| Gedanken
nach der Lektüre von John Stuart Mills Utilitarism
John
Stuart Mill scheint ein schlechter Philosoph gewesen zu
sein. Das bestätigt auch Dieter Birnbacher im Nachwort
zu der von mir gelesenen Ausgabe (John Stuart Mill:
Utilitarism/Der Utilitarismus. Englisch/Deutsch (Übersetzt
von Dieter Birnbacher). Reclam, Stuttgart 2006 (1976)).
William James habe Mills philosophische Argumentationsweise
einmal so charakterisiert: „Mills gewöhnliche
Art zu philosophieren bestand darin, zunächst eine
von seinem Vater entlehnte Theorie kühn zu behaupten
und dann im Einzelnen an die Gegner der Theorie so viele
Zugeständnisse zu machen, dass von dieser praktisch
nichts mehr übrig blieb.“ (S. 201-202) –
und Birnbacher darauf, kommentierend: „Einiges hiervon
wird der Leser des vorliegenden Essays sicherlich bestätigt
finden.“ (S. 202) und, zusammenfassend: „Der
Utilitarismus, den Mill verteidigt – ließe sich
überspitzt sagen – wird im Verlauf der Verteidigung
so weit modifiziert, das er keiner Verteidigung mehr bedarf,
da jeder ihn anerkennt.“ Es wäre also möglicherweise
gescheiter gewesen, wenn ich mich schon mit dem Utilitarismus
beschäftigen will, Jeremy Benthams Introduction to
the Principles of Morals and Legislation zu lesen, die in
sich um einiges konsistenter sein soll.
Dennoch
ist Mills Verteidigung des Utilitarismus – nach Birnbacher
– „im angelsächsischen Sprachraum der meistgelesene
moralphilosophische Text überhaupt. In den Einführungskursen
der Universitäten spielt er eine ähnlich zentrale
Rolle wie hierzulande Kants Grundlegung zur Metaphysik der
Sitten, und wie dieser ist er in besonderem Maße geeignet,
die Probleme der praktischen Philosophie lebendig werden
zu lassen und zu theoretischer Analyse und moralischer Stellungnahme
herauszufordern.“ (S. 198) Es wird ja wohl nicht deshalb
sein, dass man an amerikanischen Universitäten Mills
Utilitarism mit den Studenten bespricht, um ihnen
zu zeigen, wie man schlecht philosophiert/wie man nicht
philosophieren sollte? Aber John Stuart Mill war gewiss
ein guter Politiker: Denn es gehört zum unabdingbaren
Handwerkszeug von Politikern, dass sie es verstehen, den
Leuten etwas Neues und anderes einzureden, indem sie ihnen
weismachen, es wäre ohnehin dasselbe wie das Alte,
an das sie vordem schon geglaubt hatten und dasselbe wie
das, was sie immer schon wollten. Für einen Philosophen/eine
Philosophin hingegen schickt sich das nicht: Hier wäre
es angezeigt zu sagen: „Das ist jetzt aber etwas Anderes!“,
wenn es tatsächlich etwas anderes ist. Aber vielleicht,
kann ich hieran meine erste Spekulation anschließen,
ist Utilitarismus ja auch von vornherein weit weniger eine
ethische oder Moraltheorie, denn eine genuin politische
Theorie? Das wäre zumindest nahe liegend bei jemandem
wie John Stuart Mill, der sich ab 1823 in der von ihm gegründeten
„Utilitarian Society“ „für Redefreiheit
und für die Ausdehnung des Wahlrechts auf die arbeitenden
Klassen“ (S. 199) und 1865-1868 als Mitglied des Unterhauses
für Frauenrechte einsetzte (S. 200).
Der
Inhalt des Buches
Der
Inhalt von Utilitarism besteht, um es recht direkt
herauszusagen, in einer Verteidigung des utilitaristischen
Prinzips der Nützlichkeit/des Glücks oder Genusses
als höchstem Prinzip für die Moral gegen den Vorwurf,
dass das Prinzip des Strebens nach Glück („pleasure“)
einer Ethik oder Moral und überhaupt dem Menschen unwürdig
sei und viel eher den Schweinen entspreche:
| "Now,
such a theory of life excites in many minds, and among
them in some of the most estimable in feeling and purpose,
inveterate dislike. To suppose that life has (as they
express it) no higher end than pleasure – no better
and nobler object of desire and pursuit – they
designate as utterly mean and grovelling; as a doctrine
worthy of swine, to whom the followers of Epicure were,
at a very early period, contemptuously likened;”
(S. 24) |
Diesem
Vorwurf begegnet Mill mit der schon von William James und
Birnbacher angedeuteten Strategie, indem er nämlich
versichert, dass auch schon Sokrates (S. 6) und Jesus von
Nazareth (S. 52) Utilitaristen gewesen seien und mithin
der Utilitarismus also gar nichts Neues sei, sondern nur
die moralischen Prinzipien jener Moral enthülle, an
die wir uns ohnehin schon bisher hielten. (Wodurch sich
ein bisschen die Frage stellt, was denn der Utilitarismus
zur bisher bestehenden Moral im konkreten Einzelfall überhaupt
noch hinzugibt?) Im Wesentlichen dienen alle fünf Kapitel
des Buches diesem Ziel, nämlich zu zeigen, dass „Nützlichkeit“
(utility) und „Glück“ oder „Freude“
(happiness) ein würdevolles Moralprinzip sei (ja, eines,
Nützlichkeit und Glück wird in eins gesetzt),
denn vorher hatte man ja geglaubt (und man glaubt es zum
Teil bis heute), je mehr es weh tut und je mehr sich jemand
selbst quält und verleugnet, desto mehr sei sein Verhalten
ethisch. Ich möchte daher bereits an dieser Stelle
klarstellen, dass mich dieses Problem gar nicht interessiert.
Es interessiert mich nicht, weil ich hier im Großen
und Ganzen Mills Meinung bin, dass man das Gerechte nicht
um des Gerechtseins willen tut, sondern irgendwie deswegen,
weil es gut ist und dass das Gerechte wie auch jedes anderwertig
ethisch/moralisch Geforderte erst dadurch gut wird, indem
es mit konkreten Inhalten auffüllt wird (also z.B.
dadurch, dass es uns dazu dienlich ist Glück, Freude
oder Genuss zu erreichen).

Viel
mehr täte mich schon interessieren (was in diesem Buch
nicht erklärt wird), wie man, wenn man vom Begriff
der „Nützlichkeit“ ausgeht, argumentativ
zu jenem der happiness kommt. Das ist also schon einmal
eine begriffliche Klippe, die ich nicht zu überspringen
vermag. Das nächste Rätsel ist dann schon: Wenn
man einmal die „Nützlichkeit“ und das Streben
nach „Glück“ als oberstes Moralprinzip
akzeptiert hat, wie man dann argumentativ von diesem persönlichen
Nutzen oder Glück zu dem vom Utilitarismus propagierten
„größten Nutzen für die größte
Zahl“ von Menschen kommt oder zum größten
gesellschaftlichen Glück? Das ist so unlogisch, dass
man sich nur vorstellen kann – wie Mill das ohnehin
darstellt – dass das Nützlichkeitsprinzip nur
erfunden worden ist, um dem schon bestehenden, traditionellen
Moralsystem einen neuen Akzent zu geben. Denn, vom Nutzenbegriff
ausgehend zu denken und von da aus bis zu der von Mill gewünschten
größten happiness für alle Menschen zu kommen,
bleibt für mich – bis es mir nicht jemand mal
erklärt – etwas Undenkbares.
