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Stichwort "Ethik" in der Interkulturellen Kommunikation
Die
Bedeutung der ethischen Komponente im Unterricht der Interkulturellen
Kommunikation hat auch schon Laurenz Volkmann betont, der
hoffte, "dass IK in diesem Sinne weniger einen bag
of tricks vermittelt, sondern nachhaltig positiv charakterbildend
wirkt". (Laurenz Volkmann: "Aspekte und Dimensionen
interkultureller Kompetenz", in: Laurenz Volkmann,
Klaus Stiersdorfer, Wolfgang Gehring (Hg.): Interkulturelle
Kompetenz. Konzepte und Praxis des Unterrichts. Gunter
Narr Verlag, Tübingen 2002, S. 44).
Laurenz
Volkmann hebt insbesondere hervor, dass der Unterricht der
Interkulturellen Kommunikation dann besonders erfolgreich
ist, wenn er die übergeordneten kommunikativen und
ethischen Lernziele nicht aus den Augen verliert:
"Derjenige
Fremdsprachenunterricht erscheint im Sinne des hier
vorgestellten Konzeptes von IK als besonders erfolgreich,
der sowohl erkennt, dass IK bis in die kleinsten Verzweigungen
der Alltagswelt und Alltagskommunikation hinein bedeutend
ist; als auch beachtet, dass übergeordnete kommunikative
und ethische Lernziele der IK bei der Unterrichtsplanung
und -gestaltung nicht aus dem Auge zu verlieren sind.
Schließlich dient der schulische und universitäre
Unterricht nicht allein einer utilitaristischen Ausbildung
zu verbesserter, reibungsloserer und damit erfolgreicherer
Geschäftskommunikation, sondern soll kommunikative
und ethische Ziele als bildungspolitische Ziele verfolgen:
erhöhte Sensibilität gegenüber dem
Anderen; mehr Taktgefühl und Einfühlungsvermögen
in der interkulturellen Begegnung; im Sinne der Selbstreflexivität
die Fähigkeit zur Relativierung der eigenen Position;
und als ethisches Ziel die Vermittlung von mehr Toleranz,
nicht allein im interkulturellen Bereich, sondern
auch im intrakulturellen (Stichwort: multikulturelle
Gesellschaft)." (Ebd. S. 14) |
Für
Laurenz Volkmann ist das ethische Element nicht bloß
schmückendes Beiwerk zur Interkulturellen Kommunikation,
sondern er rückt die Ethik sogar ins Zentrum des Unterrichts
der Interkulturellen Kommunikation:
"Der
fremdsprachliche Unterricht wird in der Pflicht stehen,
in besonderem Maße nicht nur die Sprache(n)
für eine Welt im Zeitalter der Globalisierung
(...) zur Verfügung zu stellen. Darüber
hinaus (...) wird er die Menschen auf den zunehmend
häufiger werdenden Austausch mit anderen Kulturen
vorbereiten müssen. Zwei eng miteinander zusammenhängende
Lernziele werden ihn dabei bestimmen: Da ist zum einen
das Vermitteln von IK als Weg zu einer reibungsloseren
Kommunikation (...) Eng damit verbunden, dieser praktischen
Ausrichtung noch übergeordnet, ist ein letztlich
ethisches Lernziel, das von vielen Philosophen der
postmodernen, multikulturellen Gesellschaft - wie
etwa Zygmunt Bauman (1995) - als Zentralerfordernis,
gar als "Überlebenserfordernis" (...)
verstanden wird: eine erhöhte Sensibilität
gegenüber dem fremden Gegenüber, das Wissen
um Differenzen bei der gleichzeitigen Fähigkeit
zur Selbstreflexion über die eigene Kultur, ja
zur Relativierung der Eigenposition - es geht letztlich
um die Fähigkeit zur Toleranz, die für die
Koexistenzverhältnisse in einer zunehmend internationaler
werdenden Welt von zentraler Bedeutung sein wird."
(Ebd. S. 43) |
Nun
ist es freilich so, dass das Buch Interkulturelle
Kompetenz. Konzepte und Praxis des Unterrichts für
den Fremdsprachenunterricht und also für LehrerInnen
geschrieben ist - und dieser Bevölkerungsgruppe traue
ich durchaus einen gewissen Impuls zur Weltverbesserung
zu. Es ist aber nicht nur möglich, sondern sogar
wahrscheinlich, dass es viele Menschen gibt, die Interkulturelle
Kommunikation nicht in erster Linie zu dem Zweck lernen,
damit dies hier einmal eine bessere Welt werde. Aus dem
Grund sollte man sich überlegen, ob es zum Unterricht
der Interkulturellen Kommunikation nicht auch gehören
sollte, die Lernenden darin zu schulen, die Kniffe und
interkulturellen Fähigkeiten bei anderen zumindest
zu kennen und zu erkennen, damit sie nicht naiv und ungeschützt
in die Kommunikation mit einem IK-geschulten Menschen
eintreten und dadurch kommunikativ benachteiligt sind.
Was
einem kommunikationwissenschaftlich ungeschulten und dadurch
ungeschützten Menschen durch einen interkulturell
geschulten alles drohen kann, lässt sich aus dem
folgenden Zitat von Annelie Knapp (aus ihrem Artikel "Interkulturelle
Kompetenz: eine sprachwissenschaftliche Perspektive",
in: Georg Auernheimer (Hg.): Interkulturelle Kompetenz
und pädagogische Professionalität. Leske
+ Budrich, Opladen 2002, S. 77) nur erahnen:
"Wie
jede Art von Wissen und Strategiebeherrschung kann
auch das Wissen um die Problembereiche interkultureller
Kommunikation und strategische interkulturelle Kommunikationsfähigkeit
für mehr oder weniger egoistische oder altruistische
Zwecke, zur Erreichung ethisch akzeptierter oder
verwerflicher Ziele eingesetzt werden. Wer über
interkulturelle Kommunikationsfähigkeit im
bisher definierten Sinn verfügt, kann z.B.
auch sein Wissen gezielt einsetzen, um den Verhandlungspartner
aufs Kreuz zu legen, er kann Missverständnisse
oder Nichtverstehen vorspielen, wenn er nicht reagieren
oder Konsequenzen ziehen will; er kann durch seine
Sprachenwahl gezielt Andere von der Kommunikation
ausschließen und von Informationen abschneiden;
er kann als Sprachmittler bewusst unvollständig
oder bedeutungsverzerrend mitteln. Er kann auch
- in weniger verwerflicher, aber doch bedenklicher
Weise - selektiv wahrgenommene kulturelle Unterschiedlichkeit
akzentuieren und zur Grundlage für die Konstruktion
von Distanz und Fremdheit machen." |
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