| Interkulturelle
Kommunikation - philosophisch betrachtet
Eine
(Her-)Ausführung aus der Interkulturellen Kommunikation
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199 Seiten
Verlag: Oficyna Wydawnicza ATUT, Wroclaw 2009
http://www.atut.ig.pl
ISBN
978-39-4031-076-7,
ISBN 978-83-7432-538-7
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Zum
Inhalt
Nachdem
es bereits viele Einführungen in die Interkulturelle
Kommunikation gibt, war es an der Zeit für eine (Her-)Ausführungen,
denn man wird ja heutzutage in allzuviele Labyrinthe hineingeführt
- die Frage ist nur, wie man aus ihnen wieder herausfindet?
Interkulturelle
Kommunikation - philosophisch betrachtet ist ein philosophisches
Buch, das bedeutet, dass es eine individuelle Weltsicht
darzustellen versucht im Gegensatz zur kollektiven Weltsicht
der Wissenschaft. (Gerade im Fach der Interkulturellen Kommunikation,
in dem es um Unterschiede im Denken und Verhalten verschiedener
Menschen geht, erweist sich wissenschaftliches Vorgehen,
das gewöhnlich sagt, dass dieses und jenes so und so
zu sehen sei und dass alle das so zu sehen hätten,
ja als vereinnahmend.)
Das
Buch besteht aus vielen Einzeltexten zu den Themenkomplexen
Interkulturelle Kommunikation, Kulturbegriff und Selbstkultivierung
(die jeweils auch einzeln gelesen werden können), die
ich in der Zeit meines sechsjährigen Aufenthalts an
der Universität Wroclaw/Breslau in Polen geschrieben
habe, wo ich am Germanistischen Institut Interkulturelle
Kommunikation unterrichtet habe. Die einzelnen Texte zeichnen
auch meine eigene intellektuelle Entwicklung nach, vom Anfang,
als ich noch bestrebt war, etwas Positives in diesem Fach
zu finden, bis hin zur immer stärkeren Abwendung von
ihm.
Zur
Interkulturellen Kommunikation
Der
Hauptgrund für diese Abwendung (und meine Hauptkritik
an der Interkulturellen Kommunikation) ist meine Beantwortung
der Frage - stellt denn heute überhaupt noch jemand
solche Fragen? - ob die Interkulturelle Kommunikation denn
überhaupt bestrebt ist, mit dem anderskulturellen Gesprächspartner
in eine tatsächliche Kommunikation einzutreten und
etwas von ihm zu erfahren? - Mein Eindruck aus der Lektüre
der Fachliteratur der Interkulturellen Kommunikation, die
ich bisher gelesen habe, beantwortet diese Frage eigentlich
ziemlich eindeutig mit Nein! Dort wird die Verschiedenheit
der Kulturen (nicht als Chance, etwas Neues zu erfahren,
sondern) als mögliches Kommunikationshemmnis verstanden,
durch allerlei Regelwissen und Warnungen, vorsichtig zu
sein, wird die Kommunikation mit dem Gesprächspartner
aus der anderen Kultur von vornherein eingeschränkt,
um interkulturelle Missverständnisse zu vermeiden mit
dem Ziel, einen Geschäftsabschluss mit dem anderskulturellen
Gegenüber zu erreichen. Das Resultat dieser Vorgehensweise
ist: Man erreicht den Geschäftsabschluss, aber man
hat nichts von der anderen Kultur erfahren, und es läuft
auch in der Zusammenarbeit alles so wie daheim, auch das
eigene Alltagsleben hat also keinerlei interkulturellen
Impuls erfahren.
Man
könnte es auch so sagen: Wie uns heute beigebracht
wird, interkulturell zu kommunizieren, findet Interkulturelle
Kommunikation eigentlich gar nicht statt, weil uns ja geraten
wird, eine jede tiefer gehende Auseinandersetzung mit der
anderen Kultur zu vermeiden, um die oberflächliche
Erscheinung eines freundlichen Gesprächsklimas aufrechtzuerhalten.