Aber
auch das interessierte mich bei der Lektüre von Mills
Buch nicht wirklich. Anstatt dessen akzeptierte ich es mal
probeweise und verfolgt meine eigentliche Frage: Und –
die größte happiness für die größte
Zahl von Menschen, ist diese denn zumindest das Gleiche
wie die größte happiness oder der größte
Nutzen für die Gesellschaft? Ehrlich gesagt, mir scheint,
bei Mill besteht nicht einmal Sensibilität für
dieses Problem. Uns hat Niklas Luhmann schon gewarnt: Die
Gesellschaft ist so komplex, dass eine gut intendierte Handlung
durch ein Individuum, auf gesellschaftlicher Ebene negative
Folgen nach sich ziehen könnte; eine neue Aufgabe für
die Moraltheorie, folgerte Luhmann ironisch, könnte
daher sein, vor der Moral (bzw. vor den Konsequenzen ihrer
Befolgung) zu warnen. Bei John Stuart Mill gibt es jedoch
nicht nur keinerlei Überbrückungsnotwendigkeit
zwischen dem Individuen und den vielen Individuen, sondern
es gibt auch keine Schwierigkeiten im Übergang zwischen
den vielen Individuen und der Gesellschaft.
| „No
reason can be given why the general happiness is desirable,
except that each person, so far as he believes it to
be attainable, desires his own happiness. This, however,
being a fact, we have not only all the proof which the
case admits of, but all which it is possible to require,
that happiness is a good: that each person’s happiness
is a good to that person, and the general happiness,
therefore, a good to the aggregate of all persons.”
(S. 106) |
Hier
haben wir es also mit einer vollständigen Gleichsetzung
zwischen Individuum und allen Menschen/Gesellschaft zu tun:
Dass das Individuum sein eigenes Glück erstrebt, ist
nach Mill der Beweis dafür, dass das Glück ein
Gut gleichermaßen für die einzelne Person wie
auch für das „aggregate of all persons“
(Birnbacher übersetzt das mit der „Gesamtheit
der Menschen“) ist. Ich würde da folgende Zweifel
anmelden: Weiß die Gesamtheit der Menschen oder weiß
eine Gesellschaft denn überhaupt, was Glück, Freude
oder Genuss sind? Kann z.B. Österreich glücklich
sein? („Du, glückliches Österreich, heirate!“
(Matthias Corvinus)) Oder Großbritannien? Kann die
Wissenschaft sich freuen oder der Justizpalast genießen?
Gegenthese: Was happiness und pleasure sind, können
nur Individiuen wissen. Es ist daher auch vorhersehbar,
dass Individuen, die nach dem utilitaristischen Prinzip
von happiness und pleasure suchen, sehr bald mit Institutionen,
Funktionssystemen und staatlichen Gebilden in Konflikt geraten,
die von diesen Dingen keinen Begriff haben. Ich kenne den
Standardeinwand auf diese Behauptung schon: Aber in Institutionen,
gesellschaftlichen Funktionssystemen und staatlichen Einrichtungen
arbeiten doch auch Menschen, und diese wissen doch auch,
was Menschsein bedeutet! Aber dieser Einwand ist ein Kurzschluss,
der daher rührt, dass es sehr schwer aufzufassen und
zu akzeptieren ist, dass Menschen von den Organisationsgebilden,
in denen sie arbeiten, sozialisiert werden und sich im Lauf
ihres Berufslebens immer mehr (der/die eine mehr, der/die
andere weniger) an die Imperative und Regeln für beruflichen
Erfolg oder Misserfolg ihrer Institution als Arbeitgeberin
anpassen. Inwieweit jemand tatsächlich zu einem bestimmten
Zeitpunkt „ein Mensch geblieben ist“, wie man
so sagt, wäre nur durch eine konkrete Nagelprobe, festzustellen.
Auf diesen Punkt, dass Institutionen Individuen entmenschlichen,
muss man aber gar nicht beharren, wenn man nur einsieht,
dass derartige soziale Gebilde eine funktionelle Eigenlogik
entwickeln, welche häufig nicht in erster Linie mit
dem Ziel des größtmöglichen Glücks
für die größte Zahl von Menschen übereinstimmt,
sondern von organisationseigenen Zielen abhängt, welche
im offiziellen Zweck der Organisation/Institution sowie
in deren Wunsch, in der Zukunft weiterhin fortzubestehen,
liegen. Vielleicht lässt sich das am einfachsten am
Beispiel eines Staates illustrieren: Ein Staat hat –
im Gegensatz zu einer Zeitung oder einem Krankenhaus –
keinen konkreten Zweck; er kann folglich, je nach gesellschaftlicher
Gestalt und politischem System, durchaus die Tendenz bekommen,
einen Teil oder sogar einen Großteil seiner Bürger
zu unterdrücken, weil er etwa die Reformen, die diese
von ihm verlangen, mit seinem eigenen Untergang (in der
derzeitigen Form oder mit dem bisherigen Charakter) gleichsetzt.
Umgekehrt
habe ich somit nun auch bereits zum Ausdruck gebracht, was
eventuell interessant wäre am Utilitarismus: Das happiness
principle ist streng genommen nur Individuen zugänglich,
weil nur Individuen wissen können, was happiness oder
Glück ist. Das utilitaristische Prinzip könnte
sich daher (wenn schon nicht als Prinzip für ethisches
Handeln, so doch zumindest) als Maßstab für die
ethische Beurteilungen von Institutionen und großen
sozialen Gebilden verwenden lassen. Mit ihm könnten
Schulen, Krankenkassen, NGOs, Staaten und weltumspannende
soziale Netze daraufhin befragt werden, ob sie denn eigentlich
noch etwas zum größeren Glück und geringeren
Leid von konkreten Menschen beitragen oder ob sie nur noch
existieren, um ihre eigenen Systemgesetzlichkeiten zu erfüllen
und für konkreten Menschen gar keinen Nutzen mehr haben.
(Ich selbst bezweifle ja den Nutzen der Institution Wissenschaft.
Wobei die Tatsache, dass die Wissenschaft uns durch die
Ermöglichung neuer technischer Erfindungen das Leben
erleichtert, unbezweifelt ist (man kann bloß darüber
nachdenken, dass der technische Fortschritt auch ein zweischneidiges
Schwert ist). Aber die Funktion, konkrete Individuen durch
die Weitergabe wissenschaftlichen Wissens gescheiter und
wissender zu machen, erfüllt die Wissenschaft immer
weniger (beziehungsweise entwertet die Wissenschaft dieses
Wissen auch, indem sie es „populärwissenschaftlich“
nennt). Die Frage, die ich mir persönlich stelle, ist
nun, ob der technische Fortschritt, den mir die Wissenschaft
bietet, den Ausschluss aus dem Wissen aufwiegt? Da ich aber
Philosoph bin und an technischem Fortschritt relativ viel
weniger Interesse habe als daran, in meinem Erkenntnisstreben
von anderen Menschen ernst genommen zu werden, muss ich
sagen, dass aus meiner Sicht eigentlich die Wissenschaft
ihren Nutzen verloren hat.)
