recht verstanden werden, wenn ein anderer Mensch sich von ihnen ansprechen lässt. Meine Texte werden falsch verstanden, wenn jemand sich bemüßigt fühlt, ein Detail an ihnen zu kritisieren, ohne dass er oder sie sich vom Text als ganzen und von seinem Anliegen ansprechen hat lassen. So einfach gehts (aber sag das mal jemandem in unserer komplizierten Welt!).</p>
<p><a href="http://www.philohof.com/wp-content/Wissenschaft_adhoc1_971.pdf">Wissenschaft_adhoc1_97</a><br />
<a href="http://www.philohof.com/wp-content/Die-Wirklichkeit_adhoc2_971.pdf">Die Wirklichkeit_adhoc2_97</a></p>
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