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Interkulturelle
Kommunikation

Philosophie

Interkulturelle Kommunikation - philosophisch betrachtet

Eine (Her-)Ausführung aus der Interkulturellen Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation - philosophisch betrachtet

 

Verwendete Methode

Um Missverständnissen vorzubeugen, habe ich in diesem Buch schon von Anfang an betont, dass es sich um ein philosophisches handelt. Das bedeutet vor allem:

  • Individuelle Wirklichkeitsbeschreibung mit Rücksichtnahme auf die Lebensumstände und Fähigkeiten des Einzelmenschen im Gegensatz zur kollektiven Wirklichkeitsbeschreibung der Wissenschaft;
  • das bedeutet aber vor allem auch: dieses Buch soll man mitdenkend lesen, während wissenschaftliche Bücher ja dazu dienen, das Denken abzuschalten, da mit der in ihnen vollzogenen Feststellung der Wahrheit weiteres Nachdenken gegenstandslos ist.

Ich bin mir also im Laufe meines Lebens- und Denkwegs immer stärker dessen bewusst geworden, dass mein Ziel darin besteht, Gedanken zu vermitteln - und nicht Wissen! Ein Gedanke ist eine relative Einheit, gewöhnlich verknüpft er zwei andere Gedanken; durch Nachvollzug kann man feststellen, ob er richtig ist oder nicht. Das impliziert aber, dass man ihn tatsächlich nachvollzieht - und dieses Buch nicht liest so wie man wissenschaftliche Bücher liest, indem man sagt: "Der Autor behauptet dieses und jenes und zieht folgende Schlussfolgerungen". Ich behaupte nämlich gar nichts und ziehe auch keine Schlussfolgerungen. Wenn irgendjemand Schlussfolgerungen zieht, dann ist es der Leser/die Leserin, welcher/welche durch meine Gedankenanstöße inspiriert zu irgendwelchen Schlussfolgerungen kommt.

In diesem Sinne ist dieses Buch geschrieben nach den bereits in meinem Buch Bezugspunkt Gesellschaft. Über die Geselligkeit und Ungeselligkeit der Menschen. ATUT, Wroclaw 2005 vorgestellten methodologischen Vorüberlegungen in dem Text "Der momentane Stand meiner Vorurteile - ein Vorwort" (S. 18-48). Darin ist ausgesagt, dass der nachdenkende Mensch eigentlich zu keinem anderen Ausgangspunkt seines Denkens kommen kann als dem, alle seine Überzeugungen als Vorurteile anzusehen, und Philosophieren besteht in dem kontinuierlichen Versuch, diese Vorurteile schrittweise zu verbessern. Daraus folgt, dass Philosophieren und Nachdenken vor allem Arbeit an einem selber ist (und eben nicht das bloße Feststellen von Wahrheiten).

Auf der anderen Seite ist das Buch Interkulturelle Kommunikation - philosophisch betrachtet genau aus diesem Grund zugleich auch eine echte Kommunikation, nämlich eine solche im Sinne von Sören Kierkegaards Ausführungen über den "subjektiven Denker" (vgl. Sören Kierkegaard: „I. Der subjektive existierende Denker ist aufmerksam auf die Dialektik der Mitteilung”, in: Unwissenschaftliche Nachschrift zu den Philosophischen Brosamen. In: ders.: Philosophische Brosamen und Unwissenschaftliche Nachschrift. dtv, München 2005 (1976), S. 200-208): Während ein wissenschaftlicher Text den Leser/die Leserin dazu überreden will, die seine Resultate zu akzeptieren, möchte ein philosophischer Text seine Leser in die Argumentation selber verwickeln und der Philosophierende würde sich auch sehr missverstanden werden, wenn man seine Ausführungen auf irgendwelche Resultate oder Schlussfolgerungen verkürzt.

Kurz gesagt, Kommunikation ist dieses Buch, weil:

  • aufgrund der philosophischen Perspektive überhaupt jemand da ist, der spricht (in wissenschaftlichen Büchern spricht der Autor/die Autorin ja hingegen im Namen der Scientific Community und wird dadurch zu einer anonymen Größe);
  • weil aufgrund der philosophischen Art des Diskurses überhaupt etwas da ist, das kommuniziert wird - es ist also überhaupt einmal eine Kommunikation da, die man als Leser/Leserin nachvollziehen und auf die man dann denkend reagieren kann (während in wissenschaftlichen Büchern die Argumentation eigentlich im Vergleich zu den Schlussfolgerungen aus dieser Argumentation, die das eigentlich Wichtige sind, entwertet wird).

Diese Horizontbestimmungen im Auge behaltend, habe ich in diesem Buch versucht, einzelne Fragen in möglichst kurzer und konziser Form zu beantworten, mich also auf das Wesentliche zu konzentrieren. Mein Ziel ist dabei ebenso gewesen, vorhandenes Wissen einzuarbeiten und Anschluss zu gewinnen an die in der Welt existierenden Diskurse über Interkulturelle Kommunikation wie auch, diese Diskurse nach allen Richtungen hin aufzubrechen und zu überschreiten. So war es mir wichtig, danach zu fragen, welche Fragen eigentlich nicht gestellt werden und welche verborgenen Ursachen es geben mag, warum über Kultur und Interkulturelle Kommunikation heute so geredet und geschrieben wird, wie das der Fall ist.

 

© helmut hofbauer 2009