Interessanterweise
ist es aber auch bei John Stuart Mill nicht so, dass er
das Individuum völlig im Gleichklang mit der Gesellschaft
sah, sondern es scheint viel eher sein politischer und weltanschaulicher
Wunsch gewesen zu sein, diesem Ideal näher zu kommen:
| „But
there is this basis of powerful natural sentiment; and
this it is which, when once the general happiness is
recognised as the ethical standard, will constitute
the strength of the utilitarian morality. This firm
foundation is that of the social feelings of mankind;
the desire to be in unity with our fellow creatures,
which is already a powerful principle in human nature,
and happily one of those which tend to become stronger,
even without express inculcation, from the influences
of advancing civilization. The social state is at once
so natural, so necessary, and so habitual to man, that,
except in some unusual circumstances or by an effort
of voluntary abstraction, he never conceives himself
otherwise than as a member of a body; and this association
is riveted more and more, as mankind are further removed
from the state of savage independence.”
(S. 94) |
Es
ist also nicht so, dass Individuum und Gesellschaft an sich
(weil das der menschlichen Natur entspricht) in Harmonie
sind, sondern Mill erzählt hier eine Geschichte: Es
ist das die historische Geschichte, die weg von der „wilden
Unabhängigkeit” und hin zu dem Zustand führt,
wo ein jeder Mensch gar nicht anders von sich zu denken
vermag denn als „Teil eines Körpers“, des
Gesellschaftskörpers natürlich. Mill gibt auch
zu, dass „heute“ (1861) „[i]n the comparatively
early state of human advancement in which we now live, a
person cannot indeed feel that entireness of sympathy with
all others...“ (S. 100), aber das werde sich bessern,
versichert er, in dem Maße, wie durch politische Maßnahmen
die Quellen gesellschaftlicher Interessengegensätze
aufgehoben und rechtliche Ungleichheiten zwischen den Individuen
und den Klassen ausgeglichen werden (S. 98), woran Mill
ja auch selbst in seiner politischen Karriere mitgearbeitet
hat. Wir können nun aus heutiger Sicht, indem wir die
historische Erfahrung, die zwischen 1861 und 2010 liegt,
einbringen, uns fragen, ob wir Mills Zukunftsoptimismus
teilen oder ob wir nicht doch eher die Möglichkeit
der Realisierung einer derartigen Utopie einer differenzierten
Beurteilung unterziehen würden. Auf jeden Fall aber
scheint mir das zuletzt Vorgebrachte zwei Schlüsse
über das Wesen von Mills Utilitarismus zuzulassen:
1. Die
Harmonie zwischen Individuum und Gesellschaft ist keine
natur- oder Gott gegebene, sondern entspricht eher einem
Wunsch und muss erst auf politischem Wege im historischen
Prozess hergestellt werden. (Man könnte auch sagen:
Diese Harmonie zwischen Individuum und Gesellschaft ist
ein normatives Postulat: So sollte es sein; aber es ist
nicht so.)
2. Der Utilitarismus Mills ist weniger ein ethisches Programm
als ein politisches. Ich selbst würde die Grenzen zwischen
Ethik, Moral und Politik ja noch viel strenger ziehen, aber
so will ich hier gar nicht argumentieren, sondern nur darauf
hinweisen, dass der Utilitarismus (a) zur Erreichung seines
Ziel, dass das Individuum sich mit seinen Mitmenschen eins
fühlen kann, noch die Hilfe der Politik benötigt;
(b) die utilitaristische Ethik benötigt selber ebenfalls
politische und gesellschaftsweite Anerkennung, damit sie
besser funktioniert und leichter praktiziert werden kann
(„when once the general happiness is recognised as
the ethical standard“, heißt es im zuletzt zitierten
Textausschnitt); (3) und wenn das utilitaristische Prinzip
einmal gesellschaftlich und politisch akzeptiert sein wird,
was werden dann die Konsequenzen sein? Richtig, die Konsequenzen
werden wiederum vor allem politischer Natur sein: dann werden
die Mittel der Erziehung und der allgemeinen Bildung in
seinen Dienst gestellt und der Utilitarismus wird in allen
Menschen „kultiviert“ werden, was zur Folge
haben wird, dass ihm zur Durchsetzung seiner Imperative
sowohl äußere Sanktionen (die Missbilligung durch
die Mitmenschen) wie auch innere (schlechtes Gewissen) zur
Verfügung stehen.
| „The
whole force therefore of external reward and punishment,
whether physical or moral, and whether proceeding from
God or from our fellow men, together with all that the
capacities of human nature admit, of disinterested devotion
to either, become available to enforce the utilitarian
morality, in proportion as that morality is recognised;
and the more powerfully, the more the appliances of
education and general cultivation are bent to the purpose.“
(S. 84) |
In
dem Maße also, wie das utilitaristische Prinzip sich
gesellschaftlich und politisch durchsetzt, in dem Maße,
kann man sagen, wird sogar Gott denjenigen strafen oder
belohnen, der sich an dieses moralische Prinzip hält
oder nicht. Ob der Utilitarismus demnach eine Ethik oder
Moralphilosophie ist, lasse ich einmal dahingestellt, aber
man kann schon herausstreichen, dass er etwas ganz anderes
ist wie ein philosophisches Nachdenken, bei dem der einzelne
Mensch mit sich selbst zu Rate geht und sich fragt, wie
er in dieser Welt handeln soll, damit es gut ist und er
sich selbst auch in Zukunft weiterhin in den Spiegel schauen
kann.
Zum
Aufbau des Buches
Das
Buch hat fünf Kapitel, wobei das erste mit „General
Remarks“ übertitelt ist und im Wesentlichen
bloß enthält, dass man den Utilitarismus zumindest
richtig verstehen sollte, bevor man ihn annimmt oder ablehnt
(S. 18) – und also die Einleitung zur der ganzen folgenden
Kette von Zurechtstellungen ist.
Das
zweite Kaptitel heißt „What Utilitarism
Is“. In ihm hält Mill sich damit auf,
verschiedensten Vorwürfen gegen den Utilitarismus zu
entgegnen. Es versichert, dass der Utilitarismus kein bloßer
Hedonismus und keine Ethik für Schweine sei und rückt
ihn dabei soweit in die Nähe der traditionellen Moral,
dass ein jeder Mensch, der nach dieser moralisch ist, auch
als guter Utilitarist erscheinen muss.
Das
dritte Kapitel hat als Überschrift „Of
the Ultimate Sanction of the Principle of Utility“
und beantwortet die für viele Menschen sehr wichtige
Frage, welche Sanktionen es bei Nichtbefolgung der Utilitaristischen
Ethik/Moral gibt. Es hat sich nämlich, kommentiere
ich jetzt einmal leichtfertig, in der Geschichte der Moralphilosophie
die Überzeugung durchgesetzt, dass Ethik und Moral
mit großer Unlust verbunden sein müssen (was
beim Utilitarismus, dessen Imperativ darin besteht, nach
happiness und pleasure zu streben, ja eigentlich gar nicht
der Fall sein dürfte), und die Antwort Mills auf die
Frage nach den Sanktionen ist übrigens: Der Utilitarismus
habe genau dieselben Sanktionen anzubieten wie alle übrigen
Moralsysteme. („The principle of utility [...] has
[...] all the sanctions which belong to any other system
of morals.“ (S. 82) (Also auch hier ist der Utilitarismus
nicht anders und nicht neu.)
