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Dissertation: Bezugspunkt Gesellschaft

Philosophische Wissenschaftsforschung

 

Wissenschaft beruht meiner Ansicht nach auf einem allgemeinen Vorurteil. Dieses lautet: Zuerst wissen wir etwas nicht, dann wird es von der Wissenschaft erforscht und dann wissen wir es. Diese Meinung, die eine Trägersäule unseres gesamten Gesellschaftsgebäudes ist, erweist sich allein schon in der persönlichen Erfahrung als falsch: Mag etwas auch bereits von der Wissenschaft erforscht sein, ich muss mich dennoch erneut damit beschäftigen, um die Lehre der Wissenschaft über diese Sache zu verstehen. Die einmal erbrachte (wissenschaftliche) Erkenntnisleistung erspart uns weitere Erkenntnisleistungen bezüglich desselben Erkenntnisgegenstandes also nicht.

Das ist aber noch nicht alles: Ich muss nicht nur meine eigene Erkenntniskraft und meinen persönlichen Lernaufwand dahintersetzen, um noch einmal zu erkennen (und zu verstehen), was die Wissenschaft schon erkannt hat und mir lehrt. Sondern auf einer höheren erkenntnistheoretischen Stufe muss ich als Individuum genau nachvollziehen, was die Wissenschaft eigentlich gemacht hat, als sie diese oder jene Sache beforschte, um ihre Ergebnisse einzuordnen und bewerten zu können.

Wissenschaftliche Erkenntnis erspart uns somit nicht die individuelle Erkenntnis. Vor allem erspart sie uns nicht die individuelle Erkenntnis der wissenschaftlichen Erkenntnis. Denn alles, was die Wissenschaft bereits erforscht hat, müssen wir als Individuen noch einmal erforschen, um, erstens, diese Erkenntnisse zu verstehen, und zweitens, um zu verstehen, was die Wissenschaft überhaupt gemacht hat, um diese Erkenntnisse zu fabrizieren. Was die Wissenschaft eigentlich ist und welche Leistung sie für uns erbringt, ist damit fraglich geworden, denn offensichtlich erbringt sie nicht die Leistung, uns als Individuen wissender zu machen, müssen wir doch, wie soeben ausgeführt, unsere indiviuellen Erkenntnisanstrengungen darein setzen zu verstehen, was die Wissenschaft uns überhaupt lehren will.

Mit dieser Erforschung der Wissenschaft beschäftigt sich die philosophische Wissenschaftsforschung (in dem Sinne, wie ich diesen Terminus verwende). Unter "philosophischer Wissenschaftsforschung" ist dabei keine Fach oder Fachgebiet gemeint, ist doch die Philosophie selber auch kein Fach, sondern eine individuelle Anstrengung der Erforschung jener Institution, die uns angeblich das Licht der Erkenntnis bringen soll und dabei selber nur riesenhaft groß und verworren aussieht.

Was ist Wissenschaft überhaupt? Wozu dient sie? Wofür ist sie gut? Wie funktioniert sie? Alle diese Fragen verlangen nach Antworten für jemanden, dem die Wissenschaft zweifelhaft geworden ist. Mit Fragen aus diesem Themenkreis sollen sich die hier folgenden Texte beschäftigen.

 

Was neben Leistung (und vor der Leistung) für wissenschaftlichen Erfolg sonst noch wichtig ist (pdf-Dokument)
28-seitiges pdf-Dokument: Rezension von Sandra Beaufaÿs' Buch Wie werden Wissenschaftler gemacht? Beobachtungen zur wechselseitigen Konstitution von Geschlecht und Wissenschaft. transcript Verlag, Bielefeld 2003

Was sind eigentlich Kulturwissenschaften (pdf-Dokument)
Diese 15-seitige pdf-Dokument beschäftigt sich mit Andreas Hütigs Aufsatz: "Erkenntnisinteresse und Methodologie der Kulturwissenschaften", in: Andreas Frings, Johannes Marx (Hg.): Erzählen, Erklären, Verstehen. Beiträge zur Wissenschaftstheorie und Methodologie der Historischen Kulturwissenschaften. Akademie Verlag, Berlin 2008. S. 49-70.

Was ist kulturwissenschaftliche Literaturwissenschaft?
Analyse von Friederike Hassauers Einführungsskriptum in die Literaturwissenschaft: Was ist Literatur? Einführung in die Romanistik (Hispanistik/Galloromanistik) und in die allgemeine Literaturwissenschaft. (Redaktion: Anke Gladischefski), Facultas Verlag, Wien 2001.

Über die Selbstvergessenheit der Naturwissenschaften und ihren bewusstlosen Kampf
(pdf-Dokument, 15 Seiten) Eine Art Rezension von Cantor’s Dilemma, Roman von Carl Djerassi, Penguin Books, London 1991 (1989).

Rezension von Monika Wogrolly-Domejs Buch Abbilder Gottes. Demente Komatöse, Hirntote
Styria Verlag, 2004.

Zu Michel Foucaults Die Geburt der Klinik (pdf-Dokument)
(Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2008 (8. Aufl.), franz. Erstauflage 1963)
21-seitiges pdf-Dokument, in dem ich versuche, den verworrenen wissenschaftlichen Diskurs Foucaults in diesem Buch zu entwirren und auf seine Kernthese einzugehen, wonach wissenschaftlicher Fortschritt durch Änderungen der Organisation des wissenschaftlichen Betriebs zustande kommen.

Das Verhältnis der Philosophie zur Wissenschaft am Beispiel des Instituts für Philosophie der Universität Wien
Analyse von Gordon A. Frutschniggs Diplomarbeit: Diplom- und Masterarbeiten am Institut für Philosophie in Wien. Theoretische und praktische Anforderungen in ausgewählten Schwerpunkten, Lehrende im Interview, Themen und Ergebnisse 2005 bis 2007 im Überblick.

Was passiert eigentlich, wenn ein Thema eine wissenschaftliche Behandlung erfährt?
Dargestellt anhand der Analyse des Vorworts von Wilhelm Schmids Buch Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1998. S. 9-14. (15-seitiges pdf-Dokument)


 

© helmut hofbauer 2009