(Aber vielleicht geht es eben nicht nur um die Ratschläge
der Fachleute in Interkultureller Kommunikation, sondern
darum, dass jene Leute, die heute hauptsächlich in
Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturen treten, Kommunikation
und lebendigen Austausch mit anderen Kulturen gar nicht
anstreben?)
Würde
man jedoch einmal anfangen, sich mit der Kommunikation auseinanderzusetzen,
dann müsste man auch Dinge thematisieren, die in dem
vorherrschenden Blümchenbegriff von Kommunikation häufig
ausgespart werden wie z.B. die Rolle von Machtverhältnissen
in der Interkulturellen Kommunikation oder die Möglichkeit
von Kritik an Überzeugungen der anderen Kultur.
Zum
Kulturbegriff
Dass
der Begriff der Kultur ein sehr komplexer und komplizierter
ist, wird häufig wiederholt in der Fachliteratur zur
Interkulturellen Kommunikation. Was aber nie gesagt wird,
ist, dass die besondere Attraktivität des Kulturbegriffs
für die heutige Zeit gerade von seiner Unklarheit und
seinen vielfältigen, oft gegensätzlichen Verwendungsweisen
herrührt. Ein jeder verwendet eigentlich diesen äußerst
positiv und nichts Konkretes bedeutenden Begriff, wie er
will - und der Begriff lässt sich auch z.B. von Politikern
von ganz links bis ganz rechts im Spektrum der politischen
Überzeugungen problemlos gebrauchen, wodurch diese
Politiker zwar alle ein positives Bild von sich verbreiten,
aber ganz gegensätzliche Dinge aussagen.
Es
ist die Frage, ob man bereit ist, sich auf dieses wunderbare
Durcheinander des Kulturbegriffs, in welchem sich alle lustig
suhlen, mitzumachen, wenn man sich mit Interkultureller
Kommunikation beschäftigt?
Zur
Selbstkultivierung
Ein
ganz wichtiger Punkt beim Nachdenken über Interkulturelle
Kommunikation waren (und sind) für mich vor allem auch
jene Diskurse, die durch den Diskurs der Interkulturellen
Kommunikation verdrängt werden. Selbstkultivierung
ist einer von ihnen, denn "Kultur" bedeutete ja
in früheren Zeiten eher Selbstkultivierung als das,
was wir heute darunter verstehen: So bezeichnete beispielsweise
Cicero Philosophie als "cultura animi", also als
Kultur der Seele, während die Idee, wonach ein Volk
oder eine Gesellschaft eine Kultur haben könne, erst
1791 bei Herder auftauchte.
Nun
ist es aber nicht so, dass es Selbstkultivierung heute nicht
mehr gäbe, es gibt sie schon, nur heißt sie heute
anders: Sie heißt Selbstmanagement. Der Hintergrund
dieses Bezeichnungswechsels scheint der zu sein, dass wir
uns heute nicht mehr vorstellen können, dass ein einzelner
Mensch seine eigene Kultur haben oder seine eigene Kultur
sein könnte. Vom Selbstmanagement her gedacht, könnte
das Ziel des Bezeichnungswechsels darin liegen, dass man
die Menschen zwar beeinflussen und formen möchte, aber
dabei zugleich auch den Gedanken verstecken möchte,
dass sie dadurch dann auch kultiviert, d.h. geformt und
geprägt sind. D.h. das Selbstmanagement scheint ein
Menschenbild zu verfolgen, in welchem der Mensch wie eine
Knetmasse ist, welche sich beliebig oft in die eine Richtung
formen und dann auch wieder in die andere Richtung zurückformen
lässt.
Inhaltsverzeichnis
Verwendete
Methode
Meine
Kritik am Fach der Interkulturellen Kommunikation
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