Das
vierte Kapitel handelt über die sehr bedeutende Frage
ab: „Of What Sort of Proof the Principle of
Utility Is Suceptible“. John Stuart Mill
wendet darin seinen Scharfsinn auf, um zu beweisen, dass
das Prinzip der „Nützlichkeit“ bzw. des
„Glücks“ (pleasure) als Moralprinzip tauglich
ist. Er beginnt damit, indem er festhält, dass die
Menschen eben tatsächlich ihr Glück erstreben
(S. 106) und hat dann nur noch das Problem, dass sie auch
manchmal etwas anderes erstreben – Tugend –
das nicht soviel Spaß macht. Dieses Problem löst
er, indem er sagt, dass auch Tugend Glück zum Ziel
habe und dass wir Menschen die Eigenschaft besäßen,
mit Dingen, die an sich bloß Mittel zum Glück
sind (Tugend, Geld, Ruhm (S. 110)) selber lustvolle Gefühle
zu assoziieren, wenn man seinen Geist dementsprechend kultiviert
(S. 114). Auf diese Weise wird also die dornige und langweilige
Tugend selbst zum erstrebten Glück und passt infolge
ihrer Wandlung in etwas Begehrenswertes ins utilitaristische
Schema.
Das
fünfte Kapitel ist recht lang und war ursprünglich
als eigenes Essay konzipiert, welches erst später in
das Buch eingefügt wurde. Es heißt „On
the Connexion between Justice and Utility“
und behandelt also die Frage der Gerechtigkeit. Die Gerechtigkeit
ist ein Problem für den Utilitarismus, weil es gewöhnlich
heftige Gefühle und Widerreden auslöst, wenn die
Utilitaristen Gerechtigkeitsfragen auf bloße Nützlichkeitserwägungen
reduzieren wollen. Mill reduziert sie trotzdem auf die Nützlichkeit,
nur baut er vor, indem er sagt, die Fragen rund um die Gerechtigkeit
seien besonders wichtig, lebenswichtig, für die Menschen,
weshalb sie diesen mit besonders starken, zum Teil animalischen
Gefühlen (S. 158) begegnen und deshalb glauben, Gerechtigkeit,
die nur graduell etwas anderes sei (sie ist uns wichtiger)
als einfache Nützlichkeitserwägungen, sei qualitativ
etwas ganz anderes.
Kann
mich John Stuart Mill mit seinen Argumenten überzeugen?
Nein, das kann er nicht, denn damit das möglich wäre,
müsste ich zuerst seine Vorstellung von Ethik oder
Moralphilosophie mit ihm teilen. Ich müsste sozusagen
in der Lage sein, den Utilitarismus als Gesamtpaket, so
wie er ihn in diesem Buch anbietet, anzunehmen. Aber ich
teile diesbezügliche Vorstellungen, die Mill offenbar
noch mit seinen zeitgenössischen Lesern teilte und
auch mit den heutigen Moralphilosophen und Ethikern teilt,
nicht. Weder glaube ich, dass es notwendig oder auch nur
gut wäre, ein einziges System der Moral zu entwerfen,
an welches sich alle Menschen halten sollen; noch, dass
es rationale Beweise für moralische Prinzipien oder
Sanktionen für das Nichtbefolgen ethischer Regeln gibt;
noch auch, dass Ethik darin besteht, uns in unserem Handeln
mit der Gesellschaft in Einklang zu bringen. Wenn ich solche
Dinge von mir gebe, wird man mich fragen, ob ich etwa Verbrechen
für moralisch gerechtfertigt halte? Und ich werde darauf
entgegnen, natürlich nicht, aber zugleich auch die
Gegenfrage stellen, ob man die Ethik auf einen Teilbereich
der Jurisdiktion, also des Rechts, reduzieren will, indem
man in ihr auch solche Dinge regelt und mit moralischen
Sanktionen belegt wie, dass man nicht morden oder nicht
stehlen darf. Nein, ich verstehe nicht einmal, was das eigentlich
ist, was John Stuart Mill in seinem Buch Utilitarism
den Lesern anbietet, ich frage mich also, worüber er
darin eigentlich redet?
Einen
Hinweis darauf fand ich ausgerechnet in dem langen und ansonsten
mühsam zu lesenden fünften Kapitel. Mill sagt
dort, dass das Gerechtigkeitsprinzip oft keine Lösung
biete, weil die Leute in der Diskussion um Gerechtigkeit
einander oft gleichwertige aber widersprechende Gerechtigkeitsprinzipien
entgegenhalten würden, zwischen denen eine Entscheidung
unmöglich sei. Einen Ausweg biete oft erst das „social
utility“-Prinzip. Zum Beispiel: Sollen in einem genossenschaftlichen
Industriebetrieb alle Arbeiter gleich viel bezahlt bekommen
(S. 171f.)? Oder sollen die erfahreneren und geschickteren
besser bezahlt werden? Nun, die „soziale Nützlichkeit“
wird, ich kann es mir nicht anders vorstellen, für
die zweite Option stimmen. Doch schon kommt das nächste
Beispiel: Wie sieht es aus mit der Verteilung der Steuerlasten
(S. 173f.)? Soll ein jeder gleich viel Steuern zahlen oder
sollen die Besitzenderen mehr zahlen als die Ärmeren?
Wenn alle gleich viel Steuern zahlen würden, würde
wenig Geld in den Staatssäckel kommen und das würde
wiederum die soziale Wohlfahrt gefährden – ich
kann mir also wiederum vorstellen, wie ungefähr das
Prinzip der „sozialen Nützlichkeit“ entscheiden
würde. Aber ich wundere mich über etwas anderes:
Welche Fragen werden mir hier als ethische dargeboten? Utilitaristische
Ethik erscheint hier weniger als eine Antwort auf die Frage:
Wie soll ich handeln?, sondern: Wie soll die sozialpolitische
Realität gestaltet sein? Und die möglichen Antwortvorschläge
des Utilitarismus sehen weniger wie Handlungsanweisungen
an einzelne Personen aus denn als Argumente für bestimmte
Sozial-, Arbeits- und Steuergesetze bzw. gegen andere.
Wieder
erweist sich also der Utilitarismus eher als politische
Theorie denn als Moralphilosophie. Vielleicht kann man das
aber auch einfach als ein Zeichen der Zeit auffassen und
den Utilitarismus als die Philosophie des aufwachenden Bürgertums
sehen in einer Zeit, als sich die Bürger in allen Lebensbereichen
zu regen begannen und auch in der Politik Verantwortung
übernehmen wollten. Auch hier liegt viel an historischer
Erfahrung zwischen uns und der Zeit von John Stuart Mill,
und ich glaube, die Möglichkeit, durch politische Regelungen
Missstände aus der Welt zu schaffen, wenn man nur dem
richtigen moralischen Prinzip dabei folgt, wird heute nicht
mehr so optimistisch gesehen. Politik gehört heute
immer weniger zur Handlungssphäre des einzelnen Menschen,
weil das politische System sich selbst so immunisiert hat,
dass das Individuum erlebt, wie ohnehin alles immer gleich
bleibt, egal welche Partei es wählt oder wogegen es
protestiert. Dennoch ist die Frage natürlich grundsätzlich
weiterhin interessant: Ist Moralphilosophie dazu gut, um
uns Individuen zu helfen, damit wir uns emanzipieren können
und eigenständig zu handeln lernen, oder ist sie dazu
gut, um dem Staat oder der Gesellschaft zu helfen, uns zu
knechten und uns in unserem Handeln zu konditionieren und
an die Norm anzupassen (denn wenn nur der Utilitarismus
Recht haben sollte in der Moralphilosophie, dann gäbe
es ja nur eine Norm)?

Diese
Fragen führen mich zurück zu meiner Eingangsfrage.
Liegt dem Konzept von Mills Utilitarismus nicht eine politische
Illusion zugrunde, wenn er meint, dass es einen „general
interest“ gebe, „in which that of every individual
is included“ (S. 188)? Im zweiten Kapitel spricht
Mill davon, dass bei zwei Genüssen (pleasures), einem
niedrigeren (körperlichen) und einem höheren (geistigen),
derjenige, der beide kennt, sich immer für den höheren
entscheiden würde (S. 28). Ich dachte beim Lesen, er
kennt Hansi Hinterseer nicht. Dieser blonde ehemalige Schifahrer
versammelt große Mengen an Fans um sich, indem er
ihnen in seinen Schnulzenliedern von der heilen Welt vorsingt.
Der Glaube, dass sich die Menschen bei zwei möglichen
Genüssen immer für denjenigen entscheiden würden,
„which employs their higher faculties“ (S. 28)
ist bestenfalls typische Akademikerart, von den anderen
Menschen zu denken, schlechtestenfalls aber kann man darin
eine normative Art zu denken sehen, die den anderen Menschen
vorschreibt, sie sie sich verhalten und welche Vergnügen
sie vorziehen sollten. An dieser Stelle kommt John Stuart
Mill also in Konflikt mit einer liberaleren politischen
Haltung, die allen Individuen zugesteht, jeweils sein eigenes
Konzept vom Glück zu verfolgen.
Eine
weitere Frage besteht darin, welche happiness man denn verfolgen
soll, wenn man die general happiness verfolgt, gesetzt der
Fall, dass nicht alle Menschen das Gleiche wollen:
| „...for
that standard is not the agent’s own greatest
happiness, but the greatest amount of happiness altogether;
and if it may possibly be doubted whether a noble character
is always happier for its nobleness, there can be no
doubt that it makes other people happier, and that the
world in general is immensely a gainer by it. Utilitarism,
therefore, could only attain its end by the general
cultivation of nobleness of character...” (S.
36) |
Ich
habe bereits darauf aufmerksam gemacht, dass der Utilitarismus
eine allgemeine Erziehung und „Kultivierung”
in seinem Sinne notwendig macht, also wiederum eine politische
Aktion, die vom Bildungssystem in die Praxis umgesetzt werden
müsste, um aus den Menschen solche Menschen zu machen,
denen dann auch gefällt, was sie kriegen sollen. Mit
einem Wort, sie müssen durch Erziehung genussfähig
gemacht werden, damit sie dasjenige als genussvoll erstreben,
was der Utilitarismus für genussvoll hält.
| „This,
being, according to the utilitarian opinion, the end
of human action [nämlich „an existence exempt
as far as possible from pain, and as rich as possible
in enjoyments“ S. 36], is necessarily also the
standard of morality; which may accordingly be defined,
the rules and precepts for human conduct, by the observance
of which an existence such as has been described might
be, to the greatest extent possible, secured to all
mankind; and not to them only, but, so far as the nature
of things admits, to the whole sentient creation.”
(S. 38) |
Hier
wird also das “greatest happiness principle”
sogar noch auf die gesamte fühlende Natur ausgedehnt.
Dabei ist es doch schwer genug zu wissen, was die Mitmenschen
glücklich macht. Würde man dieses Prinzip in die
Praxis umzusetzen versuchen, so wüsste ich nicht, wie
man einem paternalistischen, bevormundenden Verhalten entkäme.
| „When
people who are tolerably fortunate in their outward
lot do not find in life sufficient enjoyment to make
it valuable to them, the cause generally is, caring
for nobody but themselves. To those who have neither
public nor private affections, the excitements of life
are much curtailed, and in any case dwindle in value
as the time approaches when all selfish interests must
be terminated by death: while those who leave after
them objects of personal affection, and especially those
who have also cultivated a fellow-feeling with the collective
interests of mankind, retain as lively an interest in
life on the eve of death as in the vigour of youth and
health.” (S. 42) |
Selbstsucht
also ist die Hauptursache, welche das Leben unbefriedigend
erscheinen lässt (ebd.), und dagegen solle man ein
Gefühl der Anteilnahme mit den kollektiven Interessen
der Menschheit entwickeln. Ich könnte das nun beim
besten Willen nicht tun, weil ich gar nicht weiß,
welche die kollektiven Interessen der Menschheit sind. Vielleicht:
die Erde auszuhöhlen, alle Bodenschätze schnell
zu verwerten, um möglichst reich zu werden, bevor es
die Konkurrenten tun? Wie soll die Erde in 10, 50 oder 100
Jahren aussehen? Ich habe keine Vorstellung davon, zum Teil,
weil ich das berechtigte Gefühl habe, dass niemand
etwas von meiner Vorstellung hören wollen würde,
wenn ich mir denn eine machte. John Stuart Mill vertrat
immerhin noch die Meinung, dem Wirtschaftswachstum müsse
Einhalt geboten werden, und die Menschen sollten anstelle
von noch mehr Gütern kulturelle Werte schaffen, um
der Zerstörung der Natur Einhalt zu gebieten (S. 200).
Heute hingegen sehe ich unsteuerbare soziale Prozesse am
Werk (Wirtschaftswachstum, Bevölkerungswachstum, Umweltzerstörung),
bei denen ich mir gar nicht ausmalen will, wohin diese alle
führen werden, um einigermaßen ruhig leben zu
können. Ich will also gar nicht an den kollektiven
Interessen der Menschheit teilnehmen, weil mir scheint,
dass diese den Prozess benennen, der im Begriff ist, uns
ins Verderben zu führen.
Damit
man am Schicksal der Welt teilnehmen könnte, müssten
utilitaristische Gesetze aus dieser Welt erst wieder eine
machen, an der man als Individuum auch teilnehmen könnte,
wie es oben schon mal hieß und auch an dieser Stelle
wieder: „As the means of making the nearest approach
to this ideal, utility would enjoin, first, that laws and
social arrangements should place the happiness, or (as speaking
practically it may be called) the interest, of every individual,
as nearly as possible in harmony with the interest of the
whole...“ (S. 52) Das wäre wohl ein wünschbares
Ziel, ich kann mir nur nicht vorstellen, wie das möglich
wäre? Es gibt in unserer heutigen Realität Organisationen,
angefangen von den großen Staatsbahnen über das
Schulsystem und das Gesundheitssystem bis hin zur jeweiligen
Staatsverwaltung selber, die alle nicht zum Nutzen der Individuen
existieren, sondern in erster Linie zu ihrem eigenen Nutzen,
um ihr Fortbestehen zu sichern, und auf Kosten der Individuen.
Diese Kosten will ich jedoch gar nicht in erster Linie beklagen,
sondern dass die entsprechenden sozialen Gebilde sich nicht
einmal eine Idee davon machen, was für die Individuen
nutzbringend sein könnte. Bei Schulen z.B. ist wichtig,
dass man sie absolviert hat; was man dort gelernt hat, ist
unwichtig; die Bahn transportiert einen, reduziert aber
ihre Strecken, sodass sie einen vor dem notwendigen Besitz
eines Autos doch nicht bewahrt; der Staat schließlich
erzieht einen (Bildungssystem) und hält die öffentliche
Ordnung und das Infrastruktursystem in Schuss, damit die
Menschen ruhig leben können – aber die Menschen
können nicht ruhig leben, weil Finanzkrise und Arbeitslosigkeit
über sie hereinbrechen. Damit will ich sagen: Ein jedes
dieser gesellschaftlichen System überlebt zwar seine
eigenen systemischen Unzulänglichkeiten und kommt mit
ihnen zurecht, aber das schafft es nur, indem es sich an
den Individuen abstreift: Der Arbeitsmarkt verlangt irgendwelche
Kenntnisse? Das unselbstständige Bildungssystem stopft
damit die Individuen. Das Bahnfahren ist teuer, weil das
Autofahren billig ist? Nun so müssen die Bahnfahrer
eben teure Bahnkarten kaufen. Der Staat steckt in der Bredouille,
weil es durch die Globalisierung Konkurrenz aus Niedriglohnländern
gibt? Nun, so müssen eben die Individuen ihre Qualifikationen
steigern, damit das Land ein Hochlohnland bleiben kann (nämlich
ohne dass die Zwecklosigkeit des Wettkampfs mit den Niedriglohnländern
thematisiert wird). Ehrlich gesagt, dass uns diese Institutionen
nutzen, ist vielleicht nicht zu bestreiten, aber dass sie
uns mehr nutzen als sie uns kosten, ist bereits wieder fraglich
(auch natürlich, ob sie uns nutzen wollen, ohne sich
dadurch gleich wieder selbst zu nutzen – bei Politikern,
um gewählt zu werden). Am gravierendsten erscheint
mir das Problem beim Schulsystem, welches zu einem großen
Teil bestimmt, zu welchen Menschen es seine Schützlinge
macht und welches dann, ziemlich sorg- und konzeptlos irgendwelche
Menschen produziert. Aber dasselbe betrifft wohl auch den
Staat, wenn er seine Bürger immer stärker dem
Arbeitsmarkt ausliefert und dabei Situationen zulässt,
die dem Individuum die Würde als Mensch und als Bürger
rauben (Ich denke dabei an jüngste Entwicklungen wie
die „ein Euro-Jobs“ oder zu geringe Arbeitslosen-
oder Rentenunterstützungen.).
Nun bin
ich also tatsächlich vom Nachdenken über Mills
Verteidigung des Utilitarismus in eine Betrachtung des eigenen,
des heutigen Gesellschaftssystems hineingeschlittert, und
das vielleicht nicht unzufällig, denn woran auch immer
man heute denkt: Ob das nun das Schulsystem, das Gesundheitssystem,
den öffentlichen Transport, das Rechtssystem, das Militär,
den Handel, die Gastwirtschaft, die Industrie, die Wissenschaft,
die Kunst, den Sport etc. betrachtet, alles betrachtet man
mit Missfallen und wünscht sich, dass es bald zugrunde
gehen möge. Oder etwa nicht? Mögen Sie etwa gedopte
Radrennsportler und für Millionen von Klub zu Klub
verkaufte Fußballer? Mir kann der ganze Sportzirkus,
der Kunstzirkus, der Medienzirkus, der Wissenschaftszirkus,
der Wirtschafts- und Bankenzirkus, der Politzirkus etc.
gestohlen werden. Es gibt eigentlich keinen gesellschaftlichen
Bereich, wo man heute noch Lust hat, mitzumachen, weil man
das Gefühl hat, dass es dort halbwegs fair zugeht und
dass man dort seine Leistung erbringen wird können.
Anstatt dessen ist man eigentlich in jedem gesellschaftlichen
Bereich von den dortigen Geschehnissen und allgemeinen Praktiken
so angeekelt, dass man sich denkt: Macht euch euren Kram
doch alleine! – und sich nur wünscht, in Ruhe
gelassen zu werden.
Hier
liegt ein Problem: ein „fellow-feeling with mankind“
zu entwickeln ist unmöglich, zumindest für jemanden,
der nicht die Fähigkeit besitzt, über alle sich
aufdrängenden Widersprüche hinwegzusehen und sein
Einheitsgefühl mit der Gesellschaft und der Welt herzustellen
wie ein jubelnder Fußballfan sie mit seinem Team herstellt.
Die Betrachtung der heutigen Verfasstheit der Welt lässt
eigentlich keine Möglichkeit zu, als sie extrem unsympathisch
zu finden. Der Mensch, der aus diesem Grund keinen Anschluss
finden kann an das Einheitsgefühl mit der Menschheit,
muss sich auf diesem Planeten notgedrungen wie ein zeitweiliger
Passagier fühlen, dessen Verbindung mit ihr mit dem
Ablauf seiner Lebenszeit endet. Ich kann mir aber ehrlich
gesagt auch nicht vorstellen, wie die bürgerliche Gesellschaft
je glauben konnte, es werde alles besser, alle gesellschaftlichen
Widersprüche werden abgeschafft und in einer schönen
neuen Zeit würden das Interesse des Einzelnen mit dem
Gemeinwohl zusammenfallen. Schließlich ist die bürgerliche
Gesellschaft in allen ihren Grundelementen auf den Interessensgegensatz
aufgebaut, zum Beispiel im Geldzahlungsverkehr: Des einen
Menschen Ausgaben sind des anderen Menschen Einnahmen; was
den einen Menschen reicher macht, macht den anderen ärmer.
(Ich weiß schon, die Bürger sagen, aber er erhalte
ja auch ein Äquivalent dafür in Form eines Produkts,
aber das ist wieder einer dieser populären Fehlschlüsse:
Ein vierter oder fünfter DVD-Player macht dich nicht
reicher, die entsprechende Summe Geldes (weil sie angelegt
werden kann und Zinsen abwirft) hingegen schon.
Aber
was passiert, wenn man das utilitaristische Projekt einschränkt,
und sich vom Wohl aller Menschen oder gar dem der gesamten
fühlenden Natur auf jenes seiner unmittelbaren Mitmenschen
zurückzieht? Auch das lässt die Konzeption von
John Stuart Mill zu:
| „...it
is a misapprehension of the utilitarian mode of thought,
to conceive it as implying that people should fix their
minds upon so wide a generality as the world, or society
at large. The great majority of good actions are intended,
not for the benefit of the world, but for that of individuals,
of which the good of the world is made up; and the thoughts
of the most virtuous man need not on these occasions
travel beyond the particular persons concerned, except
so far as is necessary to assure himself that in benefiting
them he is not violating the rights – that is,
the legitimate and authorized expectations – of
any one else.” (S. 56) |
Die
Fälle, in welchen jemand das utilitaristische Prinzip
im größeren Umfang verwirklichen könne,
seien Ausnahmefälle (einer unter tausend), und ein
derartiger öffentlicher Wohltäter hätte dann
schon die Pflicht, den öffentlichen Nutzen zu orientieren
(ebd., S. 57). Ich sehe es ja nun nicht als meine Aufgabe
in diesem Text, Mill Widersprüche in seiner Argumentation
nachzuweisen, aber man muss schon zugeben, dass das ausgesprochene
bzw. geschriebene Wort bei ihm einen sehr geringen Wert
hat. Sicherlich ist dieser Wert viel zu gering, als dass
es möglich wäre, ihn „beim Wort zu nehmen“
und ihn zu fragen: „Und, wie ist das jetzt wirklich?
Ist nun das größte Glück der größten
Zahl oder gar aller Menschen anzustreben oder nur das meiner
Freunde und Bekannten? Meine Intention in dieser Reflexion
hier ist aber eine ganz andere: Wenn ich nun versuchen würde,
das Wohl meiner Freunde und Bekannten zu befördern,
wenn ich also versuchte, das utilitaristische Prinzip wenigstens
auf dieser Ebene zu verwirklichen – könnte ich
das, gelänge mir das? Ich glaube nicht, dass mir das
gelingen könnte, weil ich nicht weiß, was meine
Freunde und Bekannten wollen und was sie erstreben. Wäre
es freilich so, dass sie am Verhungern wären, dann
wäre die Aufgabe leicht. Dann würde ich ihnen
zu essen geben und könnte sicher sein, dass sie meine
Zuwendung als Wohltat erfahren haben. So aber mache ich
mir bestimmte Vorstellungen von dem, was für einen
Menschen schön und erstrebenswert sein müsste
und stelle dann in der Praxis immer wieder fest, dass meine
Mitmenschen etwas anderes für angenehm und wünschenswert
halten. Ich strebe z.B. ein interessantes Gespräch
an, weil so etwas für mich einen Genuss darstellt,
aber ich muss merken, dass meine Mitmenschen ein uninteressantes
Gespräch über unbedeutende Nebensächlichkeiten
vorziehen – und ein interessanteres Gespräch
wohl auch mit Hinweis auf die Ermüdung durch die vermeintlich
damit verbundene intellektuelle Anstrengung ablehnen würden.
Ich meine z.B., dass den Leuten gute Musik gefallen sollte,
aber ich stelle fest, dass die Leute oft schlechte Musik
der guten vorziehen, weil diese ihren Freunden gefällt
und sie sich eins mit ihren Freunden fühlen wollen.
Ich würde meinen, dass zumindest Literaturwissenschaftler
an Literatur interessiert sind, aber ich stelle fest, dass
sie nie Interesse haben, über Literatur zu reden, sondern
anstatt dessen nur über die Qualifikationsstufen ihrer
akademischen Karriere reden. Meine Beispiele, glaube ich,
lassen schon erkennen, dass das Problem um vieles leichter
wäre, wenn man bei einem jeden Menschen wenigstens
davon ausgehen könnte, dass er sich das Objekt seiner
Bevorzugung selbst ausgesucht hat und bereit ist, für
diese seine persönliche Wahl Verantwortung zu übernehmen,
und wenn es möglich wäre, von demjenigen, was
ein anderer Mensch will, im Gespräch mit ihm zu erfahren.
Beides ist aber leider nicht der Fall: Was ein Mensch will,
das kommt oft durch eine diffuse Mischung aus seinen eigenen
Impulsen, seinem Weltbild und Einflüssen seiner mitmenschlichen
Umwelt zustande; und kommunizieren kann man oft nicht mit
ihm darüber – um wenigstens zu erfahren, was
er will – weil er seine Objekte der Begierde für
natürlich, normal oder selbstverständlich hält
(und nicht als Resultate seiner Wahl), sodass er durch Fragen
nach dem, was er will oder gern hat, provoziert fühlen
könnte. Das Resultat ist, dass man über das, was
die eigenen Mitmenschen wollen oder bevorzugen, gewöhnlich
nur aus Beobachtungen und Andeutungen erfährt, welche
man dann allerdings erst noch mit dem Weltbild der jeweiligen
Menschen gegenverrechnen muss, um herauszufinden, was ihre
Wünsche und die Gegenstände ihrer Wünsche
überhaupt für sie bedeuten.
Anders
gesagt, das Feld desjenigen, was meine unmittelbaren Mitmenschen
wollen, ist nicht einfacher und leichter zu bewältigen
als dasjenige der Gesellschaft oder der gesamten fühlenden
Natur, sondern es ist ein nahezu undurchsichtiger Dschungel;
und zweitens muss man, um die Wünsche seiner unmittelbaren
Nebenmenschen zu verstehen, erst recht wieder auf die Welt
und auf die Gesellschaft rekurrieren, die doch um soviel
größer und unüberschaubarer ist als unsere
kleine, private Welt, weswegen Mill geschlossen hatte, das
Ziel, das größte Glück für die größte
Zahl von Menschen zu verfolgen, könne man dem gewöhnlichen
Menschen nicht zumuten.
Schlussbemerkungen
Ich
will an dieser Stelle langsam zu einem Ende kommen, weil
eine weitere Beschäftigung mit Mills Buch Utilitarism
zwar durchaus noch möglich wäre, das Buch jedoch
nicht so gehaltvoll ist, dass noch weitere interessante
und die Diskussion bereichernde Aspekte ans Licht kommen.
Wenn
also Mills Buch mehr ist als bloße politische Rhetorik
(sehr viel in Form und Inhalt des Buches gibt dazu Anlass,
es nur für einen Versuch politischer Einflussnahme
zu halten), sondern als philosophischer Entwurf ernst genommen
werden kann, dann ist zwischen mir und Leuten, die sich
Mills Argumentation anschließen könnten, eine
fundamentale Kluft in der Weltanschauung bemerkbar: Wie
Mill und solche Leute sich die Übereinstimmung des
eigenen utility- oder happiness-principle mit jenem der
Mitmenschen und gar mit jenem der Gesellschaft oder der
Menschheit vorstellen können, ist mir ein absolutes
Rätsel und bedürfte zuerst einmal der Aufklärung.
Wenn
man eine solche Gleichsetzung des für einen selber
Nützlichen mit dem der Mitmenschen und dem der Gesellschaft
vollzieht, hat man die Welt philosophisch nicht sehr tief
analysiert (wiewohl man politisch sehr schön geredet
hat). Ich bin daher in meinen Reaktionen auf Mills Thesen
bereits sehr viel tiefer gegangen als er selber das tut
und habe andeutungsweise die Probleme skizziert, die sich
auftun, wenn man auf diesem Denkweg, den Mill vorschlägt,
wandelt: Gesellschaftliche Gebilde entwickeln Eigenlogiken,
die das, was Individuen wollen, nicht berücksichtigen;
selbst die Erbringung von Nutzen und die Befriedigung von
Bedürfnissen ist in unserer Gesellschaft auf dem Prinzip
des Widerspruchs und Widerstreits angelegt; Individuen wissen
gar nicht oder können gar nicht Auskunft geben über
das, was sie wollen, weil sie von ihren Mitmenschen und
der Gesellschaft, so wie sie sie sehen beeinflusst sind
und zugleich zuwenig selbstständig sind, um sich einzugestehen,
dass sie diese oder jene Wahl selber getroffen haben, etc.
Meinen Einwänden gegenüber erscheint die Darstellung
der Welt durch John Stuart Mill wie die Predigt eines Pfarrers,
der die Einheit der Gemeinde in Gott beschwört, oder
wie ein Lied von Hansi Hinterseer, das ein Bild von der
heilen Welt malt. Es erscheint mir deshalb sehr schwer,
mich argumentativ mit der Position Mills auseinandersetze,
weil ich daran zweifle, dass die Menschen wirklich wollen,
was er ihnen vorschlägt, obgleich das wunderbare Paradoxon
zutage tritt, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, dass
sie alle von jener Verbundenheit des Individuum mit der
Menschheit hören wollen, die er ihnen verspricht. Die
Frage ist, was passieren würde, wenn diese (rhetorischen)
Wünsche wirklich in Erfüllung gehen würden?
Wahrscheinlich würde das gesamte Gesellschaftssystem
zusammenbrechen. Wenn unser auf Unwahrheit, Neid, Missgunst
und Konkurrenzkampf aufgebautes Gesellschaftssystem auf
Ehrlichkeit, Solidarität und gegenseitige Hilfe umgestellt
würde, wahrscheinlich würde dann den meisten Menschen
ihre Handlungsmotivation ausgehen. Obendrein wäre,
ebenso wie wenn plötzlich die Welt Hansi Hinterseers
über uns hereinbrechen würde, zu befürchten,
dass den Menschen langweilig würde. Das Glück
ist unendlich langweilig, der Himmel ohne Wolken eintönig,
rundum nur wohlwollende Menschen nerven. (Es wäre also
durchaus auch gut gewesen, wenn Mill sich mehr Gedanken
über die anthropologischen Grundlagen dessen gemacht
hätte, was er fordert.) Es bleibt also ein Rätsel,
warum die Menschen so gern von der heilen Welt reden hören,
deren Realisierung sie in Wirklichkeit wahrscheinlich gar
nicht wollen würden.

Ich
jedoch komme in meinem Nachdenken über das spezielle
Sosein der gesellschaftlichen Realität und der Funktionslogik
ihrer Institutionen immer wieder auch auf das Wollen der
einzelnen Menschen zurecht. Vieles in der Gesellschaft könnte
ganz leicht in rationaler Weise besser organisiert werden,
sodass sie mehr Nutzen für die konkreten Individuen
bringen und in ihrem Funktionieren weniger zu Bruch geht,
respektive weniger Menschen zerbrochen werden. Aber ich
stelle immer wieder fest, dass sich das nicht machen lässt,
weil meine Mitmenschen dieses Gegeneinander brauchen, diesen
Konkurrenzkampf, die Unehrlichkeit und die Widersprüchlichkeit.
(Ich gehe an dieser Stelle einmal davon aus, dass ich das
nicht in der Weise so stark brauche.) Ja, wenn alle Welt
solidarisch wäre und individuelle Nützlichkeit
und gesellschaftliche Nützlichkeit ineinander aufgingen,
gegen wen könnte sich der Einzelne denn dann noch durchsetzen?
Wie könnte man dann Freude daraus ziehen, dass man
schlauer, geschickter, schneller ist als die anderen? Unsere
Gesellschaft hat für diese Menschen eine ganze Reihe
von „Spielen“ organisiert, bei denen es jeweils
(wenige) Gewinner und (viele) Verlierer gibt. Das ist im
Wissenschaftssystem ebenso wie im Wirtschaftssystem, im
Rechtssystem oder im Erziehungssystem. Schon sobald man
nur in die Grundschule kommt, spielt man in einem Spiel
mit, in dem es Gewinner und Verlierer gibt, und weiß
es gar nicht, weil es einem nicht gesagt wird. Schon auf
dieser Stufe also stehen politische Rhetorik und philosophische
Wahrheitserkenntnis einander gegenüber. Während
die politische Rhetorik sagt, die Schule sei für alle
gut, denn sie versorge alle mit Bildung, sagt die philosophische
Einsicht, dass die Schule ein Spiel sei, das von vornherein
auch dazu angelegt ist, um eine Gruppe von Verlierern zu
produzieren, und zwar noch dazu: Verlierer, die weder wissen,
was mit ihnen gespielt wird, noch, dass sie später
in ihrem Erwerbsleben wahrscheinlich nie mehr aus ihrer
Verlierersituation herauskommen werden. Wie das Schulbeispiel
ja auch sehr schön zeigt: Gegenüber dem vorrangigen
Gewinnen und Verlieren treten die konkreten Inhalte, um
die man kämpft, in den Hintergrund. Das ist ja auch
der Grund, warum LiteraturwissenschaftlerInnen über
ihre publizierten Artikel oder über ihre Habilitation
sprechen, aber nicht über Literatur. Und auch wäre
ein Ansatzpunkt für eine Kritik des Utilitarismus:
Happiness oder pleasure ist ja auch ein Inhalt. Wir sehen
aber um uns herum, wie Menschen sich hauptsächlich
von Umständen und nicht von Inhalten antreiben lassen.
Es existieren wissenschaftliche Studien darüber, dass
das Gefühl von Unglück kauffördernd wirkt
und also die Wirtschaft stärkt (Cynthia E. Cryder et
al.: „Misery is not Miserly: Sad and Self-Focused
Individuals Spend More“, http://www.contrib.andrew.cmu.edu/~ccryder/miseryisnotmiserly.pdf
) Man muss also, wenn man tiefer in dieses Thema, das der
Utilitarismus vorschlägt, eindringt, sogar so unwahrscheinlich
und unmögliche Gedanken in Betracht ziehen, dass die
Menschen gar nicht in der Lage sind, happiness oder pleasure
zu erkennen, weil sie dazu geistig nicht selbstständig
genug sind, bzw. dass sie, obwohl sie das freilich nie zugeben
würden, sogar ihr eigenes Unglück erstreben. Was
die Menschen wollen, ist so komplex und in sich widersprüchlich,
dass man gar nicht wüsste in welcher Weise man handeln
oder die Welt verbessern wollen könnte. Der Erfolg
des Getränks „Red Bull“ (aber „Coca
Cola“ wäre ein ebenso gutes Beispiel) scheint
mir diese Gedanken zu illustrieren: Es ist unentscheidbar,
ob sein Initiator Dietrich Mateschitz damit der Welt etwas
Gutes oder etwas Schlechtes gegeben hat: ein Getränk,
das müde und überarbeitete Menschen munter macht,
anstatt ihnen Zeit zum Schlafen zu verschaffen. Gut und
böse sind so stark vermischt in den Herzen der Menschen,
dass eine Wohltat ohne üble Nebenwirkungen für
sie aller Wahrscheinlichkeit nach unannehmbar wäre.
Mit einem Wort, ich kann mir nicht vorstellen, was ein Nutzen
für die Gesellschaft wäre.
9. Jänner 2